Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326999/131/
sichtnahme auf seine menschliche und natürliche Umwelt handelt, steht nicht im Gegensatz dazu, dass er ebenso ökonomisch agiert. Es wäre falsch, zu ignorieren, dass grosse Teile seines Handelns durch Eigeninte- ressen bestimmt sind, worin immer diese bestehen mögen. Die Marktwirtschaft und liberale Wirtschaftsvorstellungen einsei- tig und verkürzt auf das Ziel der Profitmaximierung und ungehemmtes Freiheitsstreben zu sehen, wird den betreffenden ideologischen Vorstel- lungen (und auch der liechtensteinischen Praxis) nicht gerecht. Wirt- schaft ist nie Selbstzweck, sondern immer auf die Verbesserung der Le- bensumstände (einschliesslich z. B. der Arbeitsbedingungen) der Men- schen auszurichten. Wirtschaftliches Denken ist nicht erstrangig das Denken in der Kategorie von Preisen und Geldwerten, sondern stellt – will es die wirtschaftlichen Vorgänge erklären können – auf die das menschliche Handeln lenkenden, vor allem psychologisch zu deutenden Überlegungen und Wünsche ab. Genauso wie eine sozialistische Ideologie das Streben nach Ge- rechtigkeit nicht als einzigen Wert ansteuert, sondern den Menschen durch ein Leben in gerechten Bedingungen auch Freiheit verschaffen möchte, trachtet eine liberale Ideologie nicht einfach nach Freiheit als Selbstzweck, sondern stellt diese wesentlich in die Verantwortung der einzelnen Person, eine Verantwortung, welche durch allzu weitgehende staatliche Gängelung gefährdet erscheint, verbunden mit dem durch ob- rigkeitlich lenkende Massnahmen verbundenen Risiko, dass sich die in- dividuellen Anreize und Verhaltensweisen in die Richtung zur tenden- ziellen Ausbeutung des Sozialsystems verändern. Einem freiheitlich ausgerichteten Wirtschaftsmodell werden vor al- lem die Kriterien Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Konkurrenzfähigkeit zu Grunde gelegt. Der letztgenannte Faktor «Wettbewerb» sorgt dabei für das Erreichen der beiden vorerwähnten Merkmale, die für ökonomi- sche Nützlichkeit stehen. Sie stehen aber auch für eine sorgsame, spar- same Verwendung von Ressourcen. In der Sicht vieler Menschen steht die Marktwirtschaft – wobei diese Bezeichnung von den Kritikern gerne vermieden und durch den überwiegend negativ tönenden Begriff Kapitalismus ersetzt wird – als Synonym für Egoismus und werden sozialistische Vorstellungen dage- gen als Synonym für Gerechtigkeit plakatiert. Das erklärt, weshalb es ein freiheitliches Wirtschaftssystem schwer hat, die Menschen emotional zu berühren. Es sollte korrekter Weise aber im Lichte der dahinter stehen- 131 
Vom Werden und Wachsen eines Forschungsinstituts in einem Kleinstaat
        

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