Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/80/
78Arnegger Katharina: Vaduz und Schellenberg unter der Herrschaft der Reichsgrafen von Hohenems 
(1613–1699/1712) 
der Sohn von Jakob Hannibal III., übernahm die Regie- rung des Hauses Hohenems noch zu Lebzeiten seines Vaters im Jahr 1718. Er hinterliess bei seinem Tod 1765 zwei Töchter. Als sein Vetter Franz Wilhelm III. 1759 starb, erlosch das Haus Hohenems im Mannesstamm.116 Hohenems und Lustenau fielen nach altem Lehenrecht an das Haus Österreich117, während die Herrschaft Bi- strau zuerst in den Besitz von Franz Wilhelms III. Toch- ter Rebecca überging und letztendlich Mitte des 19. Jahr- hunderts an Ernestine Freiin von Langet, eine Urenkelin von Jakob Hannibal III., fiel. Diese letzte direkte Nach- kommin aus dem Haus Hohenems blieb 
kinderlos.118 Resümee 99 Jahre regierten die Grafen von Hohenems in Vaduz, 86 Jahre in Schellenberg. Somit waren sie im 17. Jahrhun- dert definitiv bestimmend für die Entwicklung des heu- tigen Fürstentums Liechtenstein. Der Auf- und Abstieg dieser Familie war für die Bevölkerung von Vaduz und Schellenberg in weitgehend allen Lebensbereichen be- stimmend. Einerseits teilten die Einwohner das Schick- sal der gesamten Bevölkerung des Heiligen Römischen Reichs, das im 17. Jahrhundert besonders durch Kriege bestimmt wurde. Diese Kriege verhinderten in vielen Teilen Europas lange Zeit wirtschaftliche Prosperität. Es dauerte noch ein halbes Jahrhundert, bis am Kaiserhof erkannt wurde, dass nur eine gesündere und besser ge- bildete Bevölkerung das Habsburgerreich konkurrenzfä- hig machte. Andererseits waren Vaduz und Schellenberg wegen ihrer Lage auf dem Camino español an einer stra- tegisch wichtigen Stelle des Heiligen Römischen Reichs aber kein vergessenes Tal in den Alpen, sondern immer wieder im Mittelpunkt europäischen Geschehens. Das wirft wiederum die Frage auf, warum in diesem Fall die Einwohner nicht mehr profitierten? Die Antwort darauf lässt sich einerseits in der allgemeinen politischen Lage finden, andererseits auch in der Macht adeliger Familien und der Verfolgung ihrer eigenen Interessen, die nicht auf ihre Untertanen Rücksicht nahmen. 
schickte auch keinen juristischen Bevollmächtigten. Im Reichshofrat überlegte man nun, dem Fürsten den Kauf von Vaduz zu befehlen unter Androhung, sonst dessen böhmische Herrschaften mit Exekutionen zu belegen, als Kaiser Joseph I. unerwartet starb. Bis zur Wahl des näch- sten Kaisers war der Reichshofrat in so heiklen Angele- genheiten handlungsunfähig. Die Wahl von Kaiser Karl VI. fand im Herbst 1711 statt. Jakob Hannibal III. stellte dem neuen Kaiser die Problematik des letzten Jahres dar und bat neuerlich, den Verkauf von Vaduz abschliessen zu dürfen.106 
Karl VI. erteilte am 3. Februar 1712 dem Fürsten von Liechtenstein den Befehl, den Kauf von Va- duz abzuschliessen.107 Der Kaufvertrag wurde am 22. Februar 1712 ausgefer- tigt und unterzeichnet. Mit einem kaiserlichen Diplom für den Fürsten von Liechtenstein wurde am 7. März 1712 der Vertrag vom Kaiser feierlich bestätigt und ratifi- ziert.108 
Die Huldigung der Untertanen erfolgte in Vaduz am 9. Juni 1712109, Fürst Johann Adam starb kurz darauf am 18. Juni.110 Er hinterliess keine männlichen Nachkom- men und somit ging der Majoratsbesitz gemäss Famili- envertrag an Anton Florian von Liechtenstein (1656– 1721), den nach der Primogeniturerbfolge nächsten re- gierenden Fürsten.111 Vaduz und Schellenberg gehörten damals aber noch nicht zum Fideikommiss, weshalb Johann Adam die lang ersehnten reichsunmittelbaren Territorien an seinen erst 20-jährigen Neffen Fürst Josef Wenzel vererbte. Anton Florian gelang es 1718 in einer innerfamiliären Einigung mit seinem Neffen Joseph Wen- zel von Liechtenstein, die beiden reichsunmittelbaren Herrschaften Vaduz und Schellenberg von der liechten- steinischen Nebenlinie in seine eigene Hauptlinie gegen die Herrschaft Rumburg zu tauschen.112 Seinem Einfluss auf Kaiser Karl VI. ist es letztendlich zu verdanken, dass 1719 die beiden Herrschaften unter dem Namen «Liech- tenstein» in ein Fürstentum erhoben wurden.113 Am 22. Februar 1721 erreichte dann letztendlich das Notifika- tionsschreiben des Kaisers die Kommission in Regens- burg, in dem der Kaiser dem Kardinal Christian August, Herzog von Sachsen, mitteilte, dass Fürst Anton Florian von Liechtenstein nun Sitz und Stimme im Reichsfür- stenrat innehabe.114 Obwohl die Grafen von Hohenems nach dem Verkauf von Vaduz viele ihrer Schulden getilgt hatten, dauerten die Verhandlungen mit ihren Gläubigern noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts an.115 Franz Wilhelm Rudolf, Kapitel_3_Arnegger.indd   7822.10.12   12:16
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.