Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/81/
83 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
das Herz und die Gesinnung eines wahrhaften Edel- manns gezeigt. Ich nehme Euer Geschenk huldvoll ent- gegen und es soll aufbewahrt werden zum bleibenden Andenken an diese Stunde. Von heute an seid Ihr ein Edelmann und Euer Name sei künftighin zur dauernden Erinnerung an diesen hellleuchtenden, schönen Stein: Liechtenstein›. So wurde der schlichte Landmann der Stammvater des Hauses Liechtenstein.» Diese Märfassung ist also absichtlich idealisiert und verfolgt ideologische Zwecke. Dem Autor ist es ein An- liegen, die Monarchie zu verherrlichen. Dabei werden auch die religiösen Gefühle der Bevölkerung instrumen- talisiert. Eine andere Version über die Herkunft und die wei- tere Geschichte des Steins enthält eine weitere Fassung dieser Mär, die aus Niederösterreich überliefert ist.14 
Laut dieser Fassung hiess die historische Burg Liechtenstein ursprünglich dem Ortsnamen zufolge Veste Enzers- dorf.15 Die Namen der Bewohnerinnen und Bewohner, die in der Sage vorkommen (der Hausbesitzer, Herr von Arenstein, seine Nichte Hedwig von Senftenberg, Anna von Wagau, usw.) sind historisch nicht belegt. Die Geschichte berichtet von einem «kleinen, grauen Männlein», welches einmal am Sonnenuntergang vor der Festung Arenstein erschien. Der Burgherr erzählte das Gesehene seinem Hofnarren Lipps, worauf der letztere bemerkte, es sei «der Burggeist, der unter der Veste im Innern des Hausberges wirtschaftet. Man sagt, er suche nach Goldkörnern und einem glänzenden Stein.»   Kurz darauf erschien der Burggeist, der auch als Erd- männchen bezeichnet wurde, im Haus während des Abendessens und teilte mit, «dass in den Mauern dieses Schlosses in Frist eines halben Jahres grosse Veränderun- gen vor sich gehen und lauter Jubel dessen Hallen er- füllen wird, denn ein neuer höherer Glanz kommt über diese Burg». Ausserdem, was wichtig ist, überbrachte der Gnom dem Burgherrn «das künftige Wahrzeichen die- ses hohen Ritterhauses, dessen Mauern, obgleich oft er- schüttert, oft zerbrochen und abgebrannt, doch stets in neuer Festigkeit sich erheben und dem Zahne der Zeit eine unverwüstliche Wehr darbieten werden». Es han- delte sich um den «Stein aus dem geheimen unterirdi- schen Schosse dieses Berges, welcher mit den schönsten Edelsteinen um die Wette leuchtet». So wird das Sujet von Langer wiederholt (der Stein als Fundament des zu- künftigen Fürstenhauses) und präzisiert. Der Burggeist 
erklärt dem Hausbesitzer, wohin dieser Stein gehöre: «Diesen Stein lasset auf der höchsten Zinne Eurer Burg anbringen, daß er sein Licht frei ausstrahle und weit ver- künde: Ein lichter Stein werde diese hohe Veste verherr- lichen bis in entfernte Zeiten». Der Gnom sagt auch vor- aus, dass «in diesem Schlosse in besagter Frist eine Hoch- zeit stattfinden» sollte: «Der Bräutigam wird in kurzer Zeit bei Euch vorsprechen; lasst Euch aber nicht beirren, wenn er ganz einfach dahergezogen kommt. Öffnet ihm die Burg, der Angesagte ist ein junger Rittersmann von edlem Geschlechte und muss jeder Jungfrau des Landes willkommen sein.» So «eine hohe, herrliche, junge Rittergestalt» erschien auch wirklich eines Tages vor dem Tor der Burg, wo- bei der Jüngling von sich verkündete, er komme aus der Steiermark: «Ich komme aus der Steiermark [vgl. die Fas- sung von Hoffnaass], zog von Burg zu Burg, um nach dem Mädchen zu forschen, welches mein Weib werden soll. Hier habe ich es gefunden und erbitte mir dasselbe aus Eurer Hand.» Im Text wird ein Otto von Liechten- stein genannt. Im Geschlecht der Liechtenstein gibt es mehrere Personen, die diesen Namen tragen. Im Augenblick, als der Ritter seine Braut wählte, wurde von einem Knappen gemeldet, «dass der hell leuchtende Stein auf der Burg erloschen sei». Das bedeu- tet, dass die Aufgabe des Steins auch darin bestand, dem Mann namens Liechtensten den Weg in diese Burg zu zeigen. Arenstein spricht dieselbe Prophezeihung aus, die auch in anderen Fassungen der Sage vorkommen: «Es bedürfe draussen seines Glanzes nimmer, seit ein Liechtenstein in die Burg eingezogen, der Träger eines 10  Franziska von Hoffnaass: Der lichte Stein. In: Lyrik aus Liechten- stein. Hrsg. von Jens Dittmar. Schaan, 2005, S. 182. 11  Vgl. Herbert Grassl: Die Taurisker. Ein antikes Ethnikon und seine Geschichte. In: Hans Taeuber (Hrsg.): Akten des 7. Öster- reichischen Althistorikertages. Wien, 2001, S. 19–26. 12  Vgl.: Der lichte Stein. In: Josef Gabriel Rheinberger und Franziska von Hoffnaass. Eine Musikerehe im 19. Jahrhundert. Hrsg. von Elisabeth und Hans-Josef Irmen. Zülpich, 1990. 13  Das Buch vom Liechtenstein. Aus Anlass des 70. Geburtsfestes Sr. Durchlacht des regierenden Fürsten Johann von und zu Liech- tenstein zur Belehrung und Unterhaltung der vaterländischen Jugend. Wien, 1910. 14  Eine Liechtensteinsage. In: Carl Calliano: Niederösterreichischer Sagenschatz. 5 Bände. Wien, 1926. Band 2, S. 29. 15  Siehe auch Maximilian Fischer: Historische und topographische Darstellung von Medling und seiner Umgegend. Wien, 1824. S. 66.
        

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