Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/142/
141 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 2013105 
 Siehe LVolksblatt, 13. August 1968, Aufstand des Individuums (von Marc Ospelt). Wiedergegeben in: Quaderno III. Paul Celan in Vaduz, S. 23. 106  Anton (Toni) Hilti (1914–2006), Unternehmer, Gründer der Scana AG in Schaan. Ehemaliges Mitglied der Volksdeutschen Bewe- gung in Liechtenstein (VDBL). 107 Interview mit Peter Goop, 29. September 2009. 108 matura 68. In: wir Nr. 20/1968, S. 27. 109 Unser Kollegium Nr. 5/Juli 1968. 110  LG Vaduz: Jahresbericht 1967/68, S. 21–22: Matura Deutsch. The- menvorschläge. 111  wir Nr. 20/1968: mit demonstranten leben. Die Schüler Hilmar Stetter und Dieter Hilti kommentieren den deutschen und euro- päischen Jugend- und Studentenprotest. 112 wir Nr. 27/1970. 113 LG Vaduz: Jahresbericht 1971/72, S. 26. 114 wir Nr. 31/1971. 115  Rheinberger, Hans-Jörg: Fremdenhass und Minoritäten (1994). In: Derselbe: Von der Unendlichkeit der Ränder. Liechtenstein- Miszellen. Eggingen, 2008, S. 
41. 
Der Hass, der dem Studenten Rheinberger Ende der 1960er entgegenschlug, blieb in Liechtenstein virulent. Mit den Übergriffen gegen die jungen protestierenden Befürworterinnen und Befürworter des Frauenstimm- rechts 1971 wurden Aggressionen, Ängste und niedrige Konfliktschwellen gegenüber dem Anderen und Neuen in heimischer Gestalt auf die Ebene einer öffentlichen Auseinandersetzung gebracht. Eine Auseinandersetzung, die fortan im Innern der eigenen Gesellschaft geführt werden musste, und nicht mehr einfach als «ausländisch» ausgegrenzt oder ausgelagert werden konnte. Ausgelöst durch die Frauenstimmrechtsfrage entstand auch ein neuer, von Traditionskritik und Weltzugewandtheit be- stimmter Bezugspunkt für die politische Sozialisation junger Liechtensteiner/innen der Jahrgänge nach 1950. Während aber die Auseinandersetzung um Frauen- rechte, Solidarität mit der so genannten «Dritten Welt» und Umweltschutz in Liechtenstein in den 1960er Jahren eröffnet wurde, formierte sich eine politische Kraft, die sich dieser Themen annahm, erst um einiges später, im Jahr 1985 als ausserparlamentarische Oppositionsbewe- gung Freie Liste Liechtenstein. Neben dieser Langzeitwirkung der «Bürgerinnen- rechtsbewegung» lässt sich auch ein mentalitätshisto- rischer Niederschlag der Modernisierungsschübe der 1960er Jahre in Liechtenstein feststellen, eine Art «Vir- tualisierung» der Herkunft. In der Aneignung des Neuen und Anderen am Ort, über ziviles Engagement, im 
Er- 
«wir vertreten nicht die interessen der kapital besitzenden klassen.» So formulierten die Initiatoren der kurzlebigen Liechten- steinischen Studenten- und Schülergewerkschaft LSSG112 im Frühjahr 1970. Im Jahr darauf wurde am LG die Idee eines «Schülerrats» umgesetzt.113 Auch hier grüsste Karl Marx: «die stellung des schülers an unserem gymnasium befindet sich augenblicklich im zustande der arbeiterschaft zu zeiten von marx und engels, nämlich im anfangsstadium!»114 Ausserhalb der geschützten und organisierten Milieus der Schule, des Jugendvereins, der Lokalunterhaltung und Lokalpublizistik setzte sich der äusserliche Habitus einer Protest- und Popkultur im dörflichen Alltag mithin heftigen Aggressionen aus. Der Vaduzer Wissenschafts- historiker Hans-Jörg Rheinberger, der 1966 in Deutsch- land zu studieren begonnen hatte, erinnert sich 1994 daran, was ihm als Student mit längeren Haaren und le- gerer Kleidung in einem Vaduzer Gastgarten Ende der 1960er 
widerfuhr: «Hier wurde ich zur Minorität, als einer, der ungewohnte Le- bensformen nach Liechtenstein zu importieren drohte: als auslän- discher Liechtensteiner in Liechtenstein. Was Hass ist, erfuhr ich hier, wo ich jeden kannte und jeder mich, in einem kleinen Dorf, in einem homogenen Raum, fern den Konflikten der Zeit: als ei- ner an einem Sommernachmittag im Garten des Vaduzer-Hofs vom Nachbartisch aufstand, sein Messer aus dem Sack holte und sagte: ‹Eu sött man alli vrschtecha, eu grusigi 
Saukoga›.»115Resümee: 
«Was bedeutet mir Liechten- stein? Was könnte Liechtenstein sein?» Kapitel_5_Schremser.indd   14111.06.13   15:48
        

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