Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/156/
zeit schon ein bescheidenes Alpenkurhaus stand. Der Name ist rätoro- manischen Ursprungs (ursprünglich «Salum») und bedeutet so viel wie «Hofstatt, Grund, Boden».21Mit jenem Alpflecken hatte der neugeba- ckene «Graf von Silum» freilich nichts zu tun. Er wohnte auch nie dort.22Man hatte 1939 für die Titelbeigabe einfach den wohlklingenden liechtensteinischen Flurnamen gewählt. Beim «Grafen von Bendern» war es ähnlich gewesen, allerdings war dieser zuvor in der Gemeinde Gamprin, zu welcher der Ortsteil Bendern gehört, eingebürgert worden. Der «Freiherr von Stahmer Graf von Silum» dagegen wurde nie liech- tensteinischer Bürger, er blieb Deutscher. Für Stahmer war der Erhalt des liechtensteinischen Ordens gesell- schaftlich für diplomatische Empfänge, wo Eitelkeiten zählten, wertvoll. Und die Nobilitierung zum Freiherrn und zum Grafen von Silum schmeichelte nicht allein persönlichem und familiärem Selbstbewusst- sein, sie passte auch zu der unter Hitlers Paladinen verbreiteten Jagd nach Adelsprädikaten. Stahmer benützte seine liechtensteinischen Adelstitel allerdings in der Zeit des Dritten Reiches nicht öffentlich. Dazu hätte es wohl der Zustimmung Hitlers, die kaum zu erlangen ge- wesen wäre, bedurft. Kurzzeitig war Stahmer im April 1939 vermutlich auch zusammen mit Dieckhoff und Kabinettssekretär Dr. Rupert Ritter in Gespräche zur Errichtung einer liechtensteinischen Gesandtschaft in Berlin involviert. Hierbei hätte man Stahmer – der in diesem Zusammenhang in den Quel- len nur als «St.» aufscheint – in Liechtenstein eingebürgert und als liech- tensteinischen «Legationsrat» in Berlin beauftragt. Aus dem Gesandt- schaftsprojekt wurde indes nichts.23Stahmer unterstützte noch über 1939 hinaus die erwähnten Versuche des im Auftrag des Fürsten tätigen, umtriebigen Dr. Albrecht Dieckhoff, verloren gegangene liechtensteini- sche Bodenreform-Güter wieder zu erlangen. Erfolge wurden dabei of- fenbar nicht erzielt.24Im Kriegsverlauf entrückte Liechtenstein alsbald 156Peter 
Geiger 21Vgl. zu «Silum» Hans Stricker / Toni Banzer / Herbert Hilbe, Liechtensteiner Na- menbuch, Die Orts- und Flurnamen des Fürstentums Liechtenstein, Bd. 2, Vaduz 1999, S. 206–208. 22Mündliche Mitteilung von Heinz-Dieter Stahmer an Peter Geiger, 4. April 1995. 23Peter Geiger, Krisenzeit, Bd. 2, S. 340–342. 24«Allgemeiner Vermerk über die Beziehungen Dr. D. zu Liechtenstein 1928–1941», Privatarchiv Alice v. Dieckhoff, Hamburg. – Peter Geiger, Kriegszeit, Bd. 2, S. 241, 243 f.
        

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