Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/8/
7 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
Zu diesem Jahrbuch Das älteste Projekt des Historischen Vereins ist das Liechtensteinische Urkundenbuch, an welchem – mit Unterbrüchen – seit 1934 gearbeitet wird. Gegenwärtig bearbeitet Claudius Gurt die für Liechtenstein relevanten schriftlichen Zeugnisse aus der Zeit der Freiherren von Brandis. Dieses Geschlecht, aus dem Kanton Bern stam- mend und durch verwandtschaftliche Beziehungen mit den Grafen von Werdenberg-Sargans-Vaduz verbunden, verlagerte im späten 14. Jahrhundert seinen Herrschafts- mittelpunkt an den Alpenrhein. Die Freiherren von Brandis regierten die Grafschaft Vaduz zwischen 1417 und 1510. Sie erwarben in dieser Zeit auch die Herrschaft Schellenberg. Damit schufen die Brandiser den gebiets- mässigen Rahmen, aus welchem das heutige Fürstentum Liechtenstein entstanden ist. Der Historische Verein beauftragte zwei fachkundige Historiker, einen Teil des reichen Quellenfundus aus dem Urkundenbuch zu sichten und für je einen Aufsatz im vorliegenden Jahrbuch auszuwerten. Stefan Frey be- fasst sich in seiner Studie mit der Geschichte der Frei- herren von Brandis, ihrem Aufstieg, Schicksal und ihren Verbindungen. Er stellt die Familien- und Herrschafts- geschichte der Brandiser in einer chronologischen Form dar. Stefan Sonderegger beschäftigt sich in seiner Arbeit mit den Beziehungen zwischen dem Herrschergeschlecht und den Untertanen, sprich: zwischen Herren und Bau- ern. Von den Herrschenden belehnt, bewirtschafteten die Bauern den Grund und Boden. Ein wichtiger Teil dieser Nutzung war die Alpwirtschaft, welche – zusam- men mit den Weiden, dem Wald und dem Ackerboden – die Ernährungsgrundlage für die Bevölkerung bildete. Um die Nutzungsrechte gab es oft Streit, zwischen Dör- fern, einzelnen Nutzniessern sowie zwischen Landes- herren und Bauern. Gegenseitige Rechte und Pflichten wurden neu festgelegt. Zahlreiche Dokumente, im Liech- tensteinischen Urkundenbuch enthalten, belegen solche Vorgänge. Manfred Tschaikner, bekannt durch zahlreiche Ver- öffentlichungen über die Hexenverfolgungen in Vorarl- berg und Liechtenstein, beschreibt in seinem Beitrag das Phänomen der sogenannten «Tobelhocker». In der Graf- schaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg kam es im späten 17. Jahrhundert zu Anklagen und Verurteilungen zahlreicher Menschen, die der Hexerei bezichtigt wor- den waren. Gemäss überliefertem Volksglauben mussten die Seelen der verstorbenen Ankläger – vor allem aus 
Triesen und aus Triesenberg – im Lawenatobel für ihre Untaten büssen, und dies bis zum Jüngsten Tag. Sie wur- den als Tobelhocker bezeichnet, wobei ihre Vergehen als Erbschuld auch auf ihre Nachkommen übertragen wur- den. Die weiteren Beiträge im Jahrbuch seien an dieser Stelle nur stichwortartig erwähnt. Klaus Biedermann be- leuchtet in seinem Aufsatz Schicksal und Umfeld dreier lediger Mütter aus einer Balzner Hintersassen-Familie im frühen 19. Jahrhundert. Tamara Kudryavtseva analy- siert in ihrem Beitrag verschiedene Fassungen der Sage vom lichten Stein, welche spätestens im 19. Jahrhundert ein Propagandainstrument zugunsten des liechtenstei- nischen Fürstenhauses wurde. István P. Korody unter- sucht in seiner Studie die musikalischen Einflüsse, die es zwischen dem liechtensteinischen Komponisten Josef Gabriel Rheinberger und Ungarn gab. Heinz Schild skiz- ziert in seinem Aufsatz das Projekt einer Schmalspur- bahn zwischen Schaan und Landquart, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts geplant, aber schliesslich nicht re- alisiert wurde. Peter Kamber lieferte einen Bericht zum späteren Schicksal und Tod von Fritz Rotter, der die gewaltsame Entführung der jüdischen Gebrüder Rotter vom 5. April 1933 auf Gaflei überlebt hatte. Anschliessend an diese Beiträge folgen mehrere Buch- besprechungen. Das Jahrbuch schliesst traditionsgemäss mit den Jahresberichten des Historischen Vereins und des Liechtensteinischen Landesmuseums. Allen Auto- rinnen und Autoren möchten wir für ihre Beiträge herz- lich danken. Guido Wolfinger, Vorsitzender des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein Klaus Biedermann, Redaktor des Jahrbuchs des Historischen Vereins
        

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