Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/77/
75 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 111, 
2012Nun 
legte auch der Fürst von Liechtenstein ein Angebot für Schellenberg über 115’000 Gulden vor. Der Bischof von Chur erhöhte sein Angebot daraufhin auf 110’000 Gulden, unterlag aber zuletzt dem liechtensteinischen Angebot90, denn der Fürst machte das Angebot, Schel- lenberg und Vaduz gemeinsam um 400’000 Gulden 
ligen sollten oder sogar alle darüber hinausreichenden Zahlungen übernehmen würden. Auf dieses Ansin- nen antworteten die Untertanen mit einer Beschwerde beim Kaiser.82 Nach längeren juristischen Streitigkeiten zwischen Jakob Hannibal III. mit seinen Untertanen erkannte der Kaiser schliesslich, dass auch dieser Graf nicht fähig war, zu regieren. 1692 kam es zur neuerlichen Einsetzung einer kaiserlichen Administration unter dem Fürstabt Rupert von 
Kempten.83 Der Verkauf von Schellenberg 1699 Jakob Hannibal III. und sein Bruder Franz Wilhelm II. wollten bereits 1689 die Herrschaft Schellenberg verkau- fen, um die hohen Schulden auf ihren Territorien zu ver- ringern.84 Nachdem Franz Wilhelm II. bald darauf starb und 1692 alle hohenemsischen Herrschaften wiederum unter kaiserliche Administration kamen, verfolgte Jakob Hannibal III. dieses Ziel gemeinsam mit dem Fürstabt von Kempten weiter. Um 1692 wurden die Schulden auf 121’936 Gulden beziffert.85 Jakob Hannibal von Ho- henems war einerseits sehr enttäuscht, als der Kaiser die Administration von Vaduz und Schellenberg wiederum einer kaiserliche Kommission übertragen hatte, aber er- kannte rasch, dass er die Unabhängigkeit seiner Fami- lie von der kaiserlichen Bevormundung nur mit einer starken Schuldenreduzierung erreichen konnte.86 
Aus einem Bericht des Jahres 1697 erfahren wir, dass es ur- sprünglich mehrere Interessenten für diese reichsunmit- telbare Herrschaft gab, für die man unter Umständen Sitz und Stimme auf dem Reichstag erhalten konnte. Ausser dem Fürsten Johann Adam von Liechtenstein (1656– 1712)87 waren noch der Fürst von Schwarzenberg, Graf Waldstein, der Abt von St. Gallen, der Prälat von Wein- garten und der Bischof Ulrich von Chur unter den Inte- ressenten.88 Graf Waldstein bot 80’000 und der Bischof von Chur 90’000 Gulden. Der Bischof von Chur argu- mentierte ernsthaft zu seinen Gunsten mit den Begrün- dungen, dass die Herrschaft Schellenberg Teil des Bis- tums Chur sei und zudem nahe bei seinem Bischofssitz liege und er mit der Vergrösserung seines Herrschafts- bereichs besser die Bedrohung durch die Protestanten abwehren könnte. Nach Meinung des Bischofs war sein Bistum die letzte katholische Bastion im Rheintal, die er mit dem Kauf von Schellenberg vergrössern wollte.8975 
 Kaiser Leopold I. an Rupert von Bodman, Konz., o. O. 1684 September 11 bis 20, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 261/12, fol. 71r–83v. 76  Rupert von Bodman an Kaiser Leopold I., Ausf. Stift Kempten 1686 Februar 25, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 262/1, fol. 18v; Rupert von Bodman an Kaiser Leopold I., Ausf. o. O. 1685 Juni 18, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 261/9, fol. 65r–74v, hier fol. 66r+v. 77  Arnegger–Edelmayer, Die Hohen-Ems im tiefen Fall, S. 763–770. 78  Erwähnung in verschiedene Briefe Karl Friedrichs von Hohenems an Ferdinand Bonaventura I. von Harrach, 1670 bis 1673 ÖStA, AVA, GHFA 253, unfol. 79  Bergmann, Reichsgrafen, S. 112. 80  Entwurf für die Bestellung einer Kommission unter Graf Johann von Montfort wegen des ausbleibenden Unterhalts der Geschwi- ster von Ferdinand Karl von Hohenems, Konz. Wien 1679 Febru- ar 10, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 261/9, fol. 6r–7v; vgl. auch das Dankschreiben von Jakob Hannibal III. und Franz Wilhelm II. von Hohenems an Kaiser Leopold I., Ausf. Vaduz 1679 April 28, ebenda, fol. 8r–9v. 81 Arnegger–Edelmayer, Die Hohen-Ems im tiefen Fall, S. 782–783. 82  Bittgesuchen der Untertanen von Vaduz und Schellenberg an Kaiser Leopold I. betreffend die Restitutionen, Ausf. o. O. 1687 April 7 bis Juli 1, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Ant. 96, un- fol.; sowie: Die Untertanen von Vaduz an Kaiser Leopold I., Ausf. o. O. 1687 Februar 25, ebenda. 83  Kaiser Leopold I. an Rupert von Bodman, Konz. o. O. 1692 Au- gust 26, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 262/1, fol. 445r– 448v. 84  Jakob Hannibal III. von Hohenems bittet Kaiser Leopold I. den Verkauf der Herrschaft Schellenberg zu erlauben, Ausf. o. O. 1689 Juli 26, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 262/1, fol. 191r– 192v. 85  Rupert von Bodman an Kaiser Leopold I., Ausf. Kempten 1692, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 262/1, fol. 609r–616v. 86  Jakob Hannibals III. von Hohenems an Kaiser Leopold I., Ausf. o. O. 1694, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 262/1, fol. 531r–570v. 87  Johann Adam I. Fürst von Liechtenstein (30. November 1656–18. Juni 1712). Vgl. Wurzbach, Bd. 15: Leon–Lomeni. Wien, 1866, S. 127. 88  Rupert von Bodman an Kaiser Leopold I., Ausf. Kempten 1697 November 28, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 263/1, fol. 449r–451v. 89  Bericht des Reichshofrats an Kaiser Leopold I., Konz. Wien 1696 Oktober 3, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 262/2, fol. 355r–359v. 90  Johann Adam von Liechtenstein an Kaiser Leopold I., 1699 Febru- ar 5, ÖStA, HHStA, RHR, Judicialia, Den. Rec. 263/1, fol. 656r– 672v. Kapitel_3_Arnegger.indd   7522.10.12   12:16
        

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