Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/167/
166Rezensionen 
Und: Die Bearbeiter geben einen mit «Historischer Kon- text» betitelten Abriss zur liechtensteinischen Geschichte der Jahre vom Sparkassenskandal 1928 bis zur Aufnahme Liechtensteins in den Internationalen Gerichtshof 1950. Diese der Quellensammlung vorangestellte Darstellung hat einführenden Charakter, folgt der vorgeschlagenen thematischen Gliederung der Dokumente und erläutert sie kapitelweise, bisherige Forschungen zusammenfas- send. So ist der editorische Apparat tatsächlich ausge- zeichnet aufbereitet und erlaubt sowohl Forschenden als auch Lernenden einen raschen Einstieg in Themen- bereiche mit ersten dafür relevanten Dokumenten. Für die Vertiefung und Verfeinerung der historischen Frage- stellungen sind zudem die Literatur-, Archiv- und Quel- lenverzeichnisse im Anhang wie auch die fortlaufenden Anmerkungen im Dokumententeil von grossem 
Nutzen. Kein Katechismus Während Lernende und Studierende in dieser Quellene- dition auf manches «neue» Fundstück stossen werden, lassen sich aus fachlicher Sicht einige wenige diskussions- würdige Lücken ausmachen. Ein erstes Desiderat ergibt sich durch die etwas rigorose Konzentration der Edition auf Dokumente im Liechtensteinischen Landesarchiv. In Bezug auf die getroffene Auswahl aus einer «Liste mit mehreren Tausend Dokumenten» (!) merkt Staatsarchi- var Vogt an: «Eine Vertiefung wäre ebenso wünschbar wie eine Ausdehnung auf Quellen in anderen Archiven.» (S. 14). Umso mehr erstaunt, dass einige Schlüsseldoku- mente aus «anderen Archiven», die im Landesarchiv in Kopien greifbar sind und in der Zeitgeschichtsforschung besonderes Gewicht haben, im Band nicht aufscheinen. Dies betrifft einerseits die für Liechtenstein entschei- denden Überlegungen der deutschen Reichsführung in der Zeit der sogenannten «Märzkrise» 1938. Peter Gei- ger hat die betreffenden Archivalien aus dem deutschen Auswärtigen Amt einschliesslich der bedeutsamen Rand- vermerke bereits 1988 detailliert ausgewertet. Zum anderen sind auch Vizeregierungschef Alois Vogts «Fühlungnahmen» mit «massgebenden» Stellen im Reich in der anschlusskritischen Phase des Sommers und Herbsts 1940 durch deutsche Akten überliefert. Auch deren Kopien liegen seit Jahr und Tag im Landes- archiv. In der vorliegenden Edition wird auf die Vor- 
ren, vom eingeschränkten Blickwinkel ihres Zeithori- zonts und von der Deutungsbedürftigkeit ihrer Motive, Hintergründe und Erwartungen. Dies gilt auch und gerade für die damaligen politischen Funktionsträger. Exemplarisch dafür kann das Verhalten der liechten- steinischen Staatsführung zwischen dem Zollvertrags- partner Schweiz und dem seit 1938 benachbarten Gross- deutschen Reich gelten. In wortreichen Dokumenten wird das Erklärungsbedürftige und Widersprüchliche der damaligen liechtensteinischen Aussenbeziehungen greifbar: Sie waren, bestimmt vom Kriegsverlauf, von diplomatischer Rücksicht und ungesicherten Informati- onen, geradezu ein Tummelplatz der Maskeraden, An- deutungen und verdeckten Motive. Als Lektüreempfehlung hierzu Regierungschef Hoops Warnung vor dem NS-Staat in seiner Eschner Rede vom 11. Dezember 1938 (Dokument 99) und – zwei Jahre später in Stuttgart – seine opportunistische Gratulati- onsadresse «als Menschen deutschen Stammes» an die siegreichen deutschen Truppen (Dokument 145). Oder: Vizeregierungschef Alois Vogts Eintreten gegen die Put- schisten vom März 1939 (Dokument 112) und seine spä- teren mehrdeutigen Kollaborationsangebote und Son- derlinien zu Stellen im Auswärtigen Amt und bei der SS (Dokumente 173 und 
217). Ausgezeichneter editorischer Apparat Neben einer Quellensammlung, die einiges von der Emo- tionalität und Dichte der lokalen Geschehensabläufe, aber auch von der Aussenorientierung und -abhängig- keit der politischen Handlungsdispositionen nachvoll- ziehbar macht, bietet die Publikation jene Hilfsmittel, die aus der Quellenlektüre historische Erkenntnisse gewin- nen lassen. Was die Dokumente zu Informationsträgern macht, ist nicht zuletzt die Möglichkeit, sie in zeitliche und inhaltliche Verbindungen zu stellen, sie nach ihrem «Entstehungszusammenhang» (Paul Vogt) befragen zu können, nach Vorgeschichte und situativer Einbettung. Dafür liefert die Edition Mehreres: ein zusätzliches Ver- zeichnis aller Dokumente nach thematischer Zuord- nung; eine knappe, dennoch hilfreiche Chronik mit lokal relevanten historischen Eckdaten; einen ausführlichen Registerteil, dem zahlreiche Kurzbiographien der histo- rischen Akteure eingearbeitet sind. Kapitel_7_Rezensionen.indd   16611.06.13   15:49
        

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