Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/182/
181 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 
2013des 
Kippens und Wippens», mit weit reichenden sozia- len, wirtschaftlichen und politischen Folgen (S. 163). Mit der Zerrüttung des böhmischen Wirtschaftslebens habe es die Grundlagen für die erneuerte Landesordnung von 1627 geschaffen und damit «entscheidend auf den fürst- lich-absolutistischen Staatsbildungsprozess» in Böhmen eingewirkt (S. 
163). «... wird gerne verschwiegen, woher die wesentliche materielle Grundlage für das Werden und Wachsen des Hauses Liechtenstein kam»: Bemerkungen zu Leins’ Thesen aus liechtensteinischer Sicht Das Faktum und die Problematik des Münzkonsorti- ums sind spätestens seit Golo Manns 1971 erschienener populärer Wallenstein-Biographie4 einem breiteren Pu- blikum bekannt. Es ist jedoch Leins’ Verdienst, die Hin- tergründe, personellen Verbindungen, Geschäftsabläufe und Folgen erstmals in solcher Breite und Tiefe mono- graphisch dargestellt zu haben. Leins’ Arbeit bietet einen höchst interessanten, flüs- sig geschriebenen, lesenswerten Überblick über dieses wichtige Thema der Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Adels und des Kriegs im 17. Jahrhundert, besonders der Geschichte der Kriegsfinanzierung und des Kliente- lismus, aber auch ganz allgemein des Dreissigjährigen Kriegs. Für das liechtensteinische Publikum von beson- derem Interesse ist die enge Verstrickung Karls von Liechtenstein in diese Affäre, auch wenn sich diese rund achtzig Jahre vor dem Eintritt des Fürstenhauses in die liechtensteinische Landesgeschichte zugetragen hat. Unverkennbar ist Leins’ Buch von einer gewissen Empörung getragen, was einem jungen, engagierten Menschen auch gut ansteht. Andererseits würde man sich teilweise eine stärkere Berücksichtigung des Grund- 
Peter H. Wilson spielte das Münzkonsortium «a rela- tively small role in the overal crisis».3 Die Folgen des Konsortiums sollten aber nicht unter- schätzt werden: Entgegen der ursprünglich ins Auge ge- fassten Vertragsverlängerung wurde das Münzkonsor- tium im Frühjahr 1623 eingestellt und Kaiser Ferdinand II. ordnete die Rückkehr zum alten Reichsmünzfuss an. Im Dezember 1623 sah er sich gezwungen, eine «Abwertung des Umlaufgeldes um durchschnittlich 87 Prozent» vor- zunehmen und den Staatsbankrott zu erklären (S. 126): «Niemand aber wollte verantwortlich sein», besonders nicht der Kaiser, die Hofkammer und die Münzkonsor- ten (S. 127). 1623 von der Wiener Hofkammer gegen Karl von Liechtenstein eingeleitete Ermittlungen blieben ergeb- nislos, was auch mit der Involvierung höchster Kreise zusammenhängen dürfte. 1637, zehn Jahre nach Karls Tod, kam es unter Kaiser Ferdinand III. zu neuen Un- tersuchungen, die jedoch mit dem Problem zu kämpfen hatten, dass die wichtigsten Beweismittel (die Rech- nungsbücher) schon damals unauffindbar waren. So konnten gemäss Leins nur «haltlose» Beschuldigungen vorgebracht werden, was nicht verhinderte, dass von Karls Sohn Karl Eusebius (1611–1684) «abenteuerliche» 10,8 Millionen Gulden Schadenersatz gefordert wurden: Karl Eusebius sei der einzige belangbare Nachfahre eines Konsorten gewesen, weshalb «Karl von Liechtenstein … zum Drahtzieher und Hauptverantwortlichen des Kon- sortiums stigmatisiert und ... verunglimpft» worden sei (S. 140). 1655 verglich sich Karl Eusebius gegen Zahlung von einer Million Gulden mit der Hofkammer. Im Zuge eines erneuten «Liechtensteinprozesses» unter Kaiser Le- opold I. erhielt Karl Eusebius schliesslich 1665 gegen die nochmalige Zahlung mehrerer hunderttausend Gulden ein «General-Absolutorium». Hinter diesen späten Pro- zessen vermutet Leins den Widerstand der altfürstlichen Häuser gegen die vom Haus Liechtenstein angestrebte Aufnahme in den Reichsfürstenrat (S. 141). Insgesamt sieht Leins im Münzkonsortium «ein nie dage- wesenes und einmaliges frühkapitalistisches Projekt zur Kriegsfinanzierung, das bisher nicht gekannte und auch später nicht erreichte Dimensionen hatte» (S. 160), jedoch mehr und mehr «zum Mittel der massiven persönlichen Bereicherung einiger weniger Kriegsprofiteure» gewor- den sei (S. 164). Es markiere den «generellen Gipfelpunkt 
2  Leins stützt sich auf Hellmut Diwald, Josef Polišenský/Josef Koll- mann sowie Walter Görlitz (Leins, S. 107, Anm. 368). Einzig Peter Trawnicek stufe das Fragment, auf dem die Zahlen beruhen, als «unbrauchbar» ein (Leins, S. 98, Anm. 345). 3  Peter H. Wilson: Europe’s Tragedy. A History of the Thirty Years War. London, 2009, S. 797, zitiert nach Leins, S. 146, Anm. 537. 4  Golo Mann: Wallenstein. Sein Leben erzählt von Golo Mann. Frankfurt am Main, 1971; vgl. das Kapitel «Die großen Geschäfte», S. 189–215, besonders S. 195–202 («Die Falschmünzer»). Kapitel_7_Rezensionen.indd   18111.06.13   15:49
        

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