Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/17/
17 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
Transaktionen nicht bekannt, da die diesbezüglichen Urkunden nicht erhalten geblieben sind. Dies gilt auch für die endgültige Übernahme der Güter und Rechte Hartmanns IV. am Eschnerberg. Nach einem Eintrag im Schellenberger Urbar (um 1614/19) kaufte Wolfhart IV. 1416 von seinem Halbbruder dessen Besitzungen am Eschnerberg für 4000 Gulden.41 Schwerpunktverlagerung an den Alpenrhein Spätestens für Wolfhart V., den einzigen Sohn von Wolf- hart IV., der nach dem kinderlosen Tod seines Onkels Ulrich Thüring um 1410 und dem Tod seines Vaters 1418 den gesamten brandisischen Besitz in seiner Hand vereinigte, wurden die Besitzungen im Alpenrheintal zum Herrschaftszentrum. Er behielt zwar das bernische Bürgerrecht,42 war aber nur noch selten in Bern präsent und begann ab 1426, seine Besitzungen im Raum Bern zu liquidieren. Zunächst verkaufte er die bischöflich- konstanzischen Zehntquarten, die Heinrich II. 1358 seinen Vorfahren verpfändet hatte. Es folgte der Ver- kauf der Güter und Rechte im Niedersimmental (1429 sowie 1437/39). 1455 verkaufte Wolfhart V. schliesslich die Stammherrschaft Brandis, nachdem er diese bereits 1441 und 1447 veräussert, jedoch anschliessend wieder zurückgelöst hatte, an Kaspar von Scharnachthal. Damit war die letzte grössere Besitzung im Raum Bern definitiv in andere Hände übergegangen.43 Mit den aus dem Verkauf der bernischen Besitzun- gen gelösten Mitteln baute Wolfhart V. die brandisische Position am Alpenrhein weiter aus. Erster Schritt war die vollständige Erwerbung der Herrschaftsrechte am Eschnerberg. Die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg besassen hier seit 1317 die Obere und die Untere Burg Schellenberg sowie die zugehörigen Güter und Rechte. Albrecht von Werdenberg-Heiligenberg, der keinen männlichen Erben, jedoch fünf Töchter hinterliess, hatte die Schellenberger Burgen um 1411/12 für 3846 Gulden an seinen Schwiegersohn Graf Wilhelm von Montfort- Tettnang verkauft, der mit seiner ältesten Tochter Kuni- gunde verheiratet war.44 1415 übertrug der Werdenberg- Heiligenberger das Wiederkaufsrecht an den beiden Burgen als Mitgift seinen Töchtern Katharina, der Frau von Graf Hans von Sax-Misox, und der damals noch un- verheirateten Margarethe (die später Freiherr Thüring 
von Aarburg heiratete).45 Wolfhart V., der mit Verena, einer weiteren Tochter Albrechts verheiratet war, erwarb nun zu einem unbekannten Zeitpunkt die Burgen. Wahr- scheinlich erfolgte die Handänderung bereits 1425/26, als Wolfhart V. erstmals einen Ammann am Eschnerberg einsetzte,46 sicher jedoch spätestens 1428. Ende September 1428 machte Wolfhart V. in einem Streit mit Vertretern der Stadt Feldkirch nämlich gel- tend, er habe «den Eschnerberg ganz zu seinen handen bracht und erkeft mit gerichten, mit zwingen und mit 34  LUB I/4, Nr. 28 (zwischen 22. Juli 1396 und 23. Januar 1397). 35  LUB I/2, Nr. 86 (22. April 1399). Vgl. auch Thommen, Urkunden 3, Nr. 102 (21. Oktober 1420); RU, Nr. 148 (24. September 1422); URStAZH 5, Nr. 6574 (8. August 1423). Andere Deutungen der etwas unklaren Bestimmungen im Schadlosbrief von 1399 in LUB I/2, Nr. 86, Anm. 9, sowie bei Rigendinger, Sarganserland, S. 236. 36  LUB I/4, Nr. 33 (1401). Vgl. auch LUB I/4, Nr. 32 (1401?). 37  Eine Edition des Urbars jetzt in Arnegger, Kaufvertrag, S. 127–184 (das Zitat S. 127). Vgl. auch LUB I/4, Nr. 36 (nach einer Abschrift des Urbars von 1701). 38  LUB I/4, Nr. 42 (1409). Die kursierenden Angaben zur Höhe der Pfandsummen gehen zurück auf Ladurner, Vögte von Matsch 2, S. 54. Vgl. LUB I/4, Nr. 36 (1404). 39  Vgl. Frommelt, Gerichtsgemeinden, S. 22–29. 40  LUB I/4, Nr. 33 (1401). 41  LUB I/4, Nr. 34 (1404), Nr. 42 (1409), Nr. 47 (1416, vor dem 6. September). 42  RQBE I/3, Nr. 83, Bemerkung 3 (26. Dezember 1412 – nicht 1413!). 43  Zehntquarten: StABE, Fach Interlaken, Urk. vom 4. Februar 1426; StABE, Fach Wangen, Urk. vom 7. Juni 1426; StABE, Fach Solo- thurn, Urk. vom 21. Juni 1426; StABE, Fach Fraubrunnen, Urk. vom 21. Juni 1426; StABE, Fach Signau, Urk. vom 25. Juni 1426; StABE, Fach Interlaken, 2. März 1430; StABE, Fach Interlaken, 11. Dezember 1434; LUB II, Urk. vom 13. Dezember 1434. Nieder- simmental: StABE, Fach Niedersimmental, Urk. vom 20. Juni 1437; RQBE II/1.2, Nr. 14 (25. Januar 1439 – nicht 28. Januar); RQBE I/4.1, Nr. 154b (21. Januar 1439). Brandis: RQBE I/4.1, Nr. 163a (5. August 1447, 25. August 1441, 27. August 1441); StABE, Fach Trachselwald, Urk. vom 5. Mai 1455. 44  Die Verkaufsurkunde datiert vom 31. Oktober 1412 (LUB I/3, Nr. 67). Der Verkauf muss allerdings schon vorher erfolgt sein, da Wilhelm von Montfort-Tettnang seinem Schwiegervater bereits am 6. August 1412 das Wiederkaufsrecht gewährte (LUB I/5, Nr. 159). Ein montfort-tettnangischer Ammann am Eschnerberg ist bereits am 22. März 1411 belegt (LUB I/3, Nr. 130). Vgl. Frommelt, Gerichtsgemeinden, S. 33. 45  LUB I/5, Nr. 161 (1. Dezember 1415). In der nur als Vidimus (be- glaubigte Kopie) von 1427 überlieferten Urkunde sind die Namen der beiden Frauen verwechselt. 46  Frommelt, Gerichtsgemeinden, S. 33 f. Für eine Ansetzung der Handänderung um 1425/26 spricht auch, dass Wolfhart V. bereits Anfang Februar 1427, wohl um seine Position zu untermauern, Kopien der Urkunden, in denen das Wiederkaufsrecht der Wer- denberg-Heiligenberger verbrieft war, anfertigen liess. Vgl. LUB I/5, Nr. 159 (6. August 1412), Nr. 161 (1. Dezember 1415).
        

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