Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/119/
122Rezensionen 
tenstein in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Am Beispiel der Feldsberger Pfarr- und Schlosskirche Ma- ria Himmelfahrt macht der Verfasser deutlich, dass die Liechtenstein als Bauherren «über die aktuellen Architek- turtrends informiert und für innovative Lösungen offen waren» (S. 275–294). Nach der Erläuterung der Bauge- schichte, die 1629 mit der Beauftragung des Architekten Giovanni Giacomo Tencalla durch Fürst Maximilian von Liechtenstein beginnt und mit der Weihe am 21. Juni 1671 unter Karl Eusebius von Liechtenstein endet, widmet sich Fidler der Bedeutung der Kirche und ihrer Stellung in- nerhalb der Entwicklungsgeschichte der mitteleuropäi- schen Sakralarchitektur der frühen Neuzeit. Die mächtige Doppelturmfassade stellt durch die plastische Durchge- staltung mit ihrem Mittelrisalit einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung der mitteleuropäischen Sakralarchi- tektur dar. Die 1638 eingestürzte Tambourkuppel sollte die erste kühne Konstruktion dieser Art in den Ländern der Donaumonarchie werden. «Das Raumkonzept einer Saalkirche mit Seitenkapellen und einer Vierung, mit ei- ner geplanten, wenn auch letztendlich nicht realisierten Tambourkuppel bedeutet einen Bruch mit der Tradition des schlichten nachtridentinischen Kirchensaals, wie sie die Wiener Jesuiten- bzw. Paulanerkirche zeigen.» (S. 294) 15. Die Kirchenlandschaft in den Spuren der Liechtenstein ist heute voll von kleinen, bescheidenen und konventi- onellen Landkirchen, denen sich Johann Kräftner in sei- nem Beitrag über den Wiener Architekten Joseph Hard- tmuth und die Landbaukunst der Liechtenstein an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert widmet (S. 295–313). Kräftner geht in der Gewichtung und Einordnung von Hardtmuths Bauten über Gustav Wilhelm hinaus, der das Gesamtwerk des Architekten in einer bisher einzigen Mo- nografie gewürdigt hat. Mit der Ernennung zum Fürstli- chen Baudirektor im Jahr 1805 hatte sich Hardtmuth auch um kleine Bauführungen zu kümmern, die auf den Fürst- lichen Besitzungen in Böhmen, Mähren und Niederös- terreich errichtet wurden. Unter seiner Ägide entstanden beispielsweise Entwürfe für Neubau- oder Umbauten der Pfarrkirchen in Rudelsdorf, Böhmisch Trübau und Mi- chelsdorf. Kräftner beleuchtet die Situation des Kirchen- baus in der Monarchie im letzten Viertel des 18. Jahrhun- derts und den folgenden Jahren des neuen Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts. Mit den Reformen Kaiser Josefs II. wurde nicht mehr der von Pracht geprägte Raum, son- 
umsleiter Edmund Wilhelm Braun fügte den Exponaten zur Stadt- und Landesgeschichte zielgerichtet «Liechten- steiniana» hinzu. Die historischen, kulturgeschichtlichen und kunsthistorischen Aspekte des Wirkens der Liech- tenstein wurden besonders im Zusammenhang mit den Vorbereitungen der liechtensteinischen Jubiläumsaus- stellung im Jahr 1914 zum attraktiven Forschungsthema, dem sich deutsche und tschechische Regionalhistoriker widmeten. Nach Neuausrichtungen von Forschung und Ausstellungsinhalten nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und besonders nach 1945 konnte erst das heutige Schlesische Landesmuseum wieder programma- tisch zur Thematik der Liechtenstein, zu deren Wirken in diesem Land und zu Geschichte und Traditionen der Kulturlandschaft Schlesien zurückkehren. 13. 
Zuzana Všetečková befasst sich mit den Wandmale- reien im Adlerturm in Trient und stellt sie in den Kon- text zur Malerei in den böhmischen Ländern an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert (S. 247–273). Der 1390/91 zum Bischof von Trient gewählte Georg II. (III.) von Liechtenstein hatte bei Amtsantritt das bischöfliche Castello Buonconsiglio umbauen und erweitern, in den Jahren 1406–1407 den Saal im Adlerturm mit Wandmale- reien ausschmücken lassen. Die Autorin ist Kennerin der Wandmalereien in Böhmen und Mähren, über die sie 1977 ihre Dissertation an der Karls-Universität in Prag verfasst hat. Sie überschreitet als einzige den von den anderen Autoren eingehaltenen geografischen Rahmen des heutigen tschechischen Gebiets, liefert ein Blick über den Tellerrand, wie man ihn sich zumindest ansatzweise besonders für den tschechischen Leser auch für einige Beispiele auf dem Gebiet des Fürstentums Liechtenstein gewünscht hätte. Všetečková widmet sich ausführlich der Beschreibung der Malereien, in denen die Arbeit der Landbevölkerung sowie der höfischen und ritterlichen Kultur des Adels im Jahreszyklus der zwölf Monate des Jahres versinnbildlicht werden. Als Schöpfer der Monats- bilder wird ein Maler Wenzel gesehen. Die Forschung unterscheidet mehrere Namen, die den Namen tragen. Die Autorin benennt typologische und stilistische Vorla- gen und Analogien, die in Böhmen und Mähren sowie in Norditalien und Frankreich anzusiedeln sind. 14. 
Petr Fidler, Kenner der Architektur des Seicento, fo- kussiert die Zeit des steilen Aufstiegs des Hauses Liech-
        

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