Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/27/
26Platz Dorothee: «Bringt klagbahr vor und ahn 
…» 
trat.94 Offenbar war der Mandant jedoch mit seinem An- walt nicht zufrieden, denn Ivo Kranz focht weniger als zwei Monate später den im Erbschaftsstreit getroffenen Vergleich mit seinem neuen Anwalt, Johann Nägele, an.95 Auch der Eschner Gemeindevogt, Johannes Hasler, liess sich durch einen Anwalt vor Gericht vertreten.96 Der Jude Abraham Senti, der 1700 selbst als Fürsprecher vor Gericht auftrat,97 liess sich als Kläger in einem ande- ren Prozess selbst durch einen Fürsprecher vor Gericht vertreten.98 Offenbar handelte es sich bei dem Gerber Zacharias Aporti99 und beim Bäcker Jakob Seger100 um wohlhabendere Handwerker, so dass sie sich einen An- walt leisten konnten. Auch ehemalige Landammänner, wie Christoph Walser101 oder Georg Wolf,102 engagierten für ihre Klagen Anwälte. Bei den anderen Mandanten lassen sich mangels Amts- oder Berufsbezeichnungen keinerlei Rückschlüsse auf deren gesellschaftliche Hin- tergründe ableiten.Eine 
exakte thematische Zuordnung ist nicht immer möglich, da sich in vielen Fällen mehrere Straftatbestände miteinander vermengten und in ein und demselben Pro- zess abgehandelt wurden. Der Übersichtlichkeit halber bietet sich eine Unterteilung der Fallbeispiele in Straf- sachen, Zivilsachen, Berichte/Bekanntmachungen und Anträge an. Dieser Aufsatz kann keine allumfassende Darstellung aller in den Verhörtagsprotokollen behandelten Themen sein. Er soll nur einen groben Überblick ermöglichen und Anregungen für weitere historische Forschungen 
geben. Strafsachen Verstösse gegen das Weinausschankverbot   und gegen das Branntweingesetz Gegen das Weinausschankverbot wurde offenbar des öfteren verstossen. Vor allen Dingen an Kirchweihfesten nahm es mancher Wirt mit dem Schankverbot nicht so genau, wie beispielsweise Christian Beck in Triesen, des- sen Bestrafung allerdings nicht überliefert ist.103 Andreas Konrad musste für dasselbe Vergehen eine Strafzahlung in Höhe von vier Gulden leisten; noch während des Pro- zesses wurde er jedoch zu zwei Gulden und zwölf Kreu- zern begnadigt.104 Einer der wenigen Freisprüche über- haupt findet sich im Fall der Beklagten Christian Gassner und Franz Banzer, einem Wirt in Triesen. Die beiden Be- klagten kauften unrechtmässig Wein, schenkten ihn aber nicht aus, sondern gaben ihn weiter an Anton Banzer in Balzers, Vater von Franz Banzer, damit dieser seine Schulden begleichen konnte.105 Thomas Brunhart in Bal- zers kam ebenfalls glimpflich davon, als er wegen des Ausschanks ausländischer Weine zwar angeklagt, aber nicht verurteilt wurde – ihm wurde lediglich eine Strafe angedroht, sollte er nochmals gegen das Schankverbot für ausländische Weine verstossen.106 Auch das Schwarzbrennen mit gestohlenen Zutaten stand unter Strafe. So musste sich Matthias Meyer aus Mittelberg «im Tyrol» bei einem Verhörtag verantwor- ten, weil er auf der Alpe Valüna Enzianwurzeln ausgegra- ben und Branntwein aus ihnen hergestellt hatte. Wie der Bescheid ausdrücklich festhält, musste Matthias Meyer «seiner armuth undt kinder angesehen nuhr ein pfundt pfennig erlegen». Ausserdem durfte Matthias Meyer in Zukunft die Alpe Valüna nicht mehr betreten. Sollte er Fallbeispiele
        

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