Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/82/
84 Kudryavtseva Tamara: Die Sage vom lichten 
Stein 
Namens, der noch in später Zukunft als ein heller Stern am vaterländischen Himmel glänzen wird.» Der Inhalt des dargelegten Sujets korrespondiert mit der sächsischen Sage vom Lichtenberg. So heisst ein Dorf im Erzgebirge, nahe bei Radeberg gelegen. Lichtenberg ist eine zwischen 1150 und 1220 entstandene Kolonisten- siedlung, die von fränkischen Bauern angelegt worden war. Der Name Lichtenberg ist ein klassischer Rodungs- name.16 Laut der erwähnten sächsischen Sage hiess der Ort auch Lichtimberg. Später finden sich die Namensfor- men Lichtinberg und Leuchtenberg.17 Die in diesem Beitrag vorgestellten historischen Zeugnisse und Varianten der Sage vom lichten Stein lassen mehrere Schlussfolgerungen zu. Diese Varianten sind Abwandlungen deselben Themas, das in der mit- teleuropäischen Volksdichtung häufig vorkommt. Das Thema wurzelt in einer indoeuropäischen Grundlage, die später vom Christentum überformt und neu geprägt wurde. Auf herrschaftlich-politischer Ebene wurde die Geschichte so ausgestaltet und weiterentwickelt, dass sie spätestens im 19. Jahrhundert zu einem Propagandain- strument zugunsten des Fürstenhauses wurde. Es war jedoch weniger das Fürstenhaus selbst, welches diese Propaganda initiierte, sondern vielmehr waren es patrio- tisch gesinnte Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie Sammler von überlieferten Sagen und Erzählungen, die dieser Propaganda Vorschub leisteten. Bildnachweis S. 77, 80: LIECHTENSTEIN. The Princely Collections. Vaduz- Vienna S. 78: Amt für Kultur, Liechtensteinisches Landesarchiv, 
Vaduz Zur Autorin Dr. Tamara Kudryavtseva aus Moskau ist habilitierte Germa- nistin. Sie studierte Germanistik und Journalismus in Jaroslawl und in Moskau. Sie promovierte mit einer Arbeit über Arno Holz. Ihre Habilitationsschrift befasst sich mit der deutschen 
Lyrik der 1990er Jahre. Sie ist leitende wissenschaftliche Mit- arbeiterin am Gorki-Institut für Weltliteratur der russischen Akademie der Wissenschaften; Tamara Kudryavtseva ist Auto- rin zahlreicher Publikationen und Mitglied des Literaturhauses Liechtenstein. 16  Vgl. Webseite http://lichtenberg-erzgebirge.de, eingesehen am 20. April 2014. 17  Friedrich Bernhard Störzner: Was die Heimat erzählt. Sagen, ge- schichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen. Leipzig, 1904, S. 202–205.
        

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