Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/23/
23 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
Die Geistlichen Ortlieb und Rudolf, beides Söhne von Wolfhart V., sowie Johannes, ein Sohn Ulrichs, erlangten hohe Stellungen in Chur. Ortlieb war ab 1453 Domdekan und von 1458 bis 1491 Bischof, Rudolf von 1459 bis 1467 Domdekan, Johannes von 1483 bis 1512 Dompropst. Al- bert schliesslich, vermutlich ein unehelicher Sohn von Wolfhart V., war von 1472 bis 1499 Abt des Klosters Ma- rienberg im Vinschgau.81 In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kam es auch zu einer inneren Konsolidierung der Herrschaft. Eine Reihe von königlichen Privilegien stärkte die Stel- lung der Brandiser als reichsunmittelbare Landesher- ren.82 Die herrschaftliche Durchdringung wurde – was allerdings noch genauer zu untersuchen wäre – inten- siviert, die Stellung der Untertanen vereinheitlicht.83 Ausdruck der Verfestigung der brandisischen Herr- schaft sind schliesslich auch Ansätze zur Residenzbil- dung in Maienfeld und in Vaduz – was ebenfalls noch einer eingehenderen Untersuchung bedürfte. Sowohl für das Schloss Maienfeld wie für das in Vaduz sind in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts Baumassnahmen belegt.84 Die Freiherren förderten die Kirche St. Aman- dus in Maienfeld und die Kapelle St. Florin in Vaduz, die als Familiengrablegen und als Gedächtnisorte für die verstorbenen Familienangehörigen dienten.85 St. Florin, wo Wolfhart VI., Sigmund I. und Ulrich 1476 eine Ka- planeipfründe gestiftet hatten,86 war auch Versorgungs- stätte für illegitime Söhne. Gallus, unehelicher Sohn von Wolfhart VI., ist von 1465 bis 1513 als Kaplan belegt; Wolfgang, ein Sohn des Kaplans Gallus, von 1517 bis 1557 als 
(Vize)kaplan.87 Zwischen grösseren Mächten Um ihre Eigenständigkeit zu wahren und sich gegenüber dem übermächtigen Habsburg einen gewissen Spielraum offenzuhalten, pflegten die Brandiser eine ausbalancierte, in alle Richtungen Absicherung suchende Politik.88 Seit 1452, als Wolfhart V. wieder ins Berner Bürgerrecht (das er wohl im Verlauf des Alten Zürichkriegs aufgegeben oder verloren hatte) eingetreten war, waren stets ein oder mehrere Vertreter der Familie Burger von Bern.89 Die Brandiser hielten sich zwar kaum mehr in Bern auf. Sie konnten jedoch bei Konflikten wie dem Rechtsstreit mit den Werdenberg-Sargansern um die Grafschaft Va-duz 
auf die Unterstützung Berns zählen.90 Die Brandi- ser traten zudem in Beziehungen zu den Drei Bünden, dem sich verfestigenden Verband aus Gotteshausbund, Zehngerichtenbund und Grauen Bund. Als Inhaber der Herrschaft Maienfeld verbündeten sich Wolfhart VI., Sig- mund I. und Ulrich 1475 mit ihrem Bruder, dem Churer Bischof Ortlieb, den Drei Bünden sowie der Stadt Chur. 1477 folgte ein separates Bündnis mit dem Zehngerich- tenbund. Beide Bündnisse dienten der Rückversiche- 81  Zu Ortlieb, Johannes und Albert vgl. Stievermann, Brandis. Zu Rudolf vgl. HS I/1, S. 551. 82  Thommen, Urkunden 3, Nr. 305/III (29. Juni 1439); RI Chmel, Nr. 470 (16. März 1442); LUB II, Urk. vom 4. Februar 1454; StASZ, Urk. Nr. 543 (23. Mai 1463); LUB II, Urk. vom 7. März 1465, 16. Oktober 1492; RI XIV/2, Nr. 7385 (16. September 1496). Vgl. Dopsch, Kleinstaat, S. 157–159. 83  Hinweise dazu bei Stievermann, Vaduz und Schellenberg, S. 111 f., 122 f. 84  Zu Maienfeld vgl. Clavadetscher/Meyer, Burgenbuch, S. 324. Zu Vaduz vgl. Herrmann, Kunstdenkmäler, S. 253. 85  Zu St. Amandus vgl. Poeschel, Kunstdenkmäler, S. 14–16; Jeck- lin, Jahrzeitbuch, S. 54, 78, 81 f.; LUB II, Eintrag 1. Hälfte 16. Jh. (StadtA Maienfeld B8), Eintrag 1. Hälfte 16. Jahrhundert (StadtA Maienfeld B9). Zu St. Florin vgl. Herrmann, Kunstdenkmäler, S. 228–232; Willich, Quellen, S. 77 f. 86  LUB II, Urk. vom 24. November 1476. 87  Zu Gallus vgl. LUB II, Urk. vom 30. März 1465, 16. Dezember 1482, 19. April 1488; Vasella, Ergänzungen, S. 106. Zu Wolfgang vgl. LI LA, U 49 (1. Juni 1521); LI LA, Schä U 60 (29. Juni 1550); LI LA, Schä U 65 (9. November 1557); Vasella, Ergänzungen, S. 106. 88 Vgl. Noflatscher, Liechtenstein, S. 135 f. 89  RQBE I/4.1, Nr. 163b (14. Mai 1452, 30. Juli 1460, 30. Januar 1474, 21. April 1480); StABE, A III 8, folio 373v (12. Januar 1487). 90  Vgl. die intensive Korrespondenz in StABE, A III 
4–5. DasGrabmalfürBischofOrtlieb vonBrandis,1485vonJakob RussgeschaffenfürdieKathe- dralevonChur;liechtenstei- nischeBriefmarkevon1976.
        

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