Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/84/
86Korody István P.: Josef Gabriel Rheinberger und 
Ungarn 
Wir wissen wohl, dass Rheinberger nie in Ungarn war. Seine Beziehungen zu Ungarn sind aber trotzdem wich- tig.1 Im Schuljahr 1876/77 am Münchner Konservatorium hatte er einen ungarischen Orgelschüler, namens Ernö Lány; über ihn wird später ausführlich berichtet. Géza Tur- novsky war einer der ersten Schüler an der Budapester Musikakademie, deren Orgelklasse 1882 eröffnet wurde. Sein Professor war der Rheinberger-Schüler Hans Koessler. Turnovsky schrieb sich sieben Jahre später 1889 in Rhein- bergers Orgelklasse ein. Mehr wissen wir über ihn nicht. Wichtiger als diese Professor-Schüler-Beziehungen erscheinen mir aber die folgenden drei Aspekte: a) Rheinbergers Treffen mit dem ungarischen Kompo- nisten Franz Liszt; b) Ungarische Elemente in Rheinbergers Kammermusik;c) 
Rheinbergers Einfluss auf die ungarische Musikpäda- gogik, vermittelt durch seinen Schüler Hans 
Koessler. Rheinbergers Treffen mit dem ungarischen Komponisten Franz Liszt Franz Liszt besuchte Rheinberger mehrmals in München. Die Gattin des liechtensteinischen Komponisten, Fanny, schrieb in ihrem Tagebuch am 1. September 1869: «Abbé Liszt besuchte Curt (Josef). Er sprach davon, dass er ‹Die 7 Raben› in Weimar empfohlen. Was hast Du darauf geant- wortet, frug ich Curt: Nichts, ich habe ihn mir angeschaut, und als er von Bülow sprach, dass er das ‹maleur› – die Trennung Cosima Liszt von Bülow – bedaure, habe ich wieder geschwiegen und ihn angeschaut. Curt kann unge- mein ausdrucksvoll schweigen.»2 Rheinberger schrieb selbst folgendes in seinem Brief an Henriette Hecker am 23. Januar 1901: «Was Sie über Franz Liszt schreiben, ist eigenthümlich; sollten Sie wirklich nie ein Bild von ihm früher gesehen haben? In den 60ger und 70ger Jahren besuchte er uns, so oft er nach München kam; besonders mit Miez (Fanny) konversierte er gern; da ging’s aber auch Schlag auf Schlag. Einmal war er mit seiner Toch- ter (damals noch Frau Bülow) abends bei uns. Ich erinnere mich noch, dass ich zum ersten mal den Salat anmachte, der sehr gut ausfiel. Im Verlauf des Gesprächs sagte er auf seine Tochter deutend: ‹Oh, Cosima! c’est ma terrible fille, elle a trop de moi!› Ich habe später oft daran gedacht. (Der war kein Philister!) In der Konversation war Liszt sehr geistreich und liebenswürdig; im ‹Deutschen› stotterte er sehr stark. Später besuchte er mich (oder uns) nicht mehr; er hatte wohl erwartet, dass ich mich (in musical.) seiner Partei anschliessen würde, was aber nicht geschah. Sein ganzes Wesen war er eigentlich französisch, oder vielleicht noch mehr kosmopolitisch – Alles nur nicht deutsch. Dazu der Anzug eines Abbé – für viele Leute (besonders Da- men) war er faszinierend, für mich nicht. Miez zeichnete mit Kohle sein lebensgrosses 
Portrait.»3 Ungarische Elemente in Rheinbergers  Kammermusik Theodor Kroyer, einer der ersten Rheinberger-Bio- graphen, verglich die beiden Oratorien-Komponisten: 
Briefmarke zum 175. Geburtstag von Josef Gabriel Rheinberger (2014), gestaltet von Cornelia Eberle.
        

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