Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/25/
24Platz Dorothee: «Bringt klagbahr vor und ahn 
…» 
in Schellenberg und Vaduz gängig gewesen zu sein, dass Amtsinhaber in einer Doppelfunktion auftreten konn- ten, wie die Tätigkeiten als Fürsprecher von noch in Amt und Würden stehenden Landammännern belegen.92 Fürsprecher traten bei den Verhörtagen für Frauen in 20 Fällen und für Männer in 41 Fällen auf. Frauen ver- suchten primär Geldforderungen durchzusetzen und an zweiter Stelle ihre Ansprüche auf Immobilien geltend zu machen, während es bei Männern, die vor Gericht durch einen Fürsprecher vertreten wurden, genau um- gekehrt war. Nur in wenigen Fällen lässt sich etwas zum gesellschaftlichen Hintergrund der vor Gericht vertre- tenen Mandanten feststellen, weil ausser den Namen nur selten Berufs- oder Amtsbezeichnung angegeben sind. Eine Ausnahme ist der Prozess von Johann Rudolf Willi, Landrichter in Feldkirch, der Ivo Kranz, den Schloss- fähnrich in Vaduz, 1692 in einem Erbschaftsstreit ver- 
1707 und 1718 in elf Fällen als Anwalt vor Gericht auf- trat.80 Seine Mandanten waren nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Gemeinden.81 Überhaupt liessen sich Ge- meinden in insgesamt 13 Prozessen durch einen Für- sprecher vor Gericht vertreten und die Obrigkeit in zwei Fällen. Ein weiterer Fürsprecher war der Geschworene Johannes Thöni, der beispielsweise in einem Fall die Gemeinde Triesen in einem Rechtsstreit um Gemeinde- teilungen vertrat82 und in einem anderen Fall die For- derungen nach ausstehenden Lohnzahlungen des Schuh- machers Michael Meyer aus Schaan erfolgreich durch- setzte.83 Auch andere Amtsträger sind als Anwälte nach- weisbar, wie verschiedene Landammänner,84 die Land- weibel Johann Baptist Hoop85 und Ferdinand Kranz,86 der Küster Christoph Willi,87 der Säckelmeister Mi- chael Marogg,88 Landesfähnrich Christian Banzer,89 der Eschner Pfarrer Johann Rudolf Utinger90 oder auch der Feldkircher Rat Franz Benedikt Zwickel91 um nur einige Beispiele zu nennen. Nach moderner rechtsstaatlicher Auffassung erscheint es unzulässig, dass ein Geschwore- ner bei Gericht gleichzeitig in seiner Amtsfunktion und als Fürsprecher auftreten kann; im frühen 18. Jahrhun- dert scheint es jedoch zumindest bei den Verhörtagen  12 
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Beleidigung, Beschimpfung, üble Nachrede, Verleumdung Gewaltdelikte Immobiliengeschäfte und Grenzstreitigkeiten Schuldenforderungen und nicht näher bestimmte Geldforderungen Diebstahl Sonstige Delikte Erbschaftsstreitigkeiten Widerstand gegen die Staatsgewalt Randale und Sachbeschädigung0 2 4 6 8 10 12 14 
Frauen klagten wegen folgender Delikte:80 
 Vgl. LI LA AS 1/3, Fol. 112v, 9. April 1707 (erster Fall) und LI LA AS 1/5, Fol. 221v/2, 21. November 1706 (letzter Fall). 81  So vertrat Thomas Walser die Bürger der Gemeinden Schaan und Vaduz im April 1707 in einem Streit um Gemeindeteilungen, LI LA AS 1/3, Fol. 112v, 9. April 1707.
        

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