Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/43/
44 Sonderegger Stefan: Das Liechtensteinische Urkundenbuch digital, Teil 
II 
Solche Offnungen bildeten ein wesentliches Element der Durchsetzung der Landesherrschaft des Klosters St. Gallen, dessen Einflussbereich auch ins St. Galler Rheintal reichte. Auch wenn dieser Aspekt die herr- schaftliche Seite der Offnungen unterstreicht, so lagen ge- rade im Bereich der landwirtschaftlichen Nutzung klare Rechtsverhältnisse auch im Interesse der betroffenen Bevölkerung auf dem Land. In den wirtschaftlichen Tei- len der Offnungen werden denn auch Gemeinsamkeiten von herrschaftlichen und bäuerlich-genossenschaftlichen Interessen deutlich sichtbar: Die Nutzung der Weiden, Wiesen, Felder und Wälder sowie die Wegrechte, Über- fahrtsrechte, Erntetermine usw. mussten zur Vermei- dung von Schäden und von Konflikten im Interesse aller geregelt werden. In der Offnung von Gossau aus dem Jahr 146945 
und jener für Oberdorf aus dem Jahr 149046 sind die Prinzipien der gemeinsamen Schadenspräven- tion und der Solidarität deutlich fassbar: Es wurde streng darauf geachtet, dass weidendes Vieh keinen Schaden an den landwirtschaftlichen Kulturen verursachte. Zu diesem Zweck hatte der Gemeindeammann anzuord- nen, wann die «Fridheg» zu machen waren. Das Wort drückt sinnbildlich den Zweck aus: Der Zaun sorgte für den «Frieden» des Ackers oder der Wiese vor dem Vieh, das durch ihn am Übertritt auf die Felder und somit an der Schädigung des Getreides oder Heugrases gehindert wurde. Dem Vieh war die Waldweide, die Allmende oder allenfalls auch die Stoppelweide nach der Getrei-deernte 
vorbehalten. Wie in der Alpwirtschaft Liech- tensteins und anderswo wurde der Weideviehbestand gemäss Winterungsregel beschränkt: Jeder durfte nur so viel Vieh auftreiben, wie er mit eigenem Heu überwin- tern konnte. Zugekauftes Vieh war nicht zugelassen. Da- mit wurde verhindert, dass Vermögendere oder Fremde das Gemeinschaftsland mit zu grossem Viehbestand zum Nachteil der anderen zu stark belasteten. Ebenfalls an Bestimmungen der Alpwirtschaft erinnert das Verbot, Schweine frei laufen zu lassen, oder die Pflicht, kranke Tiere sofort zu entfernen, damit nicht alles Vieh auf der Allmende angesteckt wurde. Schweine auf der Allmende waren erlaubt, wenn sie geringt waren, das heisst, wenn ihnen ein Ring durch den Rüssel gestossen wurde, der sie am Aufwühlen des Bodens hinderte. Ungeringte Schweine durften nur unter Aufsicht eines Hirten laufen gelassen 
werden.47 Weg- und Wasserrechte In Konflikten sind Wegrechte ein wiederkehrendes Thema. Lokale Wege dienten in erster Linie der Erschlies- sung der Alpen, Allmenden und Äcker sowie der dörf- lichen Infrastruktur. Im Wohnbereich stand die Zugäng- lichkeit zu wichtigen Gebäuden und Infrastrukturen im Vordergrund: zur Kirche, zum Brunnen oder zur Mühle. Die hohe Bedeutung dieser Wege spiegelt sich in der Na- mensgebung: Kirchweg, Brunnenweg usw. Dort, wo die Äcker verschiedener Besitzer beieinander lagen, bestand ein Netz von Feldwegen, das den unterschiedlichen In- habern zur Nutzung ihrer Parzellen offen stehen musste. Dabei muss man sich kaum fest vermarkte Wege vor- stellen, die permanent räumlich von der landwirtschaft- lichen Nutzfläche ausgeschieden waren. Diese Erschlies- sungswege wurden vielmehr von Jahr zu Jahr umgepflügt und angesät, das heisst es waren keine Wege im engsten Sinne. Diese Variabilität setzte die immer wieder vorzu- nehmende kollektive Nutzungsregelung der Anstösser voraus; umso häufiger waren Konflikte, die sich im regio- nalen Urkundenbestand erhalten haben.48 Im Bestand des Liechtensteinischen Urkundenbuches, Teil II, werden Wegrechte beispielsweise im Zusammen- hang mit der Holz- und Wassernutzung erwähnt. Im be- reits genannten Konflikt zwischen Bendern und Eschen einerseits und Uli Vogt andererseits im Gebiet Saroja vom 7. September 1428 hatte Uli Vogt den Gemeinde- genossen den Abzug von geschlagenem Holz über sein Schnee-EinfallaufGritschimSommer2001.
        

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