Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/66/
65 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 
2013Diesem 
Antrag war ein weiterer Antrag vorausgegangen, in dem unter anderem Josef Mayer um einen Vergleich zwischen den Geschwistern Ursula und Stefan Schier- scher ersuchte. Letzterer war der Schwager von Josef Mayer. Dieser Antrag wurde jedoch im Hinblick auf den Geisteszustand der Ursula Schierscher abgewiesen.333 Vermutlich veranlasste dies Josef Mayer dazu, für Ursula Schierscher einen Vormund bestellen zu lassen. Die Vormünder Thomas Nägele aus Schaan, Anderle Konrad, Johannes Quaderer und Christian Beck bean- tragten im Namen ihrer Mündel, deren in der Grafschaft Vaduz liegende Güter stillzulegen, so lange diese in hol- ländischen Diensten standen.334 Damit sollte von Obrig- keitswegen verhindert werden, dass diese Grundstücke in Abwesenheit verkauft, geteilt oder anderweitig bela- stet werden konnten. Der in Triesenberg, Grafschaft Vaduz, wohnende Simon Pfeiffer in Triesenberg stellte den Antrag, sich für 20 Gulden das Bleiberecht in der Herrschaft Schel- lenberg zu erkaufen. Dem wurde stattgegeben und dem Antragsteller sollten beim nächsten Verhörtag die Pflichten eines Einwohners der Herrschaft Schellenberg erläutert werden.335 Knapp ein halbes Jahr später baten der inzwischen nach Gamprin gezügelte Simon Pfeiffer und Hans Ulrich Weinzierl um die Annahme als leibei- gene Untertanen der Herrschaft Schellenberg. Um voll- wertige Einwohner zu werden, mussten sie zu guter Letzt dem Landesherrn huldigen.336 
Dies hätte auch der Student Anton Nutt aus Balzers tun sollen, doch da er 
Des weiteren waren auch Informationen über Baumass- nahmen für die Einwohner wichtig. So gibt eine Bekannt- machung darüber Auskunft, dass mit Unterstützung des Amtsbaumeisters zu Feldkirch, Franz Anton Braun, ein neuer Brunnen am Eschnerberg gebohrt werden sollte und geplant war, teilweise neue Wasserleitungen zu ver- legen.328 Zu den spektakulärsten Berichten der Zeit zählen sol- che, die über Unglücke mit Todesfolge Auskunft geben. In einem Fall standen die beiden Fährleute Ulrich Hagmann und N.N. Schrammenhauser vor Gericht, weil sie durch Fahrlässigkeit ein Fährunglück auf dem Rhein verursacht haben sollen, bei dem es Tote zu beklagen gab.329 Ein weiteres Fährunglück mit Toten ereignete sich im Feb- ruar 1709. Einwohner aus Salez, welche auf dem Rück- weg vom Besuch einer heiligen Messe in der Herrschaft Schellenberg waren, ertranken dabei. Das Protokoll gibt detailgenau über die tragischen Ereignisse Auskunft. So ist zu erfahren, dass «Sontags dem 3. Currentis wegen starcken windes nit wohl uber Rhein zuefahren gewest.» Die Opfer starben in den eiskalten Fluten des Rheins, weil sie unter Eisschollen gespült wurden.330 In einem anderen tödlichen Unglücksfall war es der Fährmann zu Ruggell, welcher eine Leiche barg. Der Gampriner Jo- hannes Öhri war in den Rhein gefallen und ertrunken. Landammann Andreas Büchel, der den Bericht beim Verhörtag vortrug, konnte nur den Hut des Ertrunkenen an Land ziehen und musste dem Unglück vom Ufer aus tatenlos zusehen.331 Anträge Während es sich bei der Mehrzahl der Einträge in den Verhörtagsprotokollen um gerichtlich ausgetragene Streitfälle handelt, sind neben den Berichten und Be- kanntmachungen immer wieder auch Anträge zu finden, die wie die Streitfälle auch, in etwa thematisch zuge- ordnet werden können. Es handelte sich primär um die Bestellung von Vormündern, den Einkauf in die Land- schaft, Gesuche um Begnadigungen oder um die Bestäti- gung/Annullierung von Kaufverträgen. Josef Mayer aus Schaan beantragte für Ursula Schier- scher, die bei ihrem Bruder, Johannes Schierscher, lebte, einen Vormund, weil es sich bei Ursula Schierscher um «ein einfeltiges und halbgescheides Mensch» handele.332 
319 LI LA AS 1/4, Fol. 57v/2, 19. Oktober 1704. 320 LI LA AS 1/5, Fol. 193v, 7. Juli 1717. 321 LI LA AS 1/4, Fol. 60v/1, 22. März 1700. 322 LI LA AS 1/3, Fol. 56r, 18. Juni 1705. 323 LI LA AS 1/4, Fol. 194v, 15. Oktober 1705. 324 LI LA AS 1/4, Fol. 25r/2/1, 25. August 1699. 325 LI LA AS 1/4, Fol. 41v, 19. November 1699. 326 LI LA AS 1/4, Fol. 48v/2, 12. Januar 1700. 327  LI LA AS 1/4, Fol. 25v/2, 25. August 1699, auch Fol. 73v, 19. August 1700. 328 LI LA AS 1/4, Fol. 216v, 5. August 1706. 329 LI LA AS 1/4, Fol. 155v, 10. September 1704. 330 LI LA AS 1/4, Fol. 237v, 12. Februar 1709. 331 LI LA AS 1/4, Fol. 194, 10. Oktober 1705. 332 LI LA AS 1/3, Fol. 146r/2, 6. Februar 1708. 333 LI LA AS 1/3, Fol. 155v, 12. März 1708. 334 LI LA AS 1/3, Fol. 38r/1, 15. Januar 1705. 335 LI LA AS 1/4, Fol. 106r/2, 1. Februar 1702. 336 LI LA AS 1/4, Fol. 111r/3/1, 10. Juli 1702.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.