Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/74/
73 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 201310 
 «Quasi fenus traiectitium facis. Hic das, ibi recipis: hic das res pe- rituras, ibi recipis res sine fine mansuras.» Augustinus, Sermones 10,42,2. 11  StiASG, Urk. FF4 B25. – Urkundenlandschaft Rätien, S. 254–257, Nr. 54. – LUB I,2, S. 55–59, Nr. 12. 12  Zur Ortskunde vgl. LUB I,2, S. 52–54. Alternative Ortsbestim- mungen bei Erhart, Königsbesitz, S. 105 f.: Alpe in Campo Mauri = Alp Kamor oberhalb Lienz SG; ad Roncalem = ‹Rüggela› zwischen Rankweil und Altenstadt. 13 LUB I,2, S. 59. 14 Vgl. Ariès, Geschichte, S. 128–141. 15 Gurjewitsch, Darstellung, S. 
93. 
guten Werke gingen im Himmel nicht vergessen. Beim göttlichen Gericht wurden sie gegen die schlechten Ta- ten – die Sünden – abgewogen. Der Erzengel Michael mit der Seelenwaage begegnet uns seit dem Hochmit- telalter auf zahlreichen bildlichen Darstellungen.14 
Diese oft sehr eindrücklichen Szenografien, wie sie uns etwa an den Portalen von mittelalterlichen Kathedralen be- gegnen «waren inspiriert durch die Apokalypse, das Matthäusevangelium und die Prophezeiungen Christi».15 Die Beschreibung des Weltgerichts nach Matthäus (Mt. 25,31–46) war einer der zentralen Texte, die über das Jenseits Auskunft 
gaben: «Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herr- lichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengeru- fen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. ... Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! ... Und sie werden wegge- hen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.» 
Seinen Einsatz leistete er mit vergänglichem Vermögen und erhielt ihn in Form von unvergänglichen Werten wieder zurück.10 In einer der ältesten schriftlichen Überlieferung, die möglicherweise das Gebiet des heutigen Fürstentums Liechtenstein betrifft, übertrugen die Priester Victor, Eberulf, Florentinus, Valerius und Orsicinus sowie zahl- reiche weitere (weltliche) Männer ihren gemeinsamen Besitz an der 
Alpe in Campo Mauri an die Kirche St. Sal- vator 
ad Roncalem.11 Franz Perret lokalisierte die 
Alpe in Campo Mauri auf dem Eschnerberg und die St. Salvator- Kirche bei Ruggell.12 Bei diesem Pergamentrodel aus dem letzten Viertel des 9. Jahrhunderts handelt es sich nach Perret um «die erste urkundliche Bezeugung einer liechtensteinischen, ja einer rätischen Alpgenossenschaft überhaupt».13 Offenbar löste sich diese damals gerade auf und die Alpgenossen waren übereingekommen, ihre Anteile geschlossen der St. Salvator-Kirche zu überge- ben. Jeder Teilhaber bestätigte seine Schenkung persön- lich und nannte auch die erwartete 
‹Gegenleistung›: «In Christi Namen. Ich, Priester Victor, gebe und schenke der Kirche St. Salvator die Alp, die in Campo Mauri genannt wird, soweit sie mir zugehört mit ihren Grenzen und zum Heile meiner Seele. In Christi Namen. Ich, Priester und Kanzler Eberulf, schenke der Kirche St. Salvator die Alp, die in Campo Mauri genannt wird und die mir zugehört zum Heile meiner Seele. In Christi Namen. Ich, Priester Florentius, schenke der Kirche St. Salvator zum Heile meiner Seele die Alp, die in 
Campo Mauri genannt wird, soweit sie mir zugehört.» Und mit ganz ähnlichen Worten übergaben auch die üb- rigen Männer ihren gemeinsamen Alpbesitz an die Kir- che St. Salvator. Keiner von ihnen versäumte es anzu- merken, dass die Schenkung 
pro remedium anime 
(für das Heil der Seele) erfolgt sei. Die Vorstellung, dass man mit guten Werken im Him- mel einen Vorrat für die Seele anlegen könne, sah man in der Bibel begründet. Bei Matthäus 19,21 heisst es: «Geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben.» Und Lukas 12,33 schreibt: «Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreissen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht ab- nimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst.» Die auf dieser Erde geleisteten Kapitel_2_Kuratli.indd   7311.06.13   15:44
        

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