Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/47/
48 Sonderegger Stefan: Das Liechtensteinische Urkundenbuch digital, Teil 
II 
stitutionen; sie umfassten Schenkungen von Immobilien oder Geldbeträgen, meistens aber Übertragungen von ewig zu entrichtenden, jährlichen Zinsen, die auf Liegen- schaften lasteten, die den Stiftern gehörten. Diese «Jen- seitsökonomie» wies seit dem Spätmittelalter kommerzi- elle Züge auf. Insbesondere Adlige oder reiche Händler waren dank ihres Vermögens in der Lage, mehrere Jahr- zeitstiftungen gleichzeitig in vielen verschiedenen Klös- tern, Kirchen und Spitälern zu errichten. Dadurch ver- grösserten sie den Kreis der Fürbitter für ihr Seelenheil.59 Mit anderen Worten: Vermögende waren in der Lage, mehr als andere in die Zeit nach dem Tod zu «investie- ren», die «Rendite» bestand in der zu erwartenden Ver- kürzung ihrer Leidenszeit im Fegefeuer. Auch unser Beispiel aus Maienfeld lässt vermuten, dass es sich um wohlhabende Stifter handelte. Das Ehe- paar Nagel errichtete eine immerwährende Mess-Stiftung in der Pfarrkirche Maienfeld, in welcher ihrer Eltern, Kinder und aller Vorfahren gedacht werden sollte. Der Finanzierung der liturgischen Leistungen dienten viele Natural- und Geldabgaben aus verschiedenen Gütern der Umgebung: Käse und Butter aus Gütern in Schiers, 
Geldzinsen aus Gütern in Valzeina und Furna, Korn aus Gütern in Seewis, Wein aus Malans, Butter aus  Seewis. Weiter setzten sie zwei Wiesen und eine ganze Liegen- schaft in der Stadt Maienfeld zur Finanzierung der Stif- tung ein. Mit diesen materiellen Aufwendungen bezahlte das Ehepaar den Unterhalt eines Priesters, der folgende Leistungen für das Seelenheil der Stifter zu erbringen hatte: Er war zu einer wöchentlichen Messe in der Kir- che auf der St. Luzisteig und in der Kirche in Fläsch ver- pflichtet. In der Kirche in Maienfeld hatte er einem Leut- priester nach Bedarf zu assistieren. Hinzu kamen drei zusätzliche Messen im Jahr. Für den Opferwein hatte er selber aufzukommen. Die Jahrzeiturkunde enthält diverse Bestimmungen, mit denen das Stifterehepaar Nagel die liturgischen Leis- tungen für ihr Seelenheil absicherte. Die Aufwendungen für den Unterhalt ihrer Jahrzeit bestanden vor allem aus Natural- und Geldzinsen, die aus Lehen stammten, wel- che im Besitz des Ehepaars waren. Dadurch, dass sie die Einnahmen aus diesen Lehen oder die Lehen selber für die Finanzierung der Jahrzeit einsetzten, befanden sich die Lehensnehmer und die Güter, die diese bewirtschaf- DarstellungendesJüngsten GerichtswieamBernerMünster erinnertendieMenschenandie StrafennachdemTod,diesie fürbegangeneSündenzuerlei- denhatten.
        

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