Volltext: Jahrbuch (2017) (116)

halten; denn eine Gemeinde musste für ihre verarmten 
Angehörigen und Heimatberechtigten materiell aufkom- 
men. Personen, die für eine Gemeinde nützlich oder gar 
lukrativ waren, wurden hingegen zumeist gerne einge- 
bürgert. 
Hauskauf in Nendeln 
Der Handelsmann Karl Bello aus Turin schien alle Vor- 
aussetzungen für eine Einbürgerung in der Gemeinde 
Eschen zu erfüllen. So verfügte er auch über grössere 
Bargeldbeträge. Zu Beginn des Jahres 1820 kaufte Karl 
Bello dem liechtensteinischen Landschaftsarzt Gebhard 
Schädler sein Haus in Nendeln (in der Gemeinde Eschen) 
ab.!° Das an der heutigen Feldkircher Strasse gelegene 
Haus hatte Gebhard Schädler zwischen 1804 und 1807 
für sich und seine Familie errichten lassen. Schädler hatte 
1803 die Eschnerin Maria Katharina Hasler geheiratet. 
Sein Haus in Nendeln besass ab 1809 die alte Hausnum- 
mer 26,” die bei der Neunummerierung der Häuser im 
Jahr 1861 zur Nummer 29 wurde.? Diese Hofstátte be- 
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fand sich unmittelbar südlich der Alten Post, die nach 
Abbruch eines Vorgángerbaus wohl nach Planen von 
Joseph Anton Seger 1837 neu errichtet wurde.? Gebhard 
Schádler war bereits im Jahr 1809 als Landesphysikus 
(oberster Arzt) nach Vaduz berufen worden, so dass er 
sein Haus in Nendeln nicht mehr benötigte.” Gebhard 
Schàádler bestátigte am 22. Januar 1820, Karl Bello habe 
ihm für den Kauf dieses Hauses in Nendeln eine Teil- 
summe von 300 Gulden bezahlt.“ 
Vor dem Oberamt in Vaduz legte Bello im Februar 
1823 detailliert dar, wie sich sein Besitz in Liechtenstein 
zusammensetzte: Sein Vermógen bestehe im bereits er- 
wähnten Haus in Nendeln mitsamt Grundstück, welches 
er zum Preis von 1130 Gulden dem Arzt Gebhard Schád- 
ler abgekauft hátte. Davon habe er bis jetzt 350 Gulden 
abbezahlt.? Von Michael Strub in Nendeln habe Karl 
Bello ausserdem eine Wiese zum Preis von 136 Gulden 
gekauft. Bello hätte zur Bezahlung einer Teilsumme 
sechs Louis d'Or gegeben. Den Rest des Geldes sei er 
noch schuldig. Karl Bello besitze zwei Kühe sowie 
«einige Stücke Schaafvieh».? 
Ausschnitt aus dem von Landes- 
techniker Peter Rheinberger um 
1870 angefertigten Katasterplan 
mit Teilansicht des Ortes 
Nendeln in der Gemeinde Eschen. 
Karl Bello kaufte im Januar 
1820 von Landesphysikus 
Gebhard Schadler die Hofstatte 
Nr. 26. Diese 1807 fertig- 
gestellte Hofstátte ist im Katas- 
terplan auf der Parzelle 158 
eingezeichnet. Nördlich davon 
befindet sich auf Parzelle 156 
die Alte Post, die 1837 anstelle 
eines Vorgängerbaus mitsamt 
Scheunenanbau neu errichtet 
wurde. Von Feldkirch und 
Schaanwald her kommend, 
bildeten diese zwei Hofstätten 
damals auf der linken Seite 
die ersten beiden Gebäude in 
Nendeln. 
Biedermann Klaus: Ein Beutelschneider aus Turin wird Liechtensteiner
	        

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