Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/132/
135 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
Die tschechisch-liechtensteinische Historikerkommis- sion (2010–2013) wurde nach der Aufnahme diplomati- scher Beziehungen zwischen Liechtenstein und Tsche- chien eingesetzt und sollte Berührungspunkte in der Ge- schichte Böhmens, Mährens, Schlesiens und des Hauses Liechtenstein sowie das Verhältnis zwischen Liechten- stein und Tschechien im 20. Jahrhundert aufarbeiten. Sie publizierte insgesamt acht Bände, in denen die Referate an den vier Fachtagungen sowie die Forschungsergeb- nisse veröffentlicht wurden. Zwei der von Liechtenstein finanzierten Forschungsarbeiten sind hier zu besprechen. Die erste Studie stammt von Christoph Maria Merki und trägt den Titel «Liechtensteinische Güter und Rechte in Böhmen, Mähren und Schlesien vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert – Zur Besitzgeschichte der grenz- überschreitenden Dynastie Liechtenstein» (S. 9–167 im vorliegenden Band). Dr. Christoph Merki (Jahr- gang 1960) ist in Liechtenstein kein Unbekannter, hat er doch bereits mehrere historische Arbeiten zu Liech- tenstein-Themen publiziert. Schon als Student lernte er das journalistische Handwerk, als er nebenbei für eine Zeitung arbeitete. Seine Schreibweise ist flüssig, oft jour- nalistisch zugespitzt – für wissenschaftliche Arbeiten manchmal etwas salopp. Eine seiner Stärken sind solide, zusammenfassende Studien. Er konzentriert sich auf die Darstellung der Fakten, kritische Töne sind bei ihm eher selten zu finden. Die ersten Liechtenstein werden um 1125 erwähnt, die Burg Liechtenstein bei Mödling bei Wien gilt als äl- tester Besitz der Familie. Bereits im 13. Jahrhundert 
ori- 
Das Haus Liechtenstein in den  böhmischen Ländern vom Mittelalter   bis ins 20. Jahrhundert PaulVogtVeröffentlichungenderLiech- tensteinisch-Tschechischen Historikerkommission,Band5. Autoren:ChristophMaria MerkiundJosefLöffler.Verlag desHistorischenVereinsfür dasFürstentumLiechtenstein. Vaduz,2013,375Seiten. Broschiert. ISBN978-3-906393-69-8 CHF42.–/Euro34.–entierten 
sie sich in Richtung Grenzraum Niederöster- reich/Südmähren. Hier setzten sie sich fest und wurden gross. 1249 erhielt Heinrich von Liechtenstein die süd- mährische Herrschaft Nikolsburg, nach der sich die Fa- milie benannte und wo sie ihren Wohnsitz nahm. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erreichte das Haus unter dem Hofmeister Johann einen ersten Höhepunkt: Er besass um 1390 etwa 30 Burgen, Städte und Herrschaf- ten in den habsburgischen Ländern und etwa 10 Herr- schaften in Südmähren, doch fiel er 1394 in Ungnade und verlor seine Besitzungen südlich der Donau. Die Liechtenstein behaupteten sich jedoch unter den wich- tigen Adelsfamilien und behielten auch einen ansehnli- chen Besitz. Das 15. und 16. Jahrhundert war dann durch Stagnation gekennzeichnet. Die Familienmitglieder be- kannten sich vorübergehend zum reformierten Glauben. Eine der drei Linien der Familien starb aus, eine verlor jede Bedeutung und nur eine konnte sich behaupten. Die bedeutendste Herrschaft – Nikolsburg - ging verlo- ren. Der entscheidende Durchbruch der Familie gelang den Brüdern Karl, Maximilian und Gundaker: Voraus- setzung dafür war die Konversion zum katholischen Glauben (um 1600), was ihnen den Zugang zu wichtigen Positionen am kaiserlichen Hof eröffnete. Die Ehen von Karl und Maximilian mit vermögenden Erbtöchtern aus dem Haus Boskowitz führten zwischen 1590 und 1610 zu einem ersten starken Besitzzuwachs in Mähren. Nach der Schlacht am Weissen Berg (1620), also zu Beginn des Dreissigjährigen Kriegs, standen die Liechtenstein in kai- serlichen Diensten. Karl präsidierte den Prozess und die Hinrichtung von 27 aufständischen, reformierten böhmi- schen Adeligen. In den Jahren 1622 bis 1626 nutzte er die günstige Situation zu einer enormen Vergrösserung des Besitzes – 780 km² oder fast die Hälfte der schliesslich 1600 km² umfassenden liechtensteinischen Besitzungen in den böhmischen Ländern konnte in diesen wenigen Jahren erworben werden. Neu waren auch Güter in Böhmen und Schlesien darunter. Eine dritte Phase der Besitzerweiterung (1681–1710), wenn auch längst nicht mehr im gleichen Ausmass (254 km²) erfolgte unter Fürst Johann Adam I. Seine Tochter Maria Theresia von Sa- voyen erwarb in den 1760er Jahren noch einmal zwei bedeutende Herrschaften. Im 19. Jahrhundert war immer noch eine beachtliche Besitzerweiterung möglich, aber nur noch in einem deutlich kleineren Umfang. 
Christoph Maria Merki / Josef 
Löffler Das Haus Liechtenstein in den böhmischen   Ländern vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert Güter, Rechte, Verwaltung 
Band 5 der Veröffentlichungen der gemeinsamen Liechtensteinisch-Tschechischen Histo- rikerkommission vereinigt die Ergebnisse von zwei von der Kommission in Auftrag gege- benen Forschungsprojekten. Es geht dabei um zentrale Themen der Geschichte des Hauses Liechtenstein in den böhmischen Ländern, erstmals umfassend dargestellt: Besitzungen, Rechte, Verwaltung. Christoph Maria 
Merki  folgt detailliert der Besitzgeschichte des Hauses Liechtenstein in den böhmischen Ländern. Sie begann im Jahre 1248 mit dem Erwerb von Nikolsburg/Mikulov. Von da an agierten die Liechtenstein als grenzüberschreitende Dynastie im Bereich Öster- reich und Mähren, wachsend an Gütern, Rechten, Einfluss und Rang, ab dem 17. Jahrhun- dert gefürstet, ab Anfang des 18. Jahrhundert zugleich das Fürstentum Liechtenstein regie- rend. Doch gingen Besitz und Rechte in der Tschechoslowakei im Zuge der Bodenreform der Zwischenkriegszeit zur Hälfte und infolge der Konfiskationen 1945 zur Gänze verloren. Josef 
Löffler stellt minutiös die Verwaltung der fürstlich-liechtensteinischen Besitzungen in den böhmischen Ländern von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu deren Ende 1948 dar. Die Besitzungen waren verstreut und vielfältig, die Rechte der Herrschaft ausgedehnt. Wirtschaftlichkeit, Finanzen, Kontrolle, zentrale und örtliche Befugnisse, Beschäftigte vom Beamten bis zur Magd und zum Taglöhner, alles war zu regeln und zu kontrollieren und immer wieder neu zu organisieren. Die Grenzen zwischen staatlichen, grundherrlichen und privaten Funktionen waren fliessend. Verwaltung war alltägliche 
Herrschaft.hL Das 
Haus 
Liechtenstein 
in 
den 
böhmischen 
 Ländern vom 
Mittelalter 
bis 
ins 
20. 
Jahrhundert 
  
Merki 
/ 
Löffler 
Band 
5 ISBN 978-3-906393-69-8
        

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