Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/13/
13 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
Thüring III. erworbenen Gütern und Rechten im Raum Bern gingen, da männliche Erben fehlten, Teile wieder verloren.21 Mit dem plötzlichen Tod von Mangold III. Ende 1385, der es wie sein Onkel Eberhard zum Abt der Reichenau und wie sein Onkel Heinrich zum Konstan- zer Bischof gebracht hatte, verloren sie die kirchlichen Machtpositionen. Das Vaduzer Erbe Diese Rückschläge schwächten die soziale und wirt- schaftliche Position der Brandiser jedoch nicht entschei- dend. Die ab 1375 belegten Brüder Wolfhart IV. und Ulrich Thüring, die Söhne von Wolfhart I. und Gräfin Agnes von Montfort-Feldkirch, die nach dem Tod Man- golds III. die einzigen legitimen männlichen Vertreter der Brandiser waren, verfügten jedenfalls über beträcht- liche finanzielle Mittel. Wie gross diese waren, zeigt etwa der Umstand, dass sie 1375 der Stadt Bern einen Kredit von 3500 Gulden gewähren konnten.22 Nach- dem die Brüder zunächst gemeinsam die väterliche Erbschaft übernommen hatten, nahmen sie eine Auftei- lung ihrer herrschaftlichen und sozialen Aufgaben vor.23 Wolfhart IV. ging eine standesgemässe Heirat ein (mit Gräfin Clementa von Thierstein) und konzentrierte sich auf die bernischen Besitzungen. Er trat 1376 ins Bürger- recht der Stadt Bern ein, das bereits sein Vater besessen hatte, und war mit einigem Erfolg darum bemüht, die ehemals weissenburgischen Herrschaften im Simmental, die nach dem Tod Mangolds III. an Seitenverwandte ge- gangen waren, zurückzugewinnen.24 Ulrich Thüring, der unverheiratet blieb, hielt sich oft im Raum Bodensee auf, wo ihm die Burg und Herrschaft Küssaburg im Klettgau, ein bischöflich-konstanzisches Pfand, als zeitweiliger Herrschaftsmittelpunkt diente. Ab 1389 ist er als öster- reichischer Rat belegt, 1407/08 als Mitglied der Gesell- schaft vom St. Jörgenschild, einem politisch-militärischen Bündnis des schwäbischen Adels.25 Zu einer – allerdings sehr engen – Zusammenarbeit der Brüder kam es einzig beim Aufbau eines neuen Herrschaftsschwerpunkts im Alpenrheintal. Da die Fest- setzung der Brandiser im Alpenrheintal bisher erst in den Grundzügen bekannt war, zudem bis heute Anga- ben kursieren, die auf unbewiesene Vermutungen der älteren Literatur zurückgehen, ist das dynamische und 
zielstrebige Vorgehen der Brandiser im Folgenden etwas ausführlicher darzustellen. Ausgangspunkt waren die Verwandtschaftsbeziehun- gen zu den Grafen von Werdenberg-Sargans-Vaduz. Wolfhart IV. und Ulrich Thüring waren, da ihre Mutter Agnes von Montfort-Feldkirch in erster Ehe mit dem 1354 verstorbenen Graf Hartmann III. von Werdenberg- Sargans zu Vaduz verheiratet gewesen war, Halbbrü- der von dessen drei Söhnen Rudolf, Heinrich V. und Hartmann IV., den letzten Grafen von Werdenberg-Sar- gans-Vaduz. Rudolf, der älteste der drei Werdenberger Brüder, verstarb 1367 auf Rhodos. Hartmann IV., der jüngste, wurde zu einer geistlichen Laufbahn bestimmt und trat 1360 in den Johanniterorden ein. Das väterli- che Erbe ging an Heinrich V. von Werdenberg-Sargans- 11  FRB 6, Nr. 341 (1. Februar 1337). 12  FRB 7, Nr. 501 (8. Januar 1350), Nr. 565 (29. November 1350), Nr. 702 (15. Oktober 1352), Nr. 718 (14. Januar 1353); FRB 8, Nr. 2 (12. März 1353), Nr. 46 (20. August 1353), Nr. 47 (21. August 1353). 13  FRB 9, Nr. 254 (13. Dezember 1368), Nr. 369 (10. Januar 1370). 14  Zu Eberhard vgl. Kreutzer, Glanz, S. 268–283, 362–365. Zu Hein- rich II. vgl. HS I/2, S. 316–321; HS III/1, S. 362 f. 15  Lutz, Spiritualis fornicatio, S. 39–47. 16  Zu Mangold III. vgl. Kreutzer, Glanz, S. 288–294, 365–374; HS I/2, S. 327–329. 17  Suppliken: Rieder, Quellen, S. 47 f., Nr. 188–200 (16. Juli 1357). Verpfändung Zehntquarten: TUB 5, Nr. 2353 (8. Februar 1358). Zu weiteren Verpfändungen und Schenkungen vgl. Schell, Regie- rung, v. a. S. 134 f., 152 f., 161. 18  TUB 6, Nachtrag Nr. 164 (23. August 1363). Vgl. Schell, Regierung, S. 141–154; Kreutzer, Glanz, S. 368. 19  Kreutzer, Glanz, S. 197 f., 367. 20  Schell, Regierung, S. 162–178. Zu Mangold II. vgl. HS IV/7, S. 575, 678, 719 f., 774, 797 f. Zu Werner II. vgl. HS IV/7, S. 575, 605 f., 720, 774, 796 f., 807. 21  Kreutzer, Glanz, S. 372 f. 22  FRB 9, Nr. 984 (1. Dezember 1375). Vgl. auch FRB 9, Nr. 1241 (7. Juni 1378), Nr. 1268 (4. Oktober 1378); FRB 10, Nr. 407 (20. Dezember 1382), Nr. 640 (16. März 1385). 23  Zu «herrschaftlichen Arbeitsteilungen» vgl. Christ, Kooperation, S. 535–540. 24  Bernisches Bürgerrecht: RQBE II/8, Nr. 20a (1. Februar 1376). Besitzungen im Simmental: RQBE I/4.1, Nr. 154c, Bemerkung (25. Mai 1391); StABE, Fach Niedersimmental, Urk. vom 24. No- vember 1396, 10. November 1398, 31. Juli 1412. 25  Küssaberg: Vgl. z.B. RsQ I/1, Nr. 1278 U (14. August 1380); URStAZH 3, Nr. 4014 (18. Februar 1393 – nicht 1398!); FUB 6, S. 19, Nr. 9/2 (22. April 1396); RsQ I/2, Nr. 1713 B (o.D., verm. 22. Juni 1402). Österreichischer Rat: Vgl. z.B. URStAZH 3, Nr. 3329, Nr. 3331 (9. August 1389); Thommen, Urkunden 2, Nr. 314 (9. August 1393), Nr. 323 (4. Dezember 1393); TUB 8, Nr. 4556 (11. April 1398); UB Baden 1, Nr. 270 (5. Februar 1404). St. Jörgen- schild: Kruse/Paravicini/Ranft, Ritterorden, S. 202–217.
        

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