Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/174/
173 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 
2013pulistischen 
Partei, die mit klaren Differenzsemantiken breiten Zuspruch in der Schweizer Bevölkerung findet und die Überfremdung immer wieder aufs politische Parkett holt. Wie aber verlief dieser Prozess in Liechtenstein? Hier liegt vieles im Unklaren. Zwar existieren bereits recht- liche, migrationspolitische, statistische und historische Untersuchungen – jedoch in überschaubarer Anzahl. Somit setzt Martina Sochin D’Elia mit ihrer Dissertation an einem Punkt an, der bislang grösstenteils im Dunkeln lag und trägt somit ihren Teil zur Beleuchtung der liech- tensteinischen Nachkriegsgeschichte bei. Über drei Jahre widmete sie sich dabei am Liechtenstein-Institut der Ar- beit an der Dissertation bevor sie diese im Februar 2011 an der Philosophischen Fakultät der Universität Fribourg einreichen konnte. In der Arbeit verfolgt sie die zentralen Fragen ei- nerseits nach dem Zustandekommen und den Ausprä- gungen der Fremdheitskonstrukte, andererseits nach dem Umgang mit den Fremden. Hierfür wird die Mi- gration in drei Formen unterteilt: Heirats-, Arbeits- und Fluchtmigration. Von der Fremden zur Liechtensteinerin Bezüglich der 
Heiratsmigration wird insbesondere auf die Debatte um die Ein- beziehungsweise Ausgliederung in beziehungsweise aus dem Liechtensteiner Bürgerrecht von heiratenden Frauen eingegangen. Während Liech- tensteiner Frauen, die einen Ausländer heirateten, ihr Bürgerrecht verloren, wurden ausländische Frauen, die einen Liechtensteiner heirateten, in ebendieses aufge- nommen. Die ausgebürgerten Frauen und deren somit ebenfalls ausländische Nachfahren fanden dabei über die wahrgenommene Bedrohung von Arbeitsplätzen Eingang in die Überfremdungsdebatte. Die existierende Ungleichbehandlung spiegelte sich jedoch nicht nur auf dem Papier wider. So hatten diese Frauen mitsamt Fami- lien über das ans Bürgerrecht geknüpfte Aufenthaltsrecht mit einer indirekten Ausweisung zu rechnen. Das da- mals vorherrschende patriarchale, über die Staatsbürger- schaft definierte Verständnis des Fremden wandelte sich jedoch im Kontext des in den 1970er- und 1980er-Jahren diskutierten Frauenstimmrechts. Bei diesem wurde der befürchtete Einfluss der eingeheirateten Frauen als Be- 
Die Thematik der Überfremdung ist allgegenwärtig. Seit Jahrzehnten kommen Debatten um das Fremde, zumeist Migranten betreffend, auf und ebben wieder ab. Die Cha- rakteristika der Debatten blieben ähnlich, das Fremde hingegen änderte sich. 1970 wurde dieses Fremde in der Schweiz erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg im gros- sen Stil populistisch ausgeschlachtet. Mit dem «Volks- begehren gegen die Überfremdung», besser bekannt als «Schwarzenbach-Initiative», erreichte die Ausländerthe- matik die politische Sphäre. Im Kontext der Gastarbei- ter aus Südeuropa, insbesondere aus Italien, sollte eine Verfassungsänderung den Bund in die Pflicht nehmen «gegen die bevölkerungsmässige und wirtschaftliche Überfremdung der Schweiz» vorzugehen. Die darin vor- gesehene radikale Verkleinerung des kantonalen Aus- länderanteils auf unter 10 Prozent wurde dabei von rund 46 Prozent des Schweizer Stimmvolkes unterstützt – die Angst vor Überfremdung war in der Mitte der Gesell- schaft angekommen. Der weitere Verlauf der Schweizer Überfremdungs- debatten dürfte allgemein bekannt sein: Die italienischen Gastarbeiter wurden zu einem akzeptierten Teil der Ge- sellschaft, das Fremde nahm zuerst mit den Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien und später durch 9/11 und die Ter- roranschläge von Madrid und London eine neue Gestalt an. Gleichzeitig wandelte sich die SVP zu einer 
rechtspo- 
Liechtensteins Umgang mit Fremden Sebastian SeleMartina Sochin D’Elia: «Man hat es doch hier mit Menschen zu tun!». Liechtensteins Um- gang mit Fremden seit 1945. Verlag des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechten- stein, Vaduz, und Chronos- Verlag, Zürich. Vaduz, Zürich, 2012. 374 Seiten, illustriert, gebunden. ISBN 978-3-906393-53-7 (Historischer Verein) ISBN 978-3-0340-1142-6 (Chronos) CHF 48.–; Euro 39.50 Kapitel_7_Rezensionen.indd   17311.06.13   15:49
        

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