Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/129/
132Rezensionen 
Mitglieder des Fürstenhauses sowie mindestens 30 wei- tere Liechtensteiner/innen. Exemplarisch genannt seien hier zwei weniger be- kannte Beispiele: Gerty (Gertrud) Hartmann, geborene Hilbert (1921–1994) hatte den Vaduzer Diplomforst- wart Julius Hartmann geheiratet. Ihr Vater war in der Tschechoslowakei Inhaber einer Glasperlenfabrik. 1945 verlor Gerty Hartmann ihren hälftigen Besitzanteil an dieser Fabrik. Adolf Risch (1888–1973) aus Vaduz be- trieb im slowakischen Pistyan eine Holz- und Kohlen- handlung. Er verlor diese 1945, zusätzlich Schuppen, Pferdestall und Kanzleiräume. Mit seiner Familie kehrte Adolf Risch im Herbst des Jahres 1945 nach Vaduz zu- rück. Die meisten enteigneten Gebiete und Liegenschaften befinden sich in Mähren, im östlichen Teil der heutigen Tschechischen Republik, einige aber auch in Böhmen, vereinzelte zudem in der heutigen Slowakei (vgl. Titel- bild zum hier besprochenen Buch). Peter Geiger verweist in seinem Beitrag auf ein For- schungsdesiderat, und zwar auf die Frage, was aus dem enteigneten Besitz wurde. Eine solche detaillierte For- schung wäre erst noch zu leisten. Am Schluss seines Aufsatzes stellt Peter Geiger fünf Thesen auf, weshalb es seiner Meinung nach während sieben Jahrzehnten zu keiner befriedigenden Lösung für die Enteigneten ge- kommen 
ist. Die Königswarter aus Böhmen,   in Liechtenstein eingebürgert Jan Županič befasst sich in seinem zweiten Beitrag mit der Familiengeschichte des jüdischen Geschlechts der Königswarter, die im 19. Jahrhundert zu bedeutenden Financiers aufstiegen. Zuerst ihm westböhmischen Kö- nigswart und dann in Fürth bei Nürnberg ansässig, liess sich ein Mitglied der dritten Generation in Wien nieder. Die Familie gründete in Wien eine eigene Bank. Jonas Markus Königswarter wurde 1838 Zensor und 1850 Di- rektor der Österreichischen Nationalbank. Zudem war er ein führendes Mitglied der jüdischen Gemeinde Wiens. Vom österreichischen Kaiser Franz Joseph wurde Kö- nigswarter 1860 nobilitiert. Die Familie und ihre Nachkommen hatten umfangrei- chen Besitz in Böhmen, der indes bereits mit der Boden- 
wahrten Teilbestand des Fürstlich-Liechtensteinischen Hausarchivs. Er erwähnt ebenfalls das Engagement von Gustav Wilhelm, der 1944 Teile dieses Hausarchivs vom Gartenpalais in der Rossau nach Maria Enzersdorf ver- lagerte. Die Bestände kamen dort in die Burg Liechten- stein. Anders als zum Beispiel Archivalien aus Feldsberg und Eisgrub konnten diese Bestände bei Kriegsende nicht mehr nach Vaduz transportiert werden. 1993 lokalisierte Professor Norman Stone von der Universität Oxford diesen Bestand in Moskau. Die dar- aufhin von Evelin Oberhammer (Leiterin des liechten- steinischen Hausarchivs in Wien) sowie Alois Ospelt (Leiter des Liechtensteinischen Landesarchivs in Vaduz) in Moskau vorgenommene Sichtung dieser Dokumente bestätigte, dass es sich hier um den ersten Teil der Herr- schaftsarchivalien des Hausarchivs handelte. Der zweite Teil war in Wien geblieben. Fürst Hans-Adam II. ersteigerte 1993 und 1994 beim Aktionshaus Sotheby’s in London das sogenannte Soko- lov-Archiv. Der russische Richter Nikolai Alexejewitsch Sokolov hatte darin unter anderem dokumentiert, wie die Familie des letzten russischen Zaren Nikolaus II. im Juli 1918 von den Sowjets ermordet wurde. Mit dieser Archiv-Erwerbung schuf sich der Fürst von Liechtenstein eine gute Ausgangsposition, um mit dem russischen Staat 1996 eine Vereinbarung zum Tausch der zwei Ar- chivbestände abschliessen zu können. Russland erhielt das Sokolov-Archiv, Liechtenstein die in Moskau einge- lagerten Bestände des Fürstlichen Hausarchivs. Die zurückerhaltenen Bestände beinhalten wichtige Quellen zur Geschichte von (ehemaligen) fürstlich-liech- tensteinischen Herrschaften und Gütern in Mähren. Dar- über hinaus findet sich in diesen Akten reiches Quellen- material zur Vorgeschichte und Geschichte des Landes Liechtenstein vom 17. bis ins 19. Jahrhundert, so auch das liechtensteinische Exemplar des mittlerweile edier- ten Schellenberger Kaufvertrags vom 18. Januar 
1699. In der Tschechoslowakei enteignete  Liechtensteiner Bürger Peter Geiger nimmt in seinem zweiten Beitrag die in der Tschechoslowakei 1945 enteigneten liechtensteinischen Staatsangehörigen unter die Lupe. Die Gruppe der Ge- schädigten umfasst Fürst Franz Josef II., sieben zusätzliche
        

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