Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/124/
127 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
Der Fürst von Liechtenstein: Vom Grundherrn zum Privatbankier Die Liechtenstein gehören zu den wenigen Adelsfami- lien, die auch 200 Jahre nach der Französischen Revo- lution noch vermögend und einflussreich sind. Das Ver- mögen von Fürst Hans-Adam II. wurde 2012 im Wirt- schaftsmagazin «Bilanz» auf sieben bis acht Milliarden Franken geschätzt. Christoph Maria Merki schildert in seinem Beitrag die Vermögensgeschichte des Hauses Liechtenstein. Dieses Vermögen erlebte im 20. Jahrhun- dert «ein heftiges Auf und Ab beziehungsweise Ab und Auf» (S. 13). In 1920er- und 1930er-Jahren verlor die Fa- milie in der Tschechoslowakei Güter im Umfang von 915 Quadratkilometern; nach 1945 wurden die verbliebe- nen 650 Quadratkilometer enteignet. Die Liechtenstein konnten jedoch in «ihrem» Fürstentum am Alpenrhein eine neue Aufnahme finden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden aus den einstigen Grossgrund- besitzern schliesslich erfolgreiche Privatbankiers (S. 14). Loyal zum katholischen Herrscherhaus der Habsbur- ger stehend, hatten die Liechtenstein ihren Grundbesitz zwischen 1590 und 1710 verzehnfachen können; dieser Bodenbesitz befand sich mehrheitlich in Mähren; die Liechtenstein gehörten fortan zu den grössten Waldbe- sitzern Europas, doch sie versäumten es im 19. Jahrhun- dert offenbar, in zukunftsträchtigere Branchen wie die Zuckerindustrie oder den Eisenbahnbau zu investieren (S. 15). Die Fürsten Johann II. (1840–1929) und Franz I. (1853–1938) hingen jedoch stark an den Besitzungen in Mähren und fühlten sich auch nach 1918 der unterge- gangenen Donaumonarchie emotional nahe. Erst mit den Enteignungen nach 1945 endeten «mit einem obrigkeitli- chen Federstrich . . . sieben Jahrhunderte mährisch-liech- tensteinischer Geschichte» (S. 19). Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bemühte sich das Fürstenhaus um einen Transfer des Familienver- mögens von der Tschechoslowakei nach Liechtenstein. Diese Vermögenswerte wurden ab 1924 zunehmend in den «wertstabilen Frankenraum» gebracht (S. 19). 1929 wurde mit dem fürstlich-liechtensteinischen Familien- fonds eine Stiftung nach liechtensteinischem Recht ge- schaffen, die den Finanztransfer erleichterte. Die Liech- tenstein übernahmen 1930 die 1921 gegründete Bank in Liechtenstein (BiL, heute LGT), die fortan (auch) dazu diente, das Vermögen der Fürstenfamilie zu verwalten. 
1944 und 1945 gelang schliesslich der Transfer der fürst- lichen Gemäldesammlung nach Vaduz. Im Fürstentum am Alpenrhein engagierte sich das Fürstenhaus fortan für die wirtschaftliche Modernisierung des Landes, «dies auch in ihrem eigenen, wohlverstandenen Interesse» (S. 21). Erbprinz Hans-Adam sei es schliesslich ab 1970 gelungen, das Vermögen des Fürstenhauses dauerhaft zu sichern. «Die Sehnsucht nach Deinem Geld   ist  unermesslich …» Rupert Quaderer belegt in seinem Beitrag, wie das Fürstenhaus für das Land Liechtenstein ein finanzieller Nothelfer war, gerade in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Die Staatsfinanzen Liechtensteins, 1914 noch solide, gerieten im Laufe des Ersten Weltkriegs in eine Schieflage; allein die Zolleinnahmen gingen 1916 um 40 Prozent zurück. Eine starke Belastung war die Beschaf- fung von Lebensmitteln für die Bevölkerung; Lebens- mittel aus der Schweiz mussten in Schweizer Franken bezahlt werden; Liechtenstein nahm zu diesem Zweck bei der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich 1915 erstmals ein Darlehen auf; entsprechende Darlehens- schulden stiegen bis 1919 auf 413 638 Franken (S. 27). Landesverweser Prinz Karl ersuchte im November 1919 den Fürsten um «dringendste Übermittlung» von 25 000 Franken, um für Bedürftige im Land Lebensmittel be- schaffen zu können. Die offiziell noch geltende Krone hatte ihren Wert grösstenteils verloren, was sich eben- falls negativ auf die Staatsfinanzen auswirkte. Mehrere Versuche, neue Einnahmen zu erschliessen, scheiterten; man hoffte vergeblich auf Gewinne im Brief- markengeschäft, in einem Lotterieunternehmen oder ei- nem geplanten Spielkasino; alle diese Wege waren «Irr- wege und Sackgassen»; der Fürst war gegen die Errich- tung eines Spielcasinos in Liechtenstein, weil – so Prinz Karl – die Menschen im Land «gerne tugendhaft bleiben und wenig Steuern bezahlen wollen» (S. 29). Das Fürs- tenhaus erzielte im Januar 1920 mit der Veräusserung von Familienschmuck einen grossen Erlös; damit wurde die mittlerweile 550 000 Franken betragende Schuld des Landes bei der Kreditanstalt in Zürich beglichen. Das Fürstenhaus griff Liechtenstein nicht zuletzt auch des- halb unter die Arme, um so Einfluss auf die politische
        

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