Volltext: Jahrbuch (2017) (116)

auch seinem Vater finanzielle Unterstützung zukom- 
men. Seinem Bruder Josef Gabriel Rheinberger in Mün- 
chen gab er im Juni 1860 ein Darlehen von 400 Gulden. 
Zu den militärischen Obliegenheiten bis 1866 gehör- 
ten die jährliche Ausbildung der Rekruten und die ver- 
waltungstechnischen Belange des Kontingents. 
Zu einer letzten militärischen Aktion der liechtenstei- 
nischen Bundestruppe kam es im Jahre 1866 am Ende 
des preussisch-österreichischen Krieges. Schon hatte 
man sich in Liechtenstein der Hoffnung hingegeben, 
diesmal von einer aktiven Teilnehme am Kriegsgesche- 
hen verschont zu bleiben, da es bis Anfangs Juli 1866 
noch zu keinem Ausmarschbefehl durch den Bund ge- 
kommen war. Doch Fürst Johann II. hatte dem öster- 
reichischen Kaiser den Einsatz seines Kontingentes an 
der Südfront zugesagt. Das österreichische Kriegsminis- 
terium nahm den Fürsten beim Wort und beharrte auf 
einem Einsatz des liechtensteinischen Kontingentes in 
Tirol.'? [n Liechtenstein wurde dadurch eine schwere 
politische Krise heraufbeschworen. Darüber und über 
die politischen Begleitumstánde in Deutschland und 
Österreich orientieren diverse publizierte Studien hin- 
reichend.!** 
An dieser Stelle seien nur die Briefe Oberleutnant 
Rheinbergers, die er vom Feldzug an seine Frau Theresia 
schrieb, vollständig wiedergegeben.’ Sie vermitteln die 
unmittelbare Anschauung des Geschehens während des 
Ausmarsches am eindrücklichsten. 
«Landeck, 30. Juli 1866 
Liebe Rese! 
Eben bin ich mit meiner Compagnie nach einem star- 
ken Marsche wohlbehalten in Landeck angekommen. 
Wie Du siehst, halte ich Wort und schreibe bald und 
wünsche nichts sehnlicher, als auch in Bälde Nachrich- 
ten von Dir zu bekommen, namentlich kümmert mich 
das Befinden der Hermine, die ich krank verlassen habe, 
nicht wenig; sie kommt mir oft in den Sinn, wie auch 
Olga. 
So viel ich heute erfahren konnte, wird ernstlich über 
den Frieden unterhandelt — auch in Italien, jedoch sagte 
mir der eben von Innsbruck kommende Conducteur, 
dass dort auf heute Abend 10000 bis 12000 Mann vom 
nördlichen Kriegsschauplatz nach Italien ziehend, ange- 
sagt seien. Hier in Tyrol ist der Landsturm schon überall 
organisiert und kann alle Tage marschieren. 
Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 116, 2017 
Der Empfang unserer Compagnie ist überall über alle Er- 
wartungen herzlich. Man schenkt uns alle mögliche Auf- 
merksamkeit und das schmeichelt den Schützen nicht 
wenig. Ich bin auch bereits zu der Überzeugung gelangt, 
dass die Tiroler gerade nicht gar so blöd sind, wie man 
sie oft bei uns schildern hört. Man dürfte sogar in der 
Residenz Vaduz, dem Sitze der Aufgeklärten noch ler- 
nen — doch das bleibe unter uns — es war recht erbärm- 
lich, wie man uns davon laufen liess! Einzig Hr. Landes- 
verweser, Graf v. Westphalen und Kommissär begleite- 
ten uns bis Schaan und Schlegel Alois bis Frastanz. Bitte 
diese Herren zu grüssen. — Wie anders ist es hier! Überall 
in allen Stationen rücken Stadt- und Staatsbehórden uns 
schon auf eine halbe Stunde Weges mit Musikbanden 
entgegen und geleiten uns wieder beim Abmarsche. In 
Bludenz liess Herr Gassner — um den sich das ganze 
Städtchen dreht — Abends seine 36 Mann starke Bande 
vor meinem Quartiere spielen. Hier in Landeck wurden 
mir Kränze und Bouquette überreicht. Man hat hier doch 
Gefühl, welches uns erfreut und ermuntert. 
Auch unseres Vetters Winarski muss ich mit Aner- 
kennung gedenken, der mir überall in Bludenz zur Seite 
stund und schon bis Nenzig [sic!] entgegenfuhr und 
mich bei heftigem Regen auch wieder bis Dalas [sic] 
führte. Freitag Mittag war ich sein Gast. Nach dem Essen 
fuhr ich mit ihm und seiner Frau dann nach Schruns. 
Frau Doctor, sowie Herr und Frau Kommissär grüssen 
Dich.'* 
Von Bludenz her hatten wir immer Regen. Jetzt 
scheint die Sonne wieder freundlich über Landeck und 
gewährt ein heiteres Bild. Morgen will ich meine Schwes- 
ter'” besuchen. 
Grüsse mir alle zu Hause u. meine Schwáger und 
Schwágerinnen etc. bestens. Wann ist der Fürst abgereist? 
148 Zeugnis von Ingenieur Kindlimann, LI LA AFRh H 8. 
149 Siehe Quaderer-Vogt, Militárgeschichte 1991, S. 160. 
150 LILA AFRhH 13, Notizbücher, circa 1860-1891. 
151 Rheinberger, Arzte 1991, S. 104 und Quaderer-Vogt, Militärge- 
schichte 1991, S. 195-203. 
152 Quaderer-Vogt, Militärgeschichte 1991, S. 203-208. 
153 Siehe Joseph Ospelt: Der 1866er Feldzug. In: JBL Bd. 24, S. 39-77. 
154 Peter Geiger: Geschichte Liechtensteins 1970, S. 382-392; Rhein- 
berger, Arzte 1991, S. 74-75. 
155 LILA AFRh H 4, Briefe an Theresia Rheinberger, 1866. 
156 Frau Doctor = Frau Lukrezia, des Dr. Franz-Josef Vonbun. 
157 «Meine Schwester» = Schwester Maxentia Rheinberger. 
151
	        

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