Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/15/
15 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
Vaduz. Als dieser 1397 ohne legitime Nachkommen starb, übernahm zunächst sein Bruder Hartmann IV., der inzwischen zum Bischof von Chur aufgerückt war, die Besitzungen. Als Erbe von Hartmann IV. von Wer- denberg-Sargans-Vaduz kam nebst seinen Halbbrüdern Wolfhart IV. und Ulrich Thüring von Brandis auch sein Cousin Johann von Werdenberg-Sargans in Frage, der 1379 von Heinrich V. von Werdenberg-Sargans-Vaduz für den Fall seines kinderlosen Todes zum Erben be- stimmt worden war.26 
Durchsetzen als Nachfolger der Grafen von Werdenberg-Sargans-Vaduz konnten sich jedoch die Brandiser, die über weit grössere finanzielle Mittel verfügten als die Werdenberg-Sarganser. Bereits zu Lebzeiten von Heinrich V. von Werdenberg-Sargans- Vaduz übernahmen Wolfhart IV. und Ulrich Thüring erste Güter und Rechte. Bis zum Tod von Hartmann IV. von Werdenberg-Sargans-Vaduz 1416 brachten sie die Herrschaft Blumenegg, die Grafschaft Vaduz sowie einen Teil der späteren Herrschaft Schellenberg in ihren Besitz. Am Anfang der Übernahme des Vaduzer Erbes stand, wie eingangs bereits erwähnt, ein Darlehen von Ulrich Thüring von Brandis an Heinrich V. von Werdenberg- Sargans-Vaduz. 1391 lieh Ulrich Thüring seinem Halb- bruder 2000 Gulden, wofür ihm dieser die Burg Blumen- egg «mit lüten und guetern und wz dazů gehört» sowie einen das Gebiet der heutigen Gemeinden Bludesch, Ludesch, Thüringen und Thüringerberg sowie fast das ganze Grosse Walsertal umfassenden Teil der Grafschaft Walgau verpfändete.27 
Nach dem Tod von Heinrich V. Anfang 1397 übertrug Hartmann IV. von Werdenberg- Sargans-Vaduz 1398 seinen Halbbrüdern Wolfhart IV. und Ulrich Thüring – die er, wie dies bereits Heinrich V. getan hatte, konsequent als seine Brüder bezeichnete – die Burg Blumenegg samt den zugehörigen Gütern und Rechten aus «früntschaft und liebi» sowie als Anteil am Erbe ihrer Mutter Agnes. Die Brandiser gaben ihm Blu- menegg jedoch umgehend gegen einen jährlichen Zins von 100 Pfund Pfennig Konstanzer Münze zurück.28 Am 1. September 1405 verzichtete Hartmann IV. von Werdenberg-Sargans-Vaduz zugunsten von Wolfhart IV. auf seine Rechte an Blumenegg. Dieser versprach im Ge- genzug, seinem Halbbruder die Rebgüter, Steuern und Nutzungen, die zu Blumenegg gehörten, zu überlassen, falls er die Burg in seinen Besitz bringen könne – «ob ich oder min erben die selben vesti Blůmnegg . . . ze mi- nen oder minen erben handen bringen mag, in welhen 
weg sich das füget».29 Die Blumenegg war, nachdem Hartmann IV. bei einer Fehde mit Österreich in Gefan- genschaft geraten war, von den Feldkirchern im Namen Österreichs eingenommen und trotz des inzwischen erfolgten Friedensschlusses noch nicht zurückgegeben worden. Ende September 1405 wurde die Burg, die sich immer noch in österreichischen Händen befand, im Zuge des Ausgreifens des von den Appenzellern angeführten «Bundes ob dem See» zerstört.30 In der Folge konnte sich Wolfhart IV. jedoch rasch und ohne Probleme als Herr zu Blumenegg etablieren. Bereits am 11. November 1405 entschied er einen Streit um Nutzungsrechte und Grenz- marken zwischen den Gemeinden Ludesch und Raggal.31 1412 bestätigte Hartmann IV. von Werdenberg-Sar- gans-Vaduz den Freiherren von Brandis den Besitz von Blumenegg. Damit «vor unnserm tod und nach unserm tod kain unwill, kain krieg, kain unfründtschafftt umb unnser herrschafft, umb unnser gůt unnd erb» entstehe, übertrug er bis zu seinem Tod die Burgen Sonnen- berg und Blumenegg mit Leuten, Gütern und Rechten an Wolfhart IV. und dessen Sohn Wolfhart V. Entspre- chend den von Hartmann IV. getroffenen Regelungen blieben die Brandiser nach seinem Tod 1416 im Besitz von Blumenegg, während Sonnenberg an die Grafen von Werdenberg-Sargans fiel.32 Mit der Verleihung des Blutbanns durch König Sigismund an die Brandiser 1417 wurde Blumenegg endgültig zu einer eigenständigen Herrschaft.33 Die Grafschaft Vaduz brachten die Brandiser durch Pfandgeschäfte in ihren Besitz. Der älteren Literatur zu- folge verpfändeten Heinrich V. und sein Bruder Hart- mann IV. von Werdenberg-Sargans-Vaduz die Grafschaft 26  Sablonier, Graf Hartmann, S. 24; Rigendinger, Sarganserland, S. 232–235. 27  LUB I/3, Nr. 294. Zur Geschichte der Herrschaft Blumenegg vgl. Niederstätter, Blumenegg. Zur Burg Blumenegg vgl. Niederstät- ter/Sonderegger/Tschaikner, Walgau, S. 127–131. 28  Thommen, Urkunden 2, Nr. 426 (19. Juni 1398), Nr. 427 (13. Juli 1398). Vgl. auch die Regesten in LUB I/3, Nr. 319, 320 (mit irrigem Datum). 29  Thommen, Urkunden 2, Nr. 595/I-II (1. September 1405). Vgl. auch die Regesten in LUB I/3, Nr. 338, 339. 30  Niederstätter/Sonderegger/Tschaikner, Walgau, S. 19 f. 31  VLA, Urk. Nr. 4180. 32  Thommen, Urkunden 3, Nr. 32 (1412). Vgl. das Regest in LUB I/3, Nr. 375. 33 Thommen, Urkunden 3, Nr. 71/III (5. August 1417).
        

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