Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/128/
127 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 2013Kulturpolitik. 
In: LAG (Hg.): Liechtenstein Politische Schriften, Heft 1. Fragen an Liechtenstein. Vaduz, 1972, S. 31–45. Kurzbeleg: LPS Heft/Titel/Jahr. 16  Siehe Amt für Volkswirtschaft (Hg.): Statistisches Jahrbuch Für- stentum Liechtenstein 2006. Vaduz, 2006. Kurzbeleg: Statistisches Jahrbuch 2006. 17  Zur Wertschöpfungsentwicklung siehe Merki, Christoph Ma- ria: Souveränität als Standortfaktor. In: JBL 105/2006, S. 82. Die PkW-Dichte lag in Liechtenstein 1968 bei 230 Personenwagen auf 1’000 Einwohner (Ew.) und 1970 bei 297/1’000 Ew. (Statistisches Jahrbuch 2006, S. 198); die PkW-Dichte in der Schweiz lag in den 1970er Jahren unter 250 Personenwagen (Angaben Statistik Stadt Zürich, Info 1/2005 unter www.stadt-zuerich.ch). Zum Ver- gleich: Der Motorisierungsgrad in Österreich lag 1970 bei ca. 159 PkW/1’000 Ew. (Angaben Statistik Austria), 18  «In 1951 Liechtenstein became the first country in Europe to have a fully automated telephone system. Its modern telecoummuni- cation gave its banks and companies a head start when first the telex and later information technology were introduced.» Beattie, David: Liechtenstein. A Modern History. Triesen, 2004, S. 139. 19  Ein frequentierter Schauplatz in erreichbarer Ferne war hier die Einkaufs- und Studienstadt Zürich. Siehe zu letzterem die Statistik der liechtensteinischen Studierenden an ausländischen Hochschulen und Universitäten seit 1967/68. Statistisches Jahr- buch 1991, S. 303–305. 20  Dies sind 1918 die Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP) sowie die Christlich-soziale Volkspartei, die ihrerseits 1936 mit der stände- staatlichen Bewegung Liechtensteiner Heimatdienst zur bis heute bestehenden Vaterländischen Union (VU) fusionierte. 21  Verfassungsrechtlich etabliert mit den plebiszitären Elementen der Landesverfassung vom 5. Oktober 1921. 22  Eine systematische zentrale Schrifttumssammlung und Aktenar- chivierung startete in Liechtenstein mit der Anstellung des ersten Landesbibliothekars und zugleich Staatsarchivars Robert Allgäuer 1959 und dem offiziellen Beginn seiner Tätigkeit am 1. Januar 1961. 23  Zur politischen Bedeutung der Verwandtschaftsgruppe in Liech- tenstein siehe Kellenberger, Ralph: Kultur und Identität im klei- nen Staat. Das Beispiel Liechtenstein. Bonn, 1996, S. 331–332. 24  Zur Überhöhung des Fürsten als zentrale Figur der liechtenstei- nischen Geschichtsschreibung und «Landesvater»: Buchbinder, Sascha; Weishaupt, Matthias: Das Bild des Fürsten. Zur Problem- stellung von Fürstenhaus und Staatskörper in der Geschichte des Fürstentums Liechtenstein. In: JBL 103/2004, S. 191–225. 25  «Wenn ich die Politiker Liechtensteins ... mit einem einzigen Wort beschreiben müsste, dann würde ich das Wort Spiegelsaal- politiker vorschlagen. Darunter würde ich einen kleinen Haufen von Männern verstehen, die sich in einem Spiegelsaal befinden, sich unzählige Male in den Spiegeln wiederfinden und daraus schliessen würden, sie hätten das Volk vor sich.» Hoop, Franz: Was bedeutet mir Liechtenstein als gesellschaftlich-politische Ein- heit? In: LPS Heft 3. Beiträge zum liechtensteinischen Selbstver- ständnis. 1973, S. 46. 26  In einer Volksabstimmung der männlichen stimmberechtigten Bevölkerung am 29. Juni/1. Juli 1984 wurde die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts angenommen. 27 LGBl. 1974 Nr. 20. 28  Siehe dazu Art. 2 des bis 1971 geltenden Schulgesetzes LGBl. 1929 Nr. 13: «Der gesamte Schulunterricht richtet sich nach den Grundlagen katholischer 
Weltanschauung.» 
lung des Landes geprägt. Der Nationalstaat Liechtenstein ist in den 1960er Jahren noch ein Land der Dörfer, das zugleich auf Städte in der Nachbarschaft als Ausbil- dungs- und Handelsadressen angewiesen ist, diese aber auch als Schauplätze für andere Konsummöglichkeiten, Lebensentwürfe und Selbsterfahrungen wahrnimmt.19 Die öffentliche politische Kultur des Fürstentums hatte sich seit dem Ende des Ersten Weltkriegs mit der Grün- dung zweier Parteien20 und dank einer Orientierung an der Schweizer Direktdemokratie21 als demokratisches Brauchtum allmählich etabliert. Es ist die politische Pra- xis einer mündlich-mundartlichen Kultur des lokalen Rufs und Verrufs, die mit den Anforderungen einer in- dividualisierten schriftkulturellen Öffentlichkeit einige Mühe hat. Anonymisierte oder gar von der Redaktion fingierte Leserbriefe – probate Mittel der politischen Un- mutskundgabe und Verächtlichmachung – sind Tages- medien-Standard über die 1960er Jahre hinaus. Über die längste Zeit seiner Staatlichkeit entbehrte Liechtenstein zudem eines schriftkulturellen Gedächtnisses in Form ei- ner eigenen Nationalbibliothek und eines zentralen Lan- desarchivs.22 Der Spielraum der parteipolitischen Ausein- andersetzung ist mit der seit 1939 auf Dauer gestellten Machtteilung (Proporz) zweier sich weltanschaulich na- hestehendender Volksparteien auf ein demokratisches Minimum gesetzt. Vaterrechtliche und männerbündische Clanstrukturen23 bestimmten lokale Lebenschancen und den Aufbau der politischen Parteihierarchien. Der Fürst, zum Landesvater stilisiert, spiegelt als Oberhaupt seiner Dynastie noch einmal die väterlich geführte Sippe.24 Bis weit in die Gegenwart wird mit der Verwandtschafts- auch die Parteizugehörigkeit tradiert. Die Geschlossen- heit der liechtensteinischen Männergesellschaft zeigt sich am deutlichsten in der lang währenden Ausgren- zung von Frauen aus politischen Teilhaberechten.25 Auf Landesebene bis 1984.26 Die Langzeitwirkung einer katholisch-klerikalen Formung gesellschaftlicher Einstel- lungen ist etwa an der späten Einführung der Zivilehe 197427 ablesbar oder an der katholischen Ausrichtung des öffentlichen Schulwesens bis 1971.28 15  Ich schliesse mich hier an ein weit gefasstes Verständnis von «Kultur» an: «Unser Kulturbegriff spannt sich vom Ackerbau über die Dorfgemeinschaften, Völker und Staaten, über die materielle Welt des Zeugs (im Sinne Heideggers) über Sprache zur Philoso- phie, Kunst und Religion.» Malin, Georg: Zur liechtensteinischen Kapitel_5_Schremser.indd   12711.06.13   15:47
        

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