Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/93/
95 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
es nicht, die österreichischen Behörden in Wien von der Notwendigkeit in dieses Projekts zu überzeugen.2 Die Kurverwaltung des Badeorts Ragaz (seit 1937 of- fiziell: Bad Ragaz) beantragte 1903 eine Konzession für linksrheinische Bahnverbindung zwischen Sargans und Landquart, mit Ragaz als weiterer Haltestation in der Mitte. Dies bewegte Liechtenstein dazu, den Plan für eine Bahnverbindung zwischen Schaan und dem Sargan- ser Raum wieder aufzugreifen. Neu sollte die Bahnlinie nun nicht nach Sargans führen, sondern von Balzers aus unter dem Ellhorn weiter nach Maienfeld und Landquart gezogen 
werden.3 Hoffnung auf eine Schmalspurbahn zwischen Schaan und Landquart Pläne für eine Schmalspurbahn Landquart-Bad Ragaz- Schaan schienen im Jahr 1905 bereits aufgegleist zu sein. Ihre Verwirklichung scheiterte schlussendlich am erbit- terten Widerstand der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Auch Theophil Sprecher von Bernegg, der nach- malige Generalstabchef, konnte diesen Widerstand nicht brechen. Der Rhätischen Bahn (RhB) hätte diese Linie den Direktanschluss zur Arlbergbahn gebracht, und im Fürstentum hatte man sich auf gute Verkehrsverbindun- gen durchs ganze Land und Richtung Graubünden ge- sehnt und gefreut. Der industrielle Aufschwung in Liechtenstein hatte mit dem Bau von Textilfabriken schon um 1860 ein- gesetzt. Die Grundlage dafür hatte der 1852 zwischen Liechtenstein und Österreich abgeschlossene Zollvertrag geschaffen.4 
Für die Eisenbahn-Interessen des Fürsten- tums musste der österreichische Gesandte beim Bundes- rat in Bern intervenieren – Österreich vertrat damals das Fürstentum diplomatisch im Ausland. Nur ein paar Wochen nachdem das Konzessionsge- such für den Bau einer Schmalspurbahn von Landquart über Maienfeld nach Schaan im Fürstentum Liechten- stein 1905 Bern erreicht hatte, stiegen die ersten Rhein- taler Lokalpolitiker bereits auf die Barrikaden. Der St. Galler Ständerat Johannes Geel und Gemeindevertre- ter aus Sargans, Mels und Vilters ersuchten den Bundes- rat «energisch gegen das Projekt Stellung zu nehmen».5 Umgekehrt zeigten vor allem die Rhätische Bahn und Hoteliers aus dem Kurort Ragaz grosses Interesse am 
Projekt. Auch die Bündner Regierung befürwortete um- gehend die «Verlängerung der Rhätischen Bahn» nach Liechtenstein und eventuell bis 
Feldkirch.6 Frontalopposition der SBB Wenn es sich nur um eine Fortsetzung der Rhätischen Bahn handeln würde, könnten die Bundesbahnen dar- auf verzichten gegen das Projekt Stellung zu nehmen, hielt SBB-Generaldirektor Plazid Weissenbach in der Vernehmlassungsantwort am 23. Juni 1905 fest. Hier aber handle es sich um eine internationale Linie, und nicht primär um eine Konkurrenz-Verbindung zur Arlberg- bahn: «Viel gefährlicher ist die Erstellung einer direkten Verbindung mit dem Bodensee und weiter nach Süd- deutschland, unter Umgehung der Bundesbahnen und der Schweiz überhaupt».7 Die Stellung der SBB gegenüber ausländischen Bah- nen werde mit dieser Konkurrenzlinie, «welche den Fremdenverkehr mit Graubünden unter vollständiger Beiseitelassung der Bundesbahnen vermitteln kann», er- heblich erschwert. Auffallend sei ferner, «dass im glei- chen Augenblicke, in welchem der Bund um Leistung ei- ner weiteren Subvention von sieben Millionen Franken an den Ausbau der Rhätischen Bahn angegangen wird», auch noch die Interessen der SBB «durch ein schwer schädigendes Unternehmen» tangiert werden. Die SBB ersuchten das Eisenbahndepartement der Bundesver- sammlung die Ablehnung dieses Konzessionsgesuchs zu beantragen.8 1  Vgl. dazu Lothar Beer: Der Eisenbahnbau in Liechtenstein. In: Bauen für Liechtenstein. Ausgewählte Beiträge zur Gestaltung einer Kulturlandschaft. Hrsg. von Patrik Birrer. Vaduz, 2000, S. 140–173. 2  Ebenda, S. 150–151. 3  Ebenda, S. 151. 4  Vgl. dazu Paul Vogt: Brücken zur Vergangenheit. Ein Text- und Arbeitsbuch zur liechtensteinischen Geschichte. 17. bis 19. Jahr- hundert. Vaduz, 1990, S. 171–175 sowie S. 203–232. 5  Vgl. Hans von Gugelberg: Bahnprojekt Landquart-Ragaz-Schaan und der Kanton St. Gallen. St. Gallen, 1905. 6  Ebenda. 7  Schweizerisches Bundesarchiv, Bern (künftig: BA), E 53, Bd. 615 / 7827, offizielle SBB-Verlautbarung. 8  Ebenda.
        

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