Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/55/
56 Tschaikner Manfred: Die Tobelhocker in 
Liechtenstein 
nis der Region, der Schlacht von Frastanz, geführt haben. Mitglieder der Familie Mariss waren schon im 16. und 17. Jahrhundert bevorzugt als Hexen verfolgt worden. Spätestens nach dem Ende der Hexenprozesse mutierte Uli Mariss als ihr Vorfahre und Sinnbild des Verwerf- lichen zu einem Wetterdämon, gegen den noch bis ins 19. Jahrhundert eine weitgehend akzeptierte Form indi- rekter Hexenverfolgung im öffentlichen Raum stattfand, in die vermutlich manche andere Person mehr oder we- niger stillschweigend einbezogen wurde.24 Im südlichen Landesteil fand eine ähnliche Entwick- lung unter entgegengesetzten Vorzeichen statt. Hier ge- wannen die Nachkommen der ehemals Verfolgten nicht nur rechtlich, sondern mit der Ausgrenzung der «Tobel- hocker» auch mental die Oberhand. Dies war unverkenn- bar vornehmlich das Werk des Triesner Pfarrers Valentin von Kriss,25 
der nicht nur in der späteren Sage, sondern auch im harten politischen Kampf der Achtzigerjahre des 17. Jahrhunderts als führender Kopf der «Partei der Verfolgungsopfer» agierte.26 Nicht zufällig deckte sich die Verbreitung der neuen Tobelhockervorstellung mit sei- nem Seelsorgedistrikt, der die heutige Gemeinde Triesen sowie einen Teil von Triesenberg umfasste. Valentin von Kriss war zweifellos auch aufgrund persönlicher Erfah-rungen 
bewusst, dass es zu einem wirksamen Umbruch beim Hexentreiben seiner Zeit mehr bedurfte als der Aufhebung von Urteilen und der Publizierung obrigkeit- licher Befehle, die zum Teil gar nicht umgesetzt werden konnten.27 Die herausragende Bedeutung des Pfarrers Va- lentin von Kriss für die Geschicke Triesens war bereits den Zeitgenossen bewusst. Bei den heftigen Konflikten zwischen den beiden Gemeindeteilen, dem Unter- und dem Oberdorf, um Alprechte in den Jahrzehnten zu Be- ginn des 18. Jahrhunderts28 beklagten sich zwar die Ober- dorfer über Benachteiligungen durch von Kriss. Einig wa- ren sich beide Seiten aber darüber, dass der Pfarrer einst viel vermögt, also über grosses Durchsetzungsvermögen verfügt habe,29 was sich ausser bei seinem Engagement gegen die Hexenprozesse eben auch bei der Umkehrung der Werte durch die Tobelhocker-Vorstellung erwies. Diese veranschaulicht allerdings auch, welche engen weltanschaulichen Grenzen sogar ihm gesetzt waren: Die meisten Hauptbetroffenen der laut dem Höchstge- richt rechtswidrigen vaduzischen Hexenverfolgungen vermochten sich selbst nicht von der Grundvorstellung zu lösen, dass primär andere Menschen beziehungs- weise bestimmte gesellschaftliche Gruppen persönlich Missstände verursachten. So schufen sich die ehemals FrauenamRheinbeiTriesen, um1920.ImHintergrundistdas Lawenatobelerkennbar.
        

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