Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/106/
108 Kamber Peter: Fritz Rotters Jahre in Frankreich und sein Tod am 7. Oktober 1939 im elsässischen Colmar 
Als die Gebrüder Fritz und Alfred Rotter sowie die Frau des letzteren, Gertrud, geborene Leers, durch Geneh- migung von Fürst Franz am 24. Oktober 1931 «in den liechtensteinischen Staatsverband» aufgenommen wur- den,1 lagen in den Akten auch die Lebensläufe der bei- den Berliner Theaterdirektoren – nur wenige Zeilen lang. Darin erklärte Alfred Rotter, dass er sich nach dem Jura-Studium «der Theater- und Schriftstellerlaufbahn» zuwandte, und diesen Beruf «zur Zeit erfolgreich» aus- übe. Der jüngere Fritz Rotter setzte hinzu, «wie sein Bruder» habe er «Jurisprudenz» studiert, «wurde Refe- rendar und wandte sich dann der Bühnenlaufbahn zu» – «mit seinem Bruder» stehe er «an allererster Stelle» und «hatte als Theaterdirektor und Bühnenschriftsteller gros- sen Erfolg». Beide signierten mit ihrem Familiennamen 
Schaie – Rotter war ihr Künstlername, den sie seit Ende des Ersten Weltkriegs trugen. «Grösster Theaterkonzern Europas» Tatsächlich feierten sie zu der Zeit mit dem Komponisten Franz Lehár fast beispiellose Erfolge: Der Uraufführung des Singspiels «Friederike» über eine frühe Liebe Goe- thes – am 4. Oktober 1928 im Metropol-Theater, Berlin – folgte ein Jahr später, am 10. Oktober 1929 am selben Ort «Das Land des Lächelns». Aber auch mit anderen Komponisten hatten sie eine glückliche Hand, etwa mit Ralph Benatzky und Paul Abraham. Kurz vor der Einbür- gerung in Liechtenstein erwies sich «Die Dubarry» – über eine Königsgeliebte im Revolutionsterror, gespielt vom Operetten-Star Gitta Alpar – als weiterer Berliner Kassen- schlager. Der Komponist Theo Mackeben hatte die ältere Vorlage von Karl Millöcker («Madame Dubarry») moder- nisiert und die Uraufführung war am 14. August 1931. Die Rotters hatten in Berlin «den grössten Theater- konzern Europas» geführt, wie die Londoner «Times» am 6. April 1933 schrieb – einen Tag nach «jenem furcht- baren 5. April 1933», den das 2013 erschienene Buch von Hansjörg Quaderer und Hannes Binder dokumentiert.2 Fritz, Alfred und Gertrud Rotter, die seit dem Zusam- menbruch ihrer Bühnen im Januar 1933 in Liechtenstein lebten, fielen während der sogenannten Boykottwoche im Deutschen Reich – der antisemitischen Hetze gegen die jüdische Bevölkerung – vor dem noch geschlossenen Hotel auf Gaflei, oberhalb von Vaduz, einer Gruppe na- tionalsozialistisch gesinnter oder beeinflusster Entführer in die Hände, am 5. April 1933.3 Durch Gegenwehr, un- ter anderem mit Spazierstöcken, vermochten Alfred und Gertud Rotter sich zwar befreien, aber auf der Flucht talwärts stürzten sie in den Tod. Fritz Rotter warf sich aus dem Wagen eines der Mittäter, und entkam auf diese Weise. Die für die versuchte Entführung Verantwortli- chen wurden nach dem Grenzübertritt in Österreich ge- fasst. Die Nachricht von der Tragödie hatte sich schon am folgenden Tag in vielen Ländern verbreitet. Der Schrift- steller Joseph Roth bemerkte in einem Brief an seinen Freund Stefan Zweig am 6. April 
1933: « . . . unsere Bücher sind im Dritten Reich unmöglich. . . . Die Buchhändler werden uns ablehnen. Die SA Sturmtruppen 
Richard Tauber und Käthe Dorsch in Lehárs Operette «Friederike», dem ersten Grosserfolg der Gebrüder Rotter.
        

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