Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/114/
113 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 201368 
Tiefenthaler 1994, S. 253–254. 69 Amann 1996, S. 60–61. 70 Vgl. dazu Biedermann 2012, S. 143–146. 71 Tschugmell, Familienbuch Vaduz, S. 131–135. 72  LI LA RD 1861/15/60: Josef Anton Rheinberger, Beschwerde ge- gen die Gemeinde Schaan wegen Holzverweigerung. 73  LI LA J 2/Pol. 1869/82: Heimatrechtsstreit um Josef Anton Rhein- berger, Bescheid des Landgerichts Vaduz vom 1. April 1869. 74  LI LA RE 1906/475: Eduard und Alois Hilti, Alois und Gottlieb Jehle, Ferdinand Rheinberger, Anton und Josef Schreiber, Ver- handlungen wegen Einkaufs als vollberechtigte Bürger in Schaan. 75  LI LA RE 1909/33 SF, Ferdinand Rheinberger, Wohn- und Stall- bau in Schaan. 76  LI LA RE 1913/537: Ferdinand Rheinberger, Schaan; Fristerstrek- kung für Hausverputz. 77  LI LA RE 1914/735 SF und LI LA RE 1915/9769: Ferdinand und Paul Rheinberger, Dispens vom Schulbesuch zwecks Verdingung als Dienstknaben nach Schwaben. 78  Biedermann 2012, S. 223–224.79 79  Ebenda, Stammbaum und Anmerkungen auf S. 
208. 
doch er konnte sich diesen Einkauf in die Nutzungs- rechte nicht leisten.74 Zwar konnte Ferdinand Rhein- berger 1910 ein neues Haus bauen75 und er erhielt 1911 eine Stelle als Nachtwächter in Schaan, doch blieb seine finanzielle Situation prekär. 1913 wurde ihm zum Bei- spiel eine Fristerstreckung zur Fertigstellung des Haus- verputzes gewährt.76 Seine zwei Söhne, Ferdinand junior und Paul erhielten in den Jahren 1914 und 1915 Dispens vom Schulbesuch. Sie verdingten sich in dieser Zeit als Dienstknaben ins 
Schwabenland.77 Nicht akzeptierte Aussenseiterin: Wilhelmina Wagner aus Triesenberg Zum Schluss sei noch das Schicksal einer Frau erwähnt, die zwar nicht auf Arbeit im Ausland war, aber deren Schicksal und fehlende Anerkennung mit den vorgestell- ten Beispielen irgendwie korrespondiert. Es handelt sich dabei um Wilhelmina Wagner aus Triesenberg. Ihr Vater Johann Wagner war Korbflechter, Schrei- ner und Seiltänzer. Er heiratete 1864 Agatha Bauer aus Lustenau. Das Paar wurde im selben Jahr in Triesenberg eingebürgert.78 Johann Wagner hatte zudem ein gemein- sames uneheliches Kind mit der bereits erwähnten Eli- sabeth Schafhitl, die im Jahr 1854 geborene Anna Maria Schafhitl. Diese und die 1874 geborene Wilhelmina Wag- ner waren also Halbschwestern.79 
der Feldkircher Industrie: Ihre Kinder Nikodemus und Rosina Kirschbaumer sind 1868 als Beschäftige bei der Baumwollspinnerei Ganahl & Söhne in Tisis bei Feld- kirch vermerkt. Auch zwei Enkelkinder, der 15-jährige Anton und der 12-jährige Andreas Kirschbaumer junior, tauchten 1868 auf derselben Arbeiterliste auf.68 Die Tätigkeit in diesen Fabriken mit 13-stündigen Ar- beitstagen war äusserst hart. Dazu sei nochmals Sieglinde Amann zitiert: «Die Folge war, dass erstens die Kinder durch die Fabrikarbeit in ihrer Gesundheit so geschädigt waren, dass sie als Erwachsene früh krank oder arbeits- unfähig wurden und somit der Armenfürsorge eher zur Last fielen als Kinder, die ... eine weniger schädliche Arbeit, zum Beispiel in der Landwirtschaft ausübten... Weiters wurde der Schulbesuch total vernachlässigt. Ohne entsprechende Schulbildung ... hatten die Kinder auch nicht die Möglichkeit eines sozialen 
Aufstiegs.»69 Dienstknaben im Schwabenland: Ferdinand und Paul Rheinberger aus Schaan Dass auch Angehörige der Familie Rheinberger als Knechte im Schwabenland dienten, überrascht auf den ersten Blick. Bei den zwei Buben Ferdinand und Paul Rheinberger handelt es sich aber um Angehörige der Familie Rheinberger aus Schaan. Im Gegensatz zu ihren mehrheitlich wohlhabenden Verwandten aus Vaduz ge- lang es der Schaaner Rheinberger-Familie nur langsam, in Schaan Fuss zu fassen.70 Josef Anton Rheinberger aus Vaduz hatte 1817 die Schaanerin Anna Maria Tanner geheiratet und war nach Schaan gezogen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Rheinberger 1857 die Schaanerin Kreszentia Dürrmayer.71 
Im Jahr 1861 beschwerte sich Josef Anton Rheinberger als «Hintersasse und Hausbesitzer» beim Regierungsamt in Vaduz, die Gemeinde Schaan würde ihm die Holzzuteilung verweigern.72 Aus nicht näher bekannten Gründen versuchte die Gemeinde Schaan noch im Jahr 1869, Josef Anton Rheinberger nach Vaduz abzuschieben. Diese Sache kam vor Gericht, und das Landgericht bestätigte 1869, dass Rheinberger als Heimatberechtigter von Schaan zu betrachten sei.73 Sein Sohn Ferdinand Rheinberger be- mühte sich 1906 schliesslich um seine Anerkennung als voll nutzungsberechtigter Gemeindebürger in Schaan, Kapitel_3_Biedermann.indd   11311.06.13   15:45
        

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