Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/67/
68 Biedermann Klaus: Ein «sündiges Dreimäderlhaus» oder eher bittere Not und 
Armut? 
ter. In letzterem Fall wäre ein Zwillingskind verstorben oder aber dem Pfarrer nicht bekannt gewesen. Vater der Tochter Johanna (1824–1825) war ein Josef Kaugino aus Schluein (GR). Weitere Angaben fehlen. Vater des Sohns Bonifacius (*/† 1829) war Augustin Bühler aus Triesen- berg.37 Zu ihm folgen Informationen im letzten Teil die- ses Aufsatzes. Theresia Dürr gebar 1823 den Sohn Josef, dessen Va- ter ein Lutheraner war, der zeitweise als Wagenknecht in Balzers arbeitete. Als Pfarrer Theuille am 15. März 1826 seinen Brief zuhanden des Landvogts in Vaduz verfasste, war Theresia Dürr erneut schwanger; am 30. Mai 1826 schenkte sie dem Knaben Anton das Leben, dessen Vater jedoch nicht genannt wurde; der Knabe Anton verstarb bereits 1827; es hiess, das Kind sei «aus Schwaben heim- gebracht» worden. Das Schicksal des ersten Sohnes Josef ist nicht bekannt.38 Elisabeth Dürr brachte am 1. Februar 1826 den Kna- ben Ignatius Josef zur Welt, dessen Vater der verwit- wete Josef Fill (1780–1854) aus Balzers war.39 Pfarrer Theuille charakterisierte Josef Fill als «Trunkenbold und Schwelger».40 Der Vaters ihres zweiten Sohns Johann Baptist ist nicht genannt. Letzterer verstarb 1836 sechs- jährig in Rodels (GR).41 Der Hinweis auf die Gemeinde Rodels (rätoromanisch: Roten) im Domleschg verdient Beachtung, zumal Josef Fill junior (* 1826) hier Maria Conrad heiratete42 
und Elisabeth Dürr später zeitweise selbst in Rodels lebte.43 Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Josef Fill junior identisch ist mit Ignatius Josef, dem älteren Sohn von Elisabeth Dürr.44 Josef Fill junior war zeitweise Soldat,45 und 1847 wurde in einem Schrei- ben ein Sohn von Elisabeth Dürr genannt, der die «ein- zige Stütze» seiner Mutter wäre und gerade zum Militär- dienst nach Vaduz einberufen worden 
sei.46 «Dieser Beschwerde . . . muss das Amt vollen Glauben schenken» Landvogt Josef Schuppler beantwortete das Schreiben von Pfarrer Theuille innert fünf Tagen mit einem Erlass an die Gemeinde Balzers. Sein diesbezügliches Schrei- ben datiert vom 20. März 1826; am selben Tag richtete er ein ähnliches Schreiben an das Pfarramt. Dem Brief des Landvogts an die Gemeinde Balzers entstammen die nachfolgenden 
Bemerkungen:«Dieser 
Beschwerde, da sie aus dem Munde des Seelsorgers floss, muss das Amt vollen Glauben schenken, sich aber auch zugleich wundern, dass von einem solchen anstössigen Lebenswandel die- ser liederlichen Dirnen beim Amte noch keine Anzeige erfolgte. Dieser sündhaften Geilheit müssen die Gerichte mit Nachdruck entgegen steuern. Es werden also alle drei benannten dürrschen Töchter mit Vorlesung gegenwärtigen Befehls auf einen öffent- lichen Platze im amtlichen Namen ernstlich zu verwarnen sein; dass sie vom Wege der Unkeuschheit, auf dem sie herumirren, zurückkehren und hinführo um so sicherer eine untadelhafte Le- bensordnung führen, auch sich alles Umganges mit Mannsbil- dern enthalten sollen; als im widrigen § 254 des Gesetzes über schwere Polizeiübertretungen der Polizei überlassenen Strafe ge- gen sie verhängt werden müsste . . . ».47 Franz Büchel weist darauf hin, dass die angedrohten öffentlichen Bestrafungen völlig entehrend für diese Frauen gewesen wären; der Nachrichter hätte ihnen zum Beispiel auf einem öffentlichen Platz die Haare abge- schnitten; man hätte sie auspeitschen oder mit strengem Arrest betrafen können. In einem solchen Fall wäre auch ihr Wohnhaus gesperrt und verkauft worden.48 Landvogt Josef Schuppler appellierte denn auch an die drei Frauen: Noch sei es Zeit, «dass sie ihren Ver- wirrungen entsagen, sich bessern und der entehrenden Strafe vorbauen.». Falls dies nicht geschehe, müsse indes der Strafvollzug unerbittlich zur Ausführung 
gelangen.49 Auswanderung von Katharina, Elisabeth und Theresia Dürr Es liegen kaum Quellen vor, die über das weitere Leben dieser drei Frauen Auskunft geben. Die Ermahnung von Landvogt Josef Schuppler könnte indes doch eine Wir- kung gehabt haben; denn spätere Belege für einen An- stoss erregenden Lebenswandel dieser Schwestern liegen keine vor. Aufgrund der moralischen Verurteilung durch den Pfarrer, den Landvogt und wohl auch durch breite Kreise der Balzner Bevölkerung waren die drei Frauen ohnehin gebrandmarkt. Nachgewiesen ist, dass alle drei Schwestern die Gemeinde Balzers verliessen und sich in Graubünden niederliessen, wo sie auch heirateten. Katharina Dürr heiratete zu einem unbekannten Zeit- punkt Remigius Baumann. Das Paar liess sich in Braggio im Calancatal (GR) nieder und hatte nachweislich eine
        

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