Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/65/
66 Biedermann Klaus: Ein «sündiges Dreimäderlhaus» oder eher bittere Not und 
Armut? 
Überzeugt, dass meine stillen Verwendungen weder Mittel gegen die öffentlich immer mehr wachsenden Ärgernisse, noch Mittel, benannte Hurengesinde in Schranken zu halten, sind, so weiss ich wahrhaft keinen anderen Weg einzuschlagen, als die ganze Lage der Dinge Euer Hochwohlgeboren zur klugen Überlegung vorzulegen mit der Bitte, durch die ihnen gegebene Kraft, auch härtere und empfindungslosere Herzen zu erschüttern, eine glücklichere Wirkung zu erzwecken. Bey diesem Anlasse bringe ich auch die Bitte an, einen durch mehrere Monathe sich hier mit einem reformierten Weibsbild aufhaltenden liederlichen Schneider, aus Tyrol gebürtig, aus der Gemeinde weisen zu wollen, dessen hiesigen so langen Aufenthalt mir leider erst vor einigen Tagen kund gemacht worden. In der Hoffnung, dass meine Zeilen keine ungünstige Auf- nahme vor der klugen Beurtheilung Euer Hochwohlgeboren fin- den werden, geharre ich mit allgeziemenster Hochachtung Hochdero Gehorsamster Diener J. A. Theuille       Balzers, 15.t. Merz 1826».28Josef 
Anton Theuille (1786–1844), der Schreiber dieses Briefs, entstammte aus Glurns im Vinschgau (Südtirol). Er war bereits seit 1812 in Liechtenstein als Seelsorger tätig: die ersten zehn Jahre als Pfarr-Provisor in Bendern und schliesslich von 1822 bis 1844 als Pfarrer von Bal- zers. Von 1822 bis 1824 war Josef Anton Theuille zudem geistlicher Deputierter im Ständelandtag in Vaduz.29 
Jo- hann Baptist Büchel (der Jüngere) hielt im Jahr 1918 fest, Pfarrer Theuille habe «sehr segensreich» in Balzers ge- wirkt.30 Sein Schreiben enthält inhaltlich zwei verschiedene Ebenen: Zum einem schildert der Pfarrer die seiner Ansicht nach sittlich-moralisch unhaltbare Situation in dieser Familie und bittet in der Folge den Landvogt um Abhilfe; zum anderen deutet Pfarrer Theuille auch mög- liche Konflikte an, die sich bei einer Klärung von Fra- gen zur sittlich-moralischen Deutungshoheit zwischen Kirche und Staat ergeben könnten. Diese beiden Ebenen kommen im Folgenden zur Sprache. «DaslauteMurrendesVolkes»würdedenBalznerPfarrerdarinbestätigen,dassdringenderHandlungsbedarfgebotensei;weitererAusschnitt ausdemSchreibendesBalznerPfarrersandenLandvogtinVaduz.
        

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