Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
113
Erscheinungsjahr:
2014
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_113/103/
105 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 113, 
2014 
vom Nationalrat in der Dezember-Session 1916 und vom Ständerat im März 1917 «abgeschrieben», das heisst als erledigt 
betrachtet.44 Späte Erkenntnis im Bundesrat Hätte das Projekt Landquart-Schaan bei anderen politi- schen und vor allem bei anderen personellen Konstel- lationen eine andere Wende genommen? Ausgerechnet der direkte Nachfolger im Post- und Eisenbahndeparte- ment, Bundesrat Ludwig Forrer, machte 1909 – nur ein Jahr nach Josef Zemps Rücktritt – in einem «Memorial zur künftigen Eisenbahnpolitik der Eidgenossenschaft» u. a. folgende interessante 
Bemerkung: «Eine engere Verbindung des Vorarlbergs und von Liechten- stein mit der Schweiz ist eisenbahnpolitisch von entscheidendem Vorteil für uns, indem dadurch das diesseits des Arlbergs gelegene Stück der Arlbergbahn in unsere Hand gelangen und das Projekt einer Bahn auf dem rechten Rheinufer von Landquart-Maienfeld flussabwärts eine ernsthafte Bedeutung erlangen 
würde.»45 Nachtrag Am 11. Januar 1908 erkundigte sich der Präsident der ständerätlichen Eisenbahnkommission und nachma- lige Bundesrat (1913–1919), Felix-Louis Calonder, beim Eisenbahndepartement über den Verbleib der Akten, welche vereinbarungsgemäss dem Präsidenten des Initi- ativkomitees, Kantonsrat Fridolin Simon in Ragaz, hätten zugestellt werden sollen. Was heute eine innenpolitische Affäre auslösen würde, versuchte man vor hundert Jahren zu verstecken, zu vertuschen und zu vergessen. Fridolin Simon der Be- sitzer des Grand-Hotels Quellenhof, erhielt zwar endlich die gewünschten Akten, allerdings fehlte das entschei- dende SBB-Gutachten, das wichtigste Element. Ständerat Calonder reagierte beim Eisenbahndepartement umge- hend: «Ich ersuche Sie höfl. mir sofort über den Verbleib dieses Gutachtens Aufschluss zu geben und mir dasselbe zuzusenden, falls es bei Ihnen ist».46 Das vermisste Pa- pier befinde sich voraussichtlich im Besitze eines der Kommissionsmitglieder, antwortete der Departement- Sekretär. Calonder liess nicht locker und forderte «die nötigen Recherchen über den Verbleib des Gutachtens 
anzustellen und mir so bald als möglich eine Kopie des Gutachtens zuzustellen».47 Nun erklärte Bundesrat Josef Zemp die Nachfor- schung zur Chefsache. Schriftlich wandte er sich mit Brief vom 11. März 1908 an alle Mitglieder der ständerätlichen Eisenbahnkommission. Calonder erhielt zwar bereits eine Woche später eine Kopie dieses SBB-Gutachtens zu- gestellt, die Affäre aber nahm staatspolitische Dimensi- onen an. Am 16. März 1908 teilte Departement-Sekretär Biedermann seinem Chef, Bundesrat Zemp, mit, «dass es Herr Präsident Weissenbach für ratsam hält, die Ver- nehmlassung der Gen. Dir. der SBB vom 17. September 1907 nicht für die eidg. Räte zu vervielfältigen, weil die Vernehmlassung in der Botschaft des Bundesrates vom 19. November 1907 in der Hauptsache enthalten ist, und nur diejenigen Stellen weggelassen oder abgeschwächt sind, welche bei der österreichischen Gesandtschaft oder den rhätischen Bahnen Anstoss hätten erregen können und die infolgedessen einen konfidentiellen Charakter tragen». Das Schreiben endet mit der Anmerkung: «Wir können uns dieser Ansicht anschliessen und werden von einer Drucklegung der Vernehmlassung absehen, wenn Sie nichts anderes verfügen».     Bundesrat Josef Zemp verfügte «nichts anderes». Bei «Herr Präsident Weissenbach» handelte sich nicht um den Nationalrats- oder Ständeratspräsidenten, sondern um den Generaldirektor der SBB. Und um welche «Stellen» geht es, die auf Weisung des Departement-Sekretärs weggelassen worden sind? – «Es liegt nicht der geringste Grund vor, anzunehmen, dass die Oesterreichischen Staatsbahnen die Situation nicht gründlich ausnützen würden.» – «Bei Taxgleichheit (RhB und ÖBB günstiger als SBB) wird der vom Ausland herkommende Reisende, der nach Ragaz, Landquart, Davos, St. Moritz etc. will, unzweifelhaft die direkten Wagen der Rhäti- schen Bahn benützen, welche Verwaltung solche Wagen wohl schon vor der Betriebseröffnung in 43  BA, E 53, Bd. 615 / 7827, Konzessionsgesuch, 26. April 1905. 44  BA, E 53, Bd. 615 / 7832, Akten des Eisenbahndepartements so- wie der Bundesverwaltung, diverse Schreiben, 1916 und 1917. 45  BA, E 1000 / 26 / Bd. 2, Bundesratsakten. 46  BA, E 53, Bd. 615 / 7832; Schreiben vom 2. März 1908. 47  BA, E 53, Bd. 615 / 7832; Schreiben vom 9. März 1908.
        

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