Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/140/
139 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 201388 
 Zusammenstellung der musikalischen Tätigkeit von Karl Gas- sner, 10. März 2002. Schriftliche und mündliche Mitteilungen Johann Wanger 10. und 18. Februar 2010. Gassner wurde 1965, mit 15 Jahren, Mitglied der Schüler- und Lehrlingsband «The Four Cormycs». Johann Wanger, wie Gassner 1950 geboren, war 1965–1968 Frontmann der «Cormycs» bzw. der 1968 in «The Ex- cerpt of Time» umgetauften Band. 89 Interview mit Johann Wanger, 18. Februar 2010. 90 wir Nr. 18/1967. 91  Georg Kieber: Ist unsere heutige Jugend schlechter? LVolksblatt, 18. Januar 1968 (Titelseite). 92 Ebenda. 93  Norbert Jansen: Eine Stunde von der Wahrheit. Idylle Alpenland Liechtenstein am deutschen Fernsehen (Südwestfunk). LVolks- blatt, 3. Januar 1968. 94 wir Nr. 1/1964. 95 wir Nr. 18/1967. 96 wir Nr. 15/1966. 97  «Der Inhalt entwickelte sich vom Lagerfeuersketch in Richtung Kabarett». Mitteilung Judith Marxer (* 1950), ehemaliges Mitglied der Vaduzer Pfadfinderinnen und Mitwirkende an den Unterhal- tungsabenden, 7. März 2010. 98 Archiv PPV: Unterhaltungsabend 1969 (Typoskript). 99  LVolksblatt, 9. April 1969, Vaduz oder Schilda. Zum Unterhal- tungsabend der Pfadfinderschaft. 100 Mitteilung Veronika Marxer, 25. August 2009. 101 Interview mit Gerda Bicker-Brunhart (* 1944), 18. März 2009. 102  Darunter die vom Verfasser interviewten Hans-Jörg Rheinberger und Norbert Haas, beide seit den Sommersemestern 1968 (Rhein- berger) beziehungsweise 1965 (Haas) an der Freien Universität Berlin sowie Norbert Jansen, seit 1967 an der Deutschen Journali- stenschule in München, siehe Anm. 7. 103  Siehe wir Nr. 18/1967, editorial: «Auch von einem ‹Ehemaligen›, Norbert Haas erhielten wir aus Berlin, wo er studiert, einen be- richt, leider etwas zu spät.» 104  Wolfgang Ratjen, stud. pol. in München: Schule und klares Welt- bild. Keine Demonstranten unter den Maristenschülern? LVolks- blatt, 30. März 1968 
(Titelseite). 
den von jungen Leuten in Liechtenstein aufmerksam und mit gemischten Gefühlen verfolgt. Gerda Bicker- Brunhart, damals junge Handarbeits- und Hauswirt- schaftslehrerin, erinnert sich, dass sie die Nachrichten zu den Jugendrevolten und die Dutschke-Reden fasziniert mitverfolgte. Einen just für Mai 1968 gebuchten Flug nach Paris habe sie dann aber aufgrund der dortigen Un- ruhen nicht angetreten.101 
Während Tageszeitungen und elektronische Massenmedien über die Demonstrationen in den europäischen Metropolen informierten, wurden Studierende aus Liechtenstein zu Augen- und Ohren- zeugen der Proteste in Deutschland102 und berichteten darüber, auf Anfrage der gymnasialen Schülerzeitung,103 als Korrespondenten-Beitrag in der Lokalpresse104 oder informell in ihrer heimischen Bezugsgruppe. Anlässlich 
Gegenüber Vorurteilen und Klischees formulieren He- ranwachsende der 1960er andere Ansprüche an Infor- mation, Kritik und Teilhabe. In der ersten Ausgabe von «wir», der Schülerzeitung des Collegium Marianum, po- stuliert der 16jährige Redakteur Michael 
Bermann: «Unsere Zeitung darf auf keinen Fall den Charakter einer Fastnachtszeitung annehmen.»94 Sein Nachfolger Hilmar Stetter, Internatsschüler am LG, aus Konstanz stammend, knüpfte drei Jahre später, 1967, nicht weniger programmatisch an: «eine zeitung herausgeben bedeutet, sich zu engagieren ... wir wollen zeigen, dass wir auch am ernsten leben anteil nehmen.»95 Stetter tippte sein Schüler-Editorial seit 1966 in jener Kleinschrift, die in den 1960ern in der Werbung ebenso Verwendung fand wie in der «konkreten poesie» oder in Flugblättern während der Studentenproteste in Deutsch- land 1967/68. Stetter dazu: «jemand muss schliesslich einmal anfangen.»96 Die Vaduzer Pfadfinderabende, seit den 1950er Jahren Bestandteil der Ortsunterhaltung, gewinnen in hoch- sprachlichen Kabaretttexten der 1960er Jahre zusehends an Sprachwitz und selbstironischer Schärfe.97 
In der Nummer «Wir Liechtensteiner» von 1969 heisst 
es: «Wir sind Liechtensteiner! ... Wir haben die Demokratie! Wir haben nicht wie in Russland nur eine Liste Wir haben zwei! Wir haben nicht wie in Russland nur eine Partei Wir haben zwei! Beide regieren Beide opponieren Also doch nur eine Partei ...».98 Im selben Programm führte eine junge Gruppe politisch interessierter Pfadfinderinnen die Nummer «Die Frau im Laufgitter» nach einem Titel der Schweizer Frauenrecht- lerin Iris von Roten auf.99 Aus dem Kreis dieser enga- gierten Vaduzer «Ranger» stammten auch die ersten De- monstrantinnen, die im Februar 1971 nach der negativen Abstimmung über das Frauenstimmrecht auf die Strasse gingen.100 Die Entwicklungen der internationalen Jugend- und Protestkultur, vor allem jener in Westdeutschland, wur- Kapitel_5_Schremser.indd   13911.06.13   15:48
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.