Volltext: Jahrbuch (2017) (116)

wohl auch bewaffnet. Joseph Pfister wies 1820 in Tuttlin- 
gen darauf hin, Karl Bello habe ihm schon 1807 oder 1808 
über verübte «Marktdiebereyen» erzählt, wohl im Ver- 
trauen, der ebenfalls als schwerer Straftäter agierende 
Pfister würde ihn (Bello) nicht verraten. Pfister betonte 
vor dem Oberamtsgericht Tuttlingen abschliessend 
nochmals, dass Karl Bello stets gut gekleidet sei: 
«Seine Kleidung ist immer wie die eines Herrn; er wech- 
selt damit sehr oft.»!? 
In Vaduz mit Joseph Brunet 
und Barbara Hiller konfrontiert 
Anlässlich der fünften Fortsetzung des siebten Verhörs 
mit Karl Bello wurde dieser am 12. März 1823 auf dem 
Oberamt in Vaduz mit den belastenden Aussagen von 
Joseph Brunet und Barbara Hiller persönlich konfron- 
tiert. Letztere machten ihre Aussagen einzeln vor Karl 
Bello. Diesem war die Möglichkeit gegeben, jeweils auf 
einzelne Aussagen zu antworten. Joseph Brunet erkannte 
ihn sogleich wieder, Bello war ihm vor allem unter dem 
Namen «Anton Columb» bekannt gewesen. Karl Bello 
stellte Brunets und Hillers Aussagen generell in Frage 
und gab auch mehrmals zu Protokoll, dass er diese bei- 
den Personen nicht kenne. ^? 
Interessant ist der Hinweis von Joseph Brunet, Karl 
Bello müsse «zwey stárre Finger» haben, da er zu seiner 
Verteidigung im Kampf oft sein Stilett ziehe. Karl Bello 
musste nun vor dem Oberamt in Vaduz seine rechte 
Hand zeigen. Beim kleinen Finger war zumindest eine 
Narbe zu sehen. Joseph Brunet erwáhnte zudem, dass im 
Jahr 1814 Bello, «dieser Welsche», in Hittisau im Bregen- 
zerwald einen ganzen Krámerladen ausgeplündert 
habe. 
Barbara Hiller, die den Karl Bello ebenfalls sofort er- 
kannte, berichtete — fiir Bello weiter belastend — von ge- 
stohlenen Waren in Feldkirch, die er in einer Herberge in 
Fellengatter zu verstecken gesucht habe. Sie sei zu die- 
sem Zeitpunkt ebenfalls in dieser Herberge gewesen und 
habe ihn dort gesehen.!? 
Oberamtsschreiber Johann Rheinberger notierte nach 
Abschluss dieser Einvernahmen, Joseph Brunet hátte 
«mit vieler Fassung und Mássigung» geantwortet. 
Ebenso habe Barbara Hiller ihre Antworten «gefasst» 
wiedergegeben. Weniger positiv fielen Rheinbergers An- 
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 116, 2017 
merkungen zu Karl Bellos Aussagen und Rechtferti- 
gungsversuchen aus: 
«Karl Bell war wührend dem ganzen Verhóre voller Lei- 
denschaftlichkeit, bedekte die im entgegen gestellten Per- 
sonen wührend ihrer Antworten sehr oft mit Schimpfna- 
men, und [er] schien besonders viele Verstellung gezeigt zu 
haben.» 
Konfrontation mit seiner . 
ersten Ehefrau Katharina Ochsli 
Am 1. April 1823 wurde Karl Bello in Vaduz seiner ers- 
ten Ehefrau Katharina Ochsli gegenübergestellt. Katha- 
rina Ochsli erkannte ihren ehemaligen Mann sofort wie- 
der. Karl Bello behauptete hingegen, diese Frau nicht zu 
kennen.!^ Katharina Ochsli erwáhnte bei ihrer Einver- 
nahme auch ihren gemeinsamen ehelichen Sohn Cólestin 
Bello, der 20-jáhrig sei und in der Ziegelhütte in Baden 
seinen Dienst verrichte.!'^ Gemäss einer Aufforderung 
musste Karl Bello bei seiner Konfrontation mit Katharina 
Ochsli den Rücken entblóssen und das Brandmal zeigen. 
129 Ebenda. 
130 Ebenda. 
131 Ebenda. 
132 Ebenda. 
133 Ebenda. 
134 LILA RB K 2/1822-1823, Nr. 86: Kriminalakten Karl Bello. Ein- 
vernahme von Joseph Pfister aus Willisau vor dem kóniglichen 
Oberamtsgericht in Tuttlingen (Auszug aus dem Untersuchungs- 
protokoll), 29. April 1820. 
135 Ebenda. 
136 Ebenda. 
137 Ebenda. 
138 Ebenda. 
139 Ebenda. 
140 LILA RB K 2/1822-1823, Nr. 58: Kriminalakten Karl Bello. Ein- 
vernahme von Karl Bello, zusammen mit (zuerst) Joseph Brunet 
sowie mit (anschliessend) Barbara Hiller vor dem Oberamt in 
Vaduz, 12. Márz 1823. 
141 Ebenda. 
142 Ebenda. 
143 Ebenda. «Comissions-Anmerkung», am Schluss des Verhórs an- 
gebracht vom Oberamtsschreiber (und Amtsboten) Johann Rhein- 
berger. Vaduz, 12. Márz 1823. - Zum Amtsboten Johann Rhein- 
berger siehe auch den Beitrag von Rudolf Rheinberger in diesem 
Jahrbuch. 
144 LILA RB K 2/1822-1823, Nr. 69: Kriminalakten Karl Bello. Ein- 
vernahme von Katharina Óchsli vor dem Oberamt in Vaduz, zum 
Teil zusammen mit Karl Bello, 1. April 1823. 
145 Ebenda. 
57
	        

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