Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/96/
95 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 
2013auch 
andere Schicksale von Stiftungsgütern wurden im Jahrzeitbuch vermerkt. So wussten die Pfarrer von Eschen etwa, dass die Stiftung von Elsa Batliner keinen Ertrag mehr einbringen konnte. Das für ihre Jahrzeit belastete Gut hatte nördlich von Ruggell Richtung Bangs gelegen, wobei Ende des 16. Jahrhunderts ein Pfarrer die Bemer- kung anbrachte: 
«Dise vnderpfand hat der Rin hinweg.»115 Mit dem Stiftungsgut ging vielleicht auch das Anden- ken der Elsa Batliner unter. Nachdem ihre Stiftung kei- nen Zins mehr einbrachte, wurde wohl auch ihre Jahr- zeit nicht mehr gehalten.116 Zwischen 1650 und 1656 war Pater Karl Widmer aus dem Kloster Pfäfers Pfarrer beziehungsweise Vikar von Eschen.117 Er war ein tatkräftiger Mann, erfüllt vom Geist 
Die Umwandlung der Natural- in Geldabgaben verein- fachte die Leistungserbringung und berücksichtigte die damalige landwirtschaftliche Produktionsweise – die Dreifelderwirtschaft. War in einer Eschner Jahrzeitstif- tung beispielsweise ein Acker mit einer Weizenabgabe belegt worden, dann konnte dieser Zins nicht jedes Jahr aus dem Acker selber erwirtschaftet werden. Damit es in solchen Jahren zu keinen Unklarheiten kommen konnte, bestimmte Konrad Schegg in seiner Jahrzeit vom 27. März ausdrücklich, dass der versprochene Weizen auch in Brachjahren an den Pfarrer abzuliefern sei.111 
Der Wei- zen für die Jahrzeit musste in diesen Jahren also eigens zugekauft werden. Die Ablieferung von Geldzinsen war weniger aufwändig und liess den Eigentümern grössere Freiheiten bei der Bewirtschaftung ihrer Güter. Die Stiftungsgüter, die uns im Jahrzeitbuch von Eschen begegnen, liegen hauptsächlich im und um das Dorf Eschen herum, bisweilen aber auch weiter weg Richtung Mauren, Nendeln und Ruggell.112 Da die Güter in der Regel mit den zur jeweiligen Stiftungszeit aktu- ellen Besitzern und deren Anstössern identifiziert wur- den, konnte es im Laufe der Zeit zu Schwierigkeiten bei der Lokalisierung kommen, insbesondere wenn nicht noch ein Flurname zur Präzisierung beigegeben war. Im 17. Jahrhundert scheinen bereits zahlreiche Unklarheiten darüber bestanden zu haben, woher die Eschner Pfar- rer ihre Einkünfte aus den Jahrzeitstiftungen beziehen konnten. Aus den Bemerkungen, mit denen die Nachfol- ger von Pfarrer Ammann bestehende Einträge im Jahr- zeitbuch kommentierten, können wir schliessen, dass die Identifikation der Stiftungsgüter bisweilen Mühe be- reitete. Bei etlichen Einträgen findet sich die Notiz: 
«zu erfragen».113 Im Fall einer Hofstatt im Dorf Eschen, die immerhin fünf Schilling Pfennig jährlichen Zins abgeworfen hätte, konnte ein Pfarrer aus der Mitte des 17. Jahrhunderts nur noch mutmassen: 
«ob nit dz Poli Schuollers hauß sie?»114 Möglicherweise wollte dieser nichts von einer Verpflich- tung wissen, und da der Pfarrer die im Jahrzeitbuch noch eigens erwähnte Urkunde, die nähere Auskünfte hätte geben können, offenbar nicht mehr fand, blieb diese Stif- tung fraglich. Die Pfarrer von Eschen mussten also im ganzen Un- terland die Handänderungen von Grundstücken und Lie- genschaften mitverfolgen und dokumentieren, falls ein mit einem Jahrzeitzins belastetes Gut betroffen war. Aber 
100  «Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.» (2. Mose 20,12). 101 Schuler, Anniversar, S. 110. 102  «Item 
J�rg Wagner vnnd Anna Erhartin sin husfrow vnd Anna Wagnerin sin tochter vnnd jren 
schw�stren vnd 
br�der vnd alle die vss disem geschlecht verschaiden sind hond gelassenn durch jren sel hail willen v s. dn. alle jar vss ainem acker Lutzfeld gele- gen, [...] mit dem geding das ain kilchher zwo messa sol habenn vff ain tag mit ainem priester 
zů jm, ain gesungne vnd ain ge- sprochne von den selen, vnd vor den messa ain vigilg vnd nach den messa mit ainem placebo 
�ber das bainhuss; vnd welches jar das allso nit geschaech, wie obnen geschriben 
stǎt, so ist das selb gelt verfallen des selben jar sant Marti vnd sols ain kilchennmay- er jnziechenn.» LUB, I,2, S. 330. 103 LUB I,2, S. 346. Eintrag zum 14. August. 104 Ebenda, S. 332. Eintrag zum 5. Mai. 105 Vgl. dazu Othenin-Girard, Lebensweise, S. 110–120. 106 Schuler, Anniversar, S. 110. 107 Vgl. Pies, Löhne, S. 18; 24. 108 LUB I,2, S. 316. 109 Ebenda, S. 349. Eintrag zum 1. September. 110 Zum Beispiel LUB I,2, S. 332; 334 (neu angelegt S. 335). 111 
 «Cůnrat Schegg, remisit annuatim vnd ewenklich an sin iarzitt vnd siner vordren iarzitt j viertal waissen ab ainer halben juchart akers, haisset des Haiden Rain, aim lùtpriester; der aker sig in buw ald nit, so sond sy doch den zins richten.» LUB I,2, S. 325. 112  Vgl. dazu die entsprechenden Belege im Liechtensteiner Namen- buch. 113  Zum Beispiel LUB I,2, S. 328. Eintrag zum 16. April. Vgl. auch Abb. auf S. 88: «zuo fragen». 114  «... vnd die v s. d. gond ab ainer hofstatt gelegen 
zů Eschen jm dorff, stost vornen an die strass, 
zů der andren sitten an Lutzs fůigen, zu der dritten an min herren vnd Vrschla Nollinen, zu der vierden an Hanssen Orj vnd Hansen Marxers selgen erben, alles nach lutt vnd jnhalt aines besigleten brieffs, so ain pfarrer darumb jnhatt (?) Das andre ist [ - - ]. Surrexit, non est hic. NB. Ob nit dz Poli Schuollers hauß sie?» LUB I,2, S. 335. 115 Ebenda, S. 317. Eintrag zum 19. Februar. 116 Vgl. Lentze, Sterben, S. 43 f. 117 Näscher, Seelsorger, S. 41. Kapitel_2_Kuratli.indd   9511.06.13   15:45
        

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