Volltext: Jahrbuch (2017) (116)

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurden unzählige Men- 
schen aus ihrer Heimat verschoben und wie menschlicher 
Flugsand quer durch Länder und Zeitgeschichte geweht. 
Zu ihnen gehörten auch jene rund fünfhundert Angehöri- 
gen der sogenannten Holmston-Armee, der «1. Russi- 
schen Nationalarmee der Deutschen Wehrmacht», die in 
der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945 von Nofels her in 
Hinterschellenberg die damals deutsche Reichsgrenze 
nach Liechtenstein überschritten und hier interniert wur- 
den. Einer dieser «Russen» in hitlerdeutscher Uniform 
war der 21-jährige Josef Salamaj. Dies ist seine Geschichte. 
Fragen, Grundlagen, Namen 
Aus welchem Teil Russlands und aus welchem Ort 
stammte Josef Salamaj eigentlich? Aus was für einer Fa- 
milie? Was für Schulen hatte er besucht, was gelernt? 
Wie kam er dazu, in der hitlerdeutschen Wehrmacht zu 
dienen? Wie erging es ihm in Liechtenstein? Warum liess 
er sich nicht wie die Mehrzahl der Holmston-Soldaten 
zur Repatriierung in die Sowjetunion überreden? Bisher 
bekannt war nur: Er war am 16. März 1924 geboren, und 
er war am 25. September 1947 als Internierter der Holm- 
ston-Armee aus Liechtenstein nach Frankreich abge- 
reist.! Wie verlief das weitere Leben des bei der Ausreise 
erst 23 Jahre alten Ex-Internierten? 
Diese und weitere Fragen zu Josef Salamaj lassen sich 
heute beantworten. Denn sein Sohn Paul Salamay 
(* 1951), der heute in Frankreich lebt, hat zu privaten 
Zwecken eine Genealogie seiner Familie und Verwandt- 
schaft verfasst. Er hat sich insbesondere für die weithin 
verborgene Geschichte seines Vaters interessiert — sie er- 
schien dem Sohn wie ein Rátsel —, hat dessen nur gele- 
gentlich und bruchstückhaft gedusserten Hinweise no- 
tiert, hat Familienangehórige des Vaters in der Sowjet- 
union gesucht — und 1988 auch in der Ukraine, damals 
noch Sowjetrepublik, aufgespürt. Nach dem Tod seines 
Vaters 2008 hat der Sohn im Nachlass gewisse Auf- 
schlüsse gefunden. Darauf hat er Recherchen nach ver- 
schiedenen Seiten zu seinem Vater Josef und dessen 
álterem Bruder Vladimir angestrengt, nàmlich bei der 
polnischen Gesandtschaft in Frankreich, beim IKRK, 
beim internationalen Suchdienst Arolsen, beim War- 
schauer Institut Nationalen Gedenkens, bei verschiede- 
nen Stellen in der Schweiz bezüglich Interniertenlager. 
Vorerst blieben alle Anfragen ohne Ergebnis. 
Zusammenführung der Forschung 
Vom Bundesarchiv Bern ist Paul Salamay eher zufäl- 
lig ans Landesarchiv Vaduz verwiesen worden. Von dort 
hat er zum ersten Mal erfahren, dass sein Vater mit der 
Holmston-Armee in Liechtenstein interniert war. Der 
Vater hatte nur von einem «Lager» gesprochen, nie von 
  
Kartenausschnitt mit Rzeplin 
(im markierten Kreis), mit 
Rozborz-Okragly, Pruchnick 
und Jaroslaw. 
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Geiger Peter: Das Leben von Josef Salamaj, Mitglied der Holmston-Armee 1945
	        

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