Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/11/
11 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
der Geschichte der Freiherren von Brandis gehen (die jedoch zweifellos lohnenswert wäre!). Im Folgenden soll vielmehr die Familien- und Herrschaftsgeschichte der Brandiser vom späten 14. Jahrhundert bis ins frühe 16. Jahrhundert untersucht werden. Im Zentrum der im Wesentlichen chronologisch aufgebauten Ausführungen stehen die Erwerbungen der Brandiser im Alpenrheintal, ihr lange Zeit erfolgreiches Lavieren zwischen den grös- seren Mächten, das es ihnen erlaubte, sich in einem po- litisch heftig umkämpften Gebiet zu halten, sowie die fa- miliären Strategien, die eine Zersplitterung des Besitzes verhindern sollten, jedoch schliesslich dazu führten, dass die Brandiser in der männlichen Linie ausstarben. Zu- nächst ist jedoch kurz auf den beachtlichen Aufstieg ein- zugehen, der diesem ursprünglich mässig bedeutenden Adelsgeschlecht im 14. Jahrhundert 
glückte. Herkommen Erster in den Quellen belegter Vertreter der Freiherren von Brandis ist der von 1239 bis 1257 nachweisbare Kon- rad I. Als Freiherr, in den Quellen als «vriie» beziehungs- weise «liber» («Freier») bezeichnet, zählte Konrad I. zum Hochadel. Der Besitz, über welchen die Brandiser im 13. Jahrhundert verfügten, war, soweit sich dies auf- grund der Quellenlage überhaupt beurteilen lässt, recht bescheiden. Zentrum der hauptsächlich im oberen und mittleren Emmental gelegenen Besitzungen war die 1250 erstmals in den Schriftquellen genannte Burg Brandis oberhalb von Lützelflüh. Die Lage des Besitzes sowie der Umstand, dass die Brandiser die Kastvogtei (die Schutz- aufsicht) über das Kloster Trub im oberen Emmental besassen, gibt zur Vermutung Anlass, dass ein direkter Zusammenhang zwischen ihnen und den Mitte des 12. Jahrhunderts belegten Freiherren von Lützelflüh besteht. Das Benediktinerkloster Trub war um 1125 von Thüring von Lützelflüh gestiftet worden, wobei er die Kastvogtei über das Kloster seiner Familie vorbehielt.6 Um 1300 scheinen sich die Freiherren von Brandis in erheblichen Schwierigkeiten befunden zu haben. Dass aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lediglich Be- sitzveräusserungen überliefert sind, hingegen keine Er- werbungen, deutet auf eine angespannte wirtschaftliche Situation.7 Zudem kamen die Brandiser durch den Aus- bau der habsburgischen Landesherrschaft und durch das 
Ausgreifen der Stadt Bern auf die Landschaft in Bedräng- nis.8 Die politischen Schwierigkeiten verstärkten sich, nachdem König Albrecht I. von Habsburg 1308 durch eine Gruppe von adligen Verschwörern bei Windisch ermordet worden war. Die Brandiser hatten sich offen- bar wie zahlreiche andere kleine Hochadelsgeschlechter der Region mit den Königsmördern, mit denen sie über verwandtschaftliche Beziehungen verbunden waren, solidarisiert. Die Grafen von Neu-Kyburg zogen Güter und Rechte der Brandiser an sich, mussten diese jedoch schliesslich den Habsburgern überlassen. 1313 entzog Herzog Leopold von Habsburg, der nach der Ermordung seines Vaters die Regentschaft in den habsburgischen Vorlanden übernommen hatte, Thüring II. von Brandis wegen der Schuld, «die beschach an unserm herren und unserm vattere kunig Albrecht seligen», das Lehen der Burg Spiez.9 
Diese Schwierigkeiten waren jedoch nur vorübergehender Art. Im Gegensatz zur grossen Mehr- heit ihrer hochadligen Standesgenossen gelang es den Brandisern, ihre Position im 14. Jahrhundert nicht nur zu wahren, sondern sogar ganz erheblich 
auszubauen.10 Aufstieg Von grosser Bedeutung für den Aufstieg der Brandiser war eine Reihe von geschickten Heiraten. Dank Hei- ratsverbindungen zu den Freiherren von Weissenburg 1  LUB I/3, Nr. 294. 2  LUB II. Auf der Webseite des Liechtensteinischen Urkunden- buchs (www.lub.li) findet sich auch eine umfassende Regesten- sammlung. 3  Vgl. Hlaváček/Hledíková, Originalurkunden, S. 138–140. 4  Bütler, Brandis (mit Stammtafel); Bütler, Genealogie. Eine konzise Darstellung des bisherigen Forschungsstandes bei Stievermann, Brandis. 5  Zu nennen ist insbesondere die Arbeit von Thomas Kreutzer (Kreutzer, Glanz), die ausführliche Biographien der Reichenauer Äbte Eberhard und Mangold III. bietet. Wiederholt das Interesse der Forschung fand auch der Konstanzer Bischof Heinrich II. Her- vorzuheben ist Schell, Regierung. 6  Bütler, Brandis, S. 1–13. Zu Trub vgl. HS III/1, S. 1564–1601. 7  FRB 2, Nr. 300 (28. Mai 1250), Nr. 415 (1256), Nr. 438 (1257); FRB 3, Nr. 301 (24. Juni 1280). 8  Zur bernischen Expansionspolitik vgl. Gerber, Gott, S. 377–402. 9  FRB 4, Nr. 537 (30. September 1313); Thommen, Urkunden 1, Nr. 218 (1. August 1313). 10  Zur Krise des Hochadels um 1300 vgl. Sablonier, Adel.
        

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