Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/144/
143 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 2013116 
wir Nr. 21/1968. 117 Marxer, Felix: Vereinschronik. In: JBL 70/1970, S. 525. 118  Batliner, Gerard: Vorwort. In: LPS Heft 3. Beiträge zum liechten- steinischen Selbstverständnis. 1973, S. 7. 119  Biedermann, Josef: Was bedeutet mir Liechtenstein? In: LPS Heft 3. Beiträge zum liechtensteinischen Selbstverständnis. 1973, S. 13. In einer weiteren männlichen Volksabstimmung vom 9./11. Feb- ruar 1973 war die Einführung des Frauenstimmrechts auf Verfas- sungsebene gescheitert. 120  Frick, Karin: Von aussen betrachtet, verliert Liechtenstein seine Identität. In: LPS Heft 34. Beiträge zur liechtensteinischen Identi- tät. 2001, S. 37. 121 Die Jugend 1/1967, feuilleton – rückkunft. 122  Peter Goop: I was in London. pop-report. In: wir Nr. 18/1967, S. 35–37. 123 Interview mit Peter Goop, 29. September 
2009. Bildnachweis S. 123, 133, 136 unten: Liechtensteinisches Landesarchiv,   Vaduz (Fotos: Alfons Kieber) S. 124 links: Fotoarchiv Dokumentation Kunst in Liechtenstein (DKL) S. 124 rechts, 130 oben, 132, 138: Liechtensteinisches Landes- archiv, Vaduz (Fotos: Walter Wachter) S. 130 unten: Privat Edy Hassler (Foto: Walter Wachter) S. 131: Louis Jäger: Mein Bilddenken, 2010 S. 134, 136 oben links: Archiv des Liechtensteinischen Gymna- siums (LG), Vaduz S. 136 oben rechts: Privat Johann 
Wanger 
lichkeit Modellcharakter, für andere war der Befund des fehlenden Frauenstimmrechts ein Skandal, der die Legi- timität des ganzen Systems berührte: «Die letzten Abstimmungskatastrophen kann man beinahe als Absage an diesen Staat Liechtenstein interpretieren.»119 Inwieweit diese Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Le- bensorts «Liechtenstein» im Laufe der 1960er Jahre nicht umgehend in Bezug auf die Zukunft des Landes, sondern vorerst im Verhältnis zu individuellen Lebensentwürfen bewusst geworden war, kann als Forschungsfrage wei- terverfolgt werden. So liesse sich die auf Liechtenstein angewandte These «Das Besondere, das uns von anderen unterscheidet wird wichtiger als das Gemeinsame, das uns durch die Herkunft ver- eint.»120 präziser auf historische Phasen beziehen, in denen man- che ohne materielle Not die Gelegenheit erhielten, die Identitätsstiftung durch die liechtensteinische Herkunft in der Erfahrung anderer Lebenswirklichkeiten zu rela- tivieren: «zu hause fragen sie dich, ob es dir gefallen habe im ausland; ja, sage ich, es gefällt mir nicht mehr in der heimat. zu viele bilder haben mich durchblüht. das leben pulsiert wieder lahm, die leute laufen nach ihren geschäften. noch liegt schatten über der strasse, keine sonne blendet; meine stadt ist ein dorf geworden. wieder wirst du gekannt und wieder. Die du kennst grüssen dich, denen du fremd geworden bist, ohne dass sie es merkten.»121 Eindrücklich war für den Verfasser in diesem Zusam- menhang ein Interview, das er mit dem Vaduzer Rechts- anwalt Peter Goop auf Grund des illustrierten Erlebnis- berichts «I was in London» geführt hat, den der 18jährige Schüler Goop nach seinem Londoner Sprachaufenthalt im Sommer 1967 für die Schülerzeitung «wir» abgefasst und mit eigenen Fotos bebildert hatte.122 Goop beschreibt «Swinging London» 1967: «love-ins» und Hippie-Hoch- zeiten in Londoner Parks, seine Spaziergänge durch «keller, hinterräume und dachgeschosse» der Carnaby Street. Zu seinem «vergnügen», die Band Animals mit Eric Burdon in einem Londoner Club erlebt zu haben, meint der 
Autor: «An dieser Stelle wäre es gerechtfertigt, einen superlativ zu gebrauchen, denn was ich dort gesehen habe hätte ich mir nicht einmal geträumt ...».Goop 
berichtet von einem schweissüberströmten Eric Burdon und einer Bühnenshow, in deren Verlauf «neger, polizisten, betrunkene und flötenspieler» die Szene be- traten. Nach seinen damaligen London-Eindrücken ge- fragt, meinte Goop, dass er noch nie eine solche «Diskre- panz zwischen der gewohnten Lebensweise und einer anderen Welt» erfahren habe. Die Eindrücke waren neu und überwältigend, «wie ein Film», von der U-Bahn bis zu den jungen Leuten, «am Laufmeter Flower Children». Er sei aus dem Staunen und Schauen eigentlich nicht mehr herausgekommen. Nachdem er als behütetes Land- kind im Sonntagsanzug vom Flughafen abgeholt worden sei, habe es noch einige Tage gedauert, bis er einen Sti- cker mit der Aufschrift «open leg week» trug.123 Damals in London, so Peter Goop, wäre Liechtenstein für ihn verschwunden. Wenn er auf der Rückreise an der Landesgrenze «ein Loch» vorgefunden hätte, wäre er halt wieder nach London zurück. Kapitel_5_Schremser.indd   14311.06.13   15:48
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.