Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/52/
51 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 2013252 
LI LA AS 1/5, Fol. 230r, 25. Juni 1718. 253 LI LA AS 1/5, Fol. 236v/2, 9. Juli 1718. 254  Zumindest ist während des hier vorgestellten Zeitraums kein Urteil in diesem Fall überliefert. 255 LI LA, AS 1/4, Fol. 32r/4, 19. Oktober 1699. 256 LI LA AS 1/4, Fol. 98v, 22. November 1701. 257 LI LA AS 1/5, Fol. 125r, 5. Juli 1714. 258 LI LA AS 1/3, Fol. 79v, 19. November 1706. 259 LI LA AS 1/4, Fol. 134r, 26. Februar 1703. 260 LI LA AS 1/5, Fol. 140r/1, 14. März 1703. 261 LI LA AS 1/5, Fol. 191v/2, 19. Juni 1717. 262 LI LA AS 1/4, Fol. 211v, 20. März 1817. 263 LI LA AS 1/4, Fol. 227r, 19. August 1707. 264 LI LA AS 1/5, Fol. 131v, 28. November 1714. 265 LI LA AS 1/5, Fol. 190r, 19. Juni 1717. 266 LI LA AS 1/5, Fol. 190r, 19. Juni 1717. 267  Hans Moser: Jungfernkranz und Strohkranz. In: Konrad Köstlin und Kai Detlev Sievers (Hrsg.): Das Recht der kleinen Leute. Bei- träge zur rechtlichen Volkskunde. Festschrift für Karl-Sigismund Kramer zum 60. Geburtstag. Berlin, 1976, S. 140–163. 268  Siehe http://www.rechtslexikon.net/d/kranzgeld/kranzgeld.htm. Dieser im § 1300 des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches ver- ankerte Anspruch wurde erst 1998 abgeschafft. 269 LI LA AS 1/5, Fol. 51r/1, 4. Oktober 
1709. 
den. Nach der Constitutio Criminalis Carolina wäre es die Todesstrafe gewesen. Es war Brauch, dass Frauen, die bis zu ihrer Hoch- zeit keusch gelebt hatten, mit einem Jungfrauenkranz, welcher zumeist aus Myrten gebunden war, heirateten. Ein Strohkranz hingegen galt als Zeichen der Schande – alle Hochzeitsteilnehmer konnten sehen, dass die Braut zuvor unzüchtig gelebt hatte. Für Witwen gab es einen Orangenblütenkranz, welcher allerdings nicht negativ bewertet wurde.267 Aus diesen Bräuchen leitete sich auch das so genannte Kranzgeld ab: Dies war eine finanzielle Entschädigung, die eine Frau von ihrem Verlobten ein- fordern konnte, wenn er noch vor der Eheschliessung Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt hatte und die Verlo- bung löste, statt das Eheversprechen einzuhalten.268 Im frühen 18. Jahrhundert führten enge Wohnver- hältnisse offenbar in Versuchung. So begann Agatha Mayer aus Schaan ein uneheliches Verhältnis mit dem von ihrem Bruder beherbergten Flumser Schreiner Josef Nenzel.269 Auch die in Triesen wohnhafte Familie Dürr und die aus Triesenberg stammende Anna Maria Bühler, die als Magd bei Familie Dürr arbeitete, wurden eben- falls wegen unehelichen Beischlafs angeklagt: Johannes Dürr, der ein aussereheliches Verhältnis mit Anna Ma- ria Bühler hatte, musste drei Tage Strafarbeit verrichten, 
Öhris Tochter mit «menschen schutt» (Exkrementen) beworfen hatten. Diesmal wurden die Beklagten jedoch verurteilt, nämlich zu einer Geldstrafe von zusammen sechs Pfund Pfennig.263 
Die Protokolle lassen keinen Rückschluss zu, ob die beiden Taten in einem Zusam- menhang zu sehen sind; der Verdacht liegt jedoch 
nahe. Bruch von Eheversprechen, Ehebruch, vor- oder ausserehelicher Beischlaf Besonders bei Prozessen um Ehebruch und um vor- oder aussereheliche Verhältnisse scheint das Verhörtags- gremium recht individuell geurteilt und bestraft zu ha- ben. Auffallend ist auch, dass Männer, wenn überhaupt, dann meistens mit Geldstrafen belegt wurden, während Frauen fast immer Ehrenstrafen hinnehmen mussten. Der Schaaner Johannes Walser vertrat vor Gericht seine Mutter, Maria Wolf, die im Endeffekt für ihren Sohn gegen Margarethe Walser klagte. Die Beklagte hatte Johannes Walser beschimpft und verwünscht, weil die- ser das Eheversprechen gegenüber ihrer Tochter nicht eingehalten hatte. Das Verhörtagsgremium verwarnte Margarethe Walser lediglich und verurteilte Johannes Walser zu einer Strafzahlung von zehn Pfund Pfennig, weil er das Eheversprechen gebrochen hatte.264 
Auch die Triesnerin Anna Lampert klagte auf Bruch des Ehever- sprechens. Johann Schurti, ebenfalls aus Triesen, hatte sich mit Anna Lampert nicht nur verlobt, sondern sie auch geschwängert – oder wie das Verhörtagsproto- koll die Anklage umschreibt «in puncto promissionis Matrimonialis, deflorationis et impregnationis». Johann Schurti sollte Anna Lampert nun entweder heiraten «oder aber vor die defloration, impregnation, kindelbett, undt absaugung des kindts die in verweigerung der ehe gesprochene[n] achtzig gulden ...» bezahlen.265 
Im vorlie- genden Protokoll kann mit dem Ausdruck «Absaugung» keine Abtreibung gemeint sein, denn an späterer Stelle wird dem Kindsvater mitgeteilt, dass er nach dem ersten Geburtstag des Kindes selbiges «zu sich zu nehmmen, undt alß Vatter zu erziehen habe». Ein weiteres Indiz, weshalb es sich nicht um eine Abtreibung handelte, ist die Verurteilung von Anna Lampert: Sie musste eine Geldstrafe von sechs Pfund Pfennig bezahlen und zu- sätzlich mit einem Strohkranz auf dem Kopf vor der Kirche stehen.266 
Würde es sich bei der «Absaugung des Kindes» tatsächlich um einen Schwangerschaftsabbruch handeln, wäre die Mutter bei weitem härter bestraft wor-
        

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