Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/55/
53 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 111, 
2012 
Das Stift Klosterneuburg bei 
Wien. 
Unterstützer der Grossen Allianz, wurden in Utrecht fest- geschrieben ebenso wie die Sukzession der Hannovera- ner Welfen auf dem britischen Thron nach dem Tod der letzten Stuartkönigin Anna. Diese englische Sukzession des Hauses Hannover trat dann bereits 1714 ein. Gross- britannien, das sich so die «protestantische Sukzession» auf dem Londoner Königsthron völkerrechtlich gewähr- leisten liess, war insgesamt der grosse Gewinner des dreizehnjährigen europäischen Kriegs: Weitreichende Vorteile im Atlantikhandel und die Inbesitznahme von Flottenstützpunkten in Amerika und im Mittelmeer un- terstrichen die maritime Machtstellung des Inselreichs. Gibraltar etwa ist davon bis heute als britischer Besitz übrig geblieben. Das Prinzip des europäischen Mächtegleichgewichts als eines Gleichgewichts der kontinentaleuropäischen Mächte mit England als dem austarierenden und aus- balancierenden «Waagemeister» wurde in Utrecht für die kommenden zweihundert Jahre als das Leitmodell der europäischen internationalen Politik etabliert. Karl VI. musste sich wiederstrebend in Rastatt und Baden fügen, auch wenn er sein spanisches Königtum nie ver- gessen sollte. Zumindest in Bauwerken hat er ihm an der Karlskirche in Wien und in seinem Escorial, in Kloster-neuburg, 
mit einer gewissen Nostalgie Ausdruck ver- liehen. Eine Nachbesserung brachte ihm 1720 der Krieg der Quadrupelallianz gegen Spanien, ein Nachfolgekrieg des Spanischen Erbfolgekriegs. Österreich erhielt jetzt im Tausch gegen Sardinien noch die wertvollere Insel Sizi- lien und konnte damit zumindest für kurze Zeit das ge- samte Königreich beider Sizilien mit den Zentren Neapel und Palermo für sich gewinnen. Kurz zuvor ermöglichte der siegreiche erste Türkenkrieg Kaiser Karls VI. nicht nur den Erwerb des Banats, eines Besitzes von künftiger Dauer, sondern zumindest kurzzeitig auch den Belgrads und der kleinen Walachei, des sogenannten Olteniens. Die Habsburger Monarchie erreichte damit ihre grösste geographische Ausdehnung an der Donau nach Südosten. Die Erwerbungen Karls VI. in Süditalien, Sizilien, Serbien und Oltenien gingen noch am Ende seiner Re- gierungszeit wieder verloren. Eine gewisse Überdeh- nung der Wiener Machtmöglichkeiten wird damit viel- leicht deutlich. Es kann spekuliert werden, ob eine Ver- bindung der spanischen und österreichischen Länder in einer Hand wie zur Zeit Kaiser Karls V. überhaupt noch realistisch möglich gewesen wäre. Die Voraussetzungen von Herrschaft hatten sich in den dazwischen liegenden 200 Jahren vielfach geändert. Die notorischen Finanz- Kapitel_2_Schindling.indd   5322.10.12   12:31
        

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