Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/180/
179 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 
2013Liechtenstein 
habe seine Stellung als böhmischer Statt- halter in diesem Sinn genutzt: durch die Ersetzung des Prager Münzmeisters mit Leuten de Wittes, durch den Erlass von Münzaus- und -einfuhrverboten, die Festle- gung der Preise für Berg-, Bruch- und Münzsilber, ein Ablieferungsgebot alter Münzen usw. Wie erwähnt, entsprach die vertraglich vereinbarte Prägung von 79 Gulden pro Mark Silber einer starken Reduktion des Feingewichts. Um neben der Pachtsumme und den Kosten für Transport, Münzprägung usw. ei- nen Privatgewinn zu erzielen, mussten die Konsorten, so Leins, die Münzmanipulation aber noch viel weiter treiben, zumal sie im Ankauf bis zu 85 Gulden pro Mark bezahlten: «Hier liegt der dringende Verdacht nahe, dass gezielt noch viel schlechter ausgemünzt wurde, als es die schriftlich fixierte Übereinkunft mit dem Kaiser ohnedies vorsah» (S. 103). Leins geht von einem Verhältnis von 110 Gulden bis 120 Gulden pro Mark Silber aus; de Witte selbst habe sogar von «unglaublichen 180 bis 200 Gulden pro Mark Silber» berichtet (S. 103 f.). Mit dem minimalen Silberfeingehalt übervorteilten die «Kipper und Wipper» einerseits den «Gemeinen Mann», der als Arbeitslohn oder als Erlös für verkaufte Waren nahezu wertloses Geld erhielt, andererseits seien die Beteiligten bereit ge- wesen, auch «den Kaiser bewusst durch Vertragsbruch zu hintergehen» (S. 
103). Geschäftsanteile, Umsätze, Gewinne Da die Rechnungsbücher des Münzkonsortiums grösstenteils verloren sind, ist die Einschätzung der erzielten Umsätze und Gewinne mit Unsicherheiten verbunden. Einzige Quelle ist ein fragmentarischer Ex- trakt aus den Rechnungsbüchern de Wittes. Demnach lieferte das Konsortium insgesamt 561’000 Mark Fein- silber (rund 140’000 Tonnen) an die Münzprägestellen ab und erzielte damit einen Umsatz von 42 Millionen Gulden und einen Reingewinn von 1,35 Millionen Gul- den. Knapp drei Viertel des Geschäftsvolumens entfielen auf De Witte, der für 403’000 Mark Silber 31 Millionen Gulden einnahm, aber nur einen Gewinn von 179’000 Gulden machte. Bassevi erzielte bei 145’000 Mark abge- liefertem Silber einen Erlös von 6,7 Millionen Gulden und einen Gewinn von 169’000 Gulden. Wallenstein, der für 5’000 Mark Silber 617’000 Gulden bezog, blieb ein Gewinn von 240’000 Gulden. Karl von Liechtenstein soll für nur gerade 797 Mark Silber rund 453’000 Gulden 
Gewinninteressen einer «Hofpartei frühkapitalistischer Kriegsfinanciers» (S. 66) um Eggenberg und Liechten- stein. Geschäftsgebahren und -dimensionen Die Geschäftsidee bestand darin, dem privaten Münz- konsortium die Kontrolle des gesamten Münzwesens Böhmens, Mährens und Niederösterreichs einzuräumen und ihm dadurch die Möglichkeit zu geben, den Silber- feingehalt durch die Beimischung von Kupfer weit unter den Nominalwert zu senken und Gewinne abzuschöpfen (Münzmanipulation). Da allein sechs Millionen Gulden als Pachtgeld an den Kaiser zu zahlen waren, musste die- ses Geschäft im grossen Massstab betrieben werden, um rentabel zu sein. Zur Beschaffung des benötigten Silbers wurde dem Konsortium deshalb neben dem Münzprä- gungsmonopol auch das exklusive Kaufrecht für Silber mitverpachtet. Alle «Consorten» waren vertraglich beauftragt, den gepachteten Prägestätten so viel Silber wie möglich zu- zuführen. Dieser Aufgabe widmeten sich besonders de Witte und Bassevi, die eigentlichen Geschäftsführer des Konsortiums: «Sie sorgten dafür, dass die benötigten Silbermengen in die Münzstätten kamen, indem sie das Rohmaterial in allerlei Formen von der Bevölkerung ge- gen minderwertige Münze aufkauften» (S. 84). Bassevi soll 145’000 Mark Feinsilber beschafft haben (rund 36 Tonnen), de Witte aber 403’000 Mark (über 100 Ton- nen). Möglich war dies, indem de Wittes Geschäftstätig- keit weit über Böhmen, Mähren und Niederösterreich hinausging und europäische Ausmasse annahm. Von Herkunft Niederländer, nutzte er für den Silberaufkauf ein kontinentales Netz an Geschäftsbeziehungen; seine Faktoren kauften das Edelmetall auf den wichtigen eu- ropäischen Handelsplätzen und schafften es in die böh- mischen Münzstätten. Dort wurde das Silber (Bruchsil- ber, Silbermünzen, Silbergegenstände) eingeschmolzen und unter Beimischung von Kupfer neu ausgemünzt. Insgesamt sollen innert eines Jahres rund vierzig Millio- nen Gulden neuer (schlechter) Münze  geprägt worden sein. Den adeligen und den der Hofkammer angehörenden Mitgliedern des Konsortiums fiel vor allem die Aufgabe zu, dem Unternehmen günstige Konditionen zu ver- schaffen und es nach aussen zu schützen und zu reprä- sentierten, gerade auch gegenüber dem Kaiser. Karl von Kapitel_7_Rezensionen.indd   17911.06.13   15:49
        

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