Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/68/
66Arnegger Katharina: Vaduz und Schellenberg unter der Herrschaft der Reichsgrafen von Hohenems 
(1613–1699/1712) 
Grafschaft Hohenems und dem Reichshof Lustenau be- dacht, während Vaduz und Schellenberg an seinen jün- geren Bruder Franz Maria (1608–1642) gingen und der dritte Sohn, Franz Leopold (1620?–1642), Domherr in Salzburg wurde. Nachdem Franz Maria von Hohenems 1640 gestorben war, fielen Vaduz und Schellenberg aus Mangel an anderen Erben auch an den ältesten Sohn von Kaspar, an Jakob Hannibals II. Über die kurze Re- gierungszeit von Franz Maria und Jakob Hannibal II. in Vaduz und Schellenberg zwischen 1640 und 1646 liegen nur noch einige Rechts- und Verwaltungsdokumente vor, die in erster Linie die Erneuerung alter Verträge mit den Untertanen betreffen.22 Jakob Hannibal II. machte auf allen Besitzungen der Hohenems grosse Schulden und hinterliess diese 1646 seinen Söhnen.23 Jakob Hannibal II. war sicherlich nicht so geschickt in finanziellen Belangen wie sein Vater Kaspar. Zusätz- lich erschwerend kam neben der Aufrechterhaltung des bisher gewohnt aufwändigen Lebensstils auch die Tatsa- che hinzu, dass der Dreissigjährige Krieg für die Familie Hohenems sehr teuer wurde. Die Reichsabgaben stiegen in einem unvorhergesehenen Umfang, während die Ho- henems in Vaduz und Schellenberg an den Schnitz-Ver- trag von 1614 gebunden waren. Laut diesem hatten sich die Untertanen jährlich mit 1’276 Gulden an den Reichs- abgaben zu beteiligen. Alle Abgaben, Steuern und ande- ren Belastungen, die an das Heilige Römische Reich zu bezahlen waren, mussten von den Hohenems selbst ge- tragen werden. Nun stiegen diese Abgaben auf eine jähr- liche Höhe von 10’000 bis 12’000 Gulden an. Vaduz und Schellenberg ertrugen höchstens 6’000 bis 7’000 Gulden im Jahr.24 Um die Differenz begleichen zu können, nah- men die Hohenems bei wohlhabenden Familien wie den Planta und Salis in Graubünden viele tausende Gulden Schulden auf. Diese Schulden wurden üblicherweise mit sechs Prozent jährlich verzinst. Das bedeutete, dass jähr- lich diese sechs Prozent bezahlt werden mussten, aber die Höhe der ursprünglichen Schulden sich nicht ver- minderte. Diese ursprünglichen Schulden konnten nur auf einmal zurückgezahlt werden. Häufig kam hinzu, dass die Schuldner nicht einmal in der Lage waren, die sechs Prozent zu bestreiten und daher auch auf diese Zinsen wiederum Kredite mit Zinseszinsen aufnehmen mussten. Dadurch konnten anfangs gering erscheinende Schulden eine Kostenlawine auslösen. Es gab in der Frü- hen Neuzeit wiederholt Prozesse, bei denen es um die 
Vermöge schon 1626 mit ungefähr 520’000 Gulden an- gab,18 obwohl seine Territorien durch den Dreissigjäh- rigen Krieg und den Prättigauer Aufstand sehr in Mitlei- denschaft gezogen wurden.19 Bald musste er erkennen, dass sein ältester Sohn Jakob Hannibal II. (1595–1646) sehr verschwenderisch war. Diesen verheiratete er 1616 mit Anna Sidonia, Herzogin von Teschen und Grossglo- gau (1598–1619).20 
Deren Hochzeit wurde in Salzburg bei Kaspars Bruder Markus Sittikus (1574–1619), dem Erzbischof von Salzburg, abgehalten. Der grosszügige Onkel liess das junge Brautpaar auch bei sich im Palast in Salzburg wohnen, was aber bald zu Unfrieden inner- halb der Familie führte. Jakob Hannibal und seine Frau verbrachten ihre Tage scheinbar ununterbrochen mit verschwenderischen Gelagen, bis es dem Onkel zu viel wurde und er beide nach Hohenems schickte.21 Aber Jakob Hannibal II. liess von seinem verschwen- derischen Leben auch in Zukunft nicht ab. Nachdem seine erste Frau gestorben war, heiratete er wieder mit grossem Aufwand 1620 Franziska Katharina, geborene Fürstin von Hohenzollern-Hechingen (1598–1665). Als ältester Sohn wurde er anfangs in der Erbfolge mit der Graf Kaspar von Hohenems. Kapitel_3_Arnegger.indd   6622.10.12   12:16
        

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