Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/19/
19 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
ben würde – er hatte keine Kinder, der desiginierte Erbe, sein Neffe Graf Walram von Thierstein-Pfeffingen, war 1427 bei einem Unfall ums Leben gekommen – mehr- ten sich die Spannungen. Wolfhart V. verhandelte um 1431 mit dem Toggenburger, mit dem er über seine Frau Verena von Werdenberg-Heiligenberg verwandt war (Verena war eine Cousine mütterlicherseits von Fried- rich), über den Kauf der Herrschaften Toggenburg und Uznach. Die Transaktion kam aber aus unbekannten Gründen nicht zustande.53 
1436 starb Friedrich von Tog- genburg ohne Hinterlassung eines Testaments auf der Schattenburg in Feldkirch. Um sein Erbe konkurrierten die Witwe Elisabeth von Matsch, eine Reihe von Seiten- verwandten, darunter Wolfhart V., die eidgenössischen Orte Zürich und Schwyz sowie die Herrschaft Österreich. Es ist hier nicht der Ort, eine eingehende Darstellung des verwickelten Streits um das Toggenburger Erbe zu geben, der schliesslich zum Alten Zürichkrieg führte, ei- nem langwierigen Konflikt zwischen – in wechselnden Koalitionen – Zürich, Schwyz und Österreich.54 
Im Fol- genden ist lediglich die Rolle von Wolfhart V. näher zu betrachten. Der Brandiser, der seit 1429 in österreichischen Diens- ten stand,55 trat zunächst vor allem als Gefolgsmann von Herzog Friedrich in Erscheinung. Dieser strebte mit Er- folg danach, die nach 1415 an den Toggenburger verlo- renen Herrschaften zurückzugewinnen.56 
Nachdem er Feldkirch wieder in seine Hände gebracht hatte, übertrug er Wolfhart V. 1438 das dortige Vogteiamt.57 In der ersten Phase des Alten Zürichkriegs kooperierte Wolfhart V., der unter den Seitenverwandten eine führende Rolle spielte, zudem eng mit Schwyz. Schwyz und sein Junior- partner Glarus waren Landrechte mit den Herrschaften Toggenburg, Uznach und Gaster eingegangen. Zürich bestritt die Rechtmässigkeit des Schwyzer Vorgehens, eidgenössische Schiedssprüche vom 9. März und 23. Ap- ril 1437 gaben den Schwyzern jedoch recht. Dabei spielte eine entscheidende Rolle, dass Wolfhart V., Petermann von Griffensee und der Berner Venner Niklaus von Wat- tenwil unter Eid aussagten, der verstorbene Friedrich von Toggenburg habe ausdrücklich gewünscht, dass seine Untertanen ins Schwyzer Landrecht treten sollten. Kurz vor dem 11. April 1437 – die Verhandlungen und das Urteil sind nur chronikalisch überliefert – entschied ein eidgenössisches Schiedsgericht, wahrscheinlich unter bernischem Vorsitz, den Streit um den Eigenbesitz von 
Friedrich von Toggenburg (die Herrschaften Toggen- burg, Uznach, March, Maienfeld, Prättigau, Davos und Belfort) zugunsten der Seitenverwandten. Am 11. April 1437 trat die Erbengemeinschaft mit Schwyz und Glarus ins Landrecht. Der Streit um das Toggenburger Erbe war damit im Sinne der Seitenverwandten und von Schwyz entschieden, das im Mai 1437 von der Erbengemein- schaft die Grafschaft Uznach als Pfand erhielt. Finanziert wurde die Erwerbung durch einen Kredit Berns.58 Nach langwierigen Verhandlungen kam es am 14. November 1437 zur Aufteilung des Erbes unter die Seitenverwandten. Wolfhart V. und Verena von Wer- denberg-Heiligenberg erhielten zusammen mit Thüring von Aarburg und dessen Frau Margarethe von Werden- berg-Heiligenberg Stadt und Herrschaft Maienfeld.59 Am 4. September 1438 bestätigten Wolfhart V. und Thüring von Aarburg die Freiheiten der Stadt, nachdem ihnen die Maienfelder gehuldigt hatten.60 Bereits 1441 brachte Wolfhart V. Maienfeld ganz unter seine Kontrolle. Ge- gen ein Darlehen von 5000 Gulden verpfändeten ihm Thüring von Aarburg und dessen Frau ihre Hälfte der Herrschaft. 1446 übernahm er die aarburgische Hälfte für 47  e-archiv.li, Österreichisches Staatsarchiv, Dok. vom 27. September 1428. 48  LUB II, Urk. vom 10. April 1434. 49  Ebenda. 50  StASZ, Urk. Nr. 408 (27. Juni 1437). 51  Frommelt, Gerichtsgemeinden, S. 34 f. 52  Einen Überblick über die politische Lage bei Niederstätter, Habs- burg. 53  Tschudi, Chronicon 10, S. 12 f., Anm. 8. 54  Zum Alten Zürichkrieg vgl. Stettler, Eidgenossenschaft, S. 139– 183. 55  Thommen, Urkunden 3, Nr. 209 (11. Dezember 1429). 56  September/Oktober 1436 Bevollmächtigter bei der Übergabe von Feldkirch an Österreich: Bergmann, Urkunden, Nr. 63, 64 (19. September 1436), Nr. 68, 69 (28. September 1436), Nr. 73 (23. Oktober 1436). Herbst 1436 Gesandter nach Zürich: Tschudi, Chronicon 10, S. 35, im Februar 1437 Beauftragter bei Waffen- stillstandsverhandlungen mit der Landgemeinde Sarganserland: URStAZH 6, Nr. 8072 (25. Februar 1437). Zu den Restitutions- bemühungen von Herzog Friedrich vgl. Tschudi, Chronicon 10, S. 28 f., Anm. 16. 57  Burmeister, Kulturgeschichte, S. 112. 58  Tschudi, Chronicon 10, S. 12 f., Anm. 8; ebenda, S. 111–115, Anm. 36. Zur Zusammenarbeit mit Schwyz vgl. auch Rigendinger, Sar- ganserland, S. 357 f., mit Anm. 237. 59  StiASG, BB1 A15. 60  LUB II, Urk. vom 4. September 1438.
        

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