Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/24/
22Frommelt Fabian: Der Kauf der Grafschaft Vaduz am 22. Februar 
1712 
aber ohne dass die kaiserliche Kommission aufgehoben wurde. Es kam in der Folge zu Reibereien und Kompe- tenzstreitigkeiten zwischen Bodman und Jakob Hanni- bal. Auch Jakob Hannibal gelang es nicht, die Finanzen in den Griff zu bekommen. Da die Finanzkrise struktu- relle Ursachen hatte, konnte mit einer personellen Ro- chade nichts erreicht werden. Dennoch ist der Anstieg der Hohenemser Schulden während seiner Regierung erstaunlich: In nur sechs Jahren wuchsen sie von 70’000 Gulden auf 192‘000 Gulden.34 1692 setzte Kaiser Leopol'd auch Jakob Hannibal von der Regierung ab. Rupert von Bodman verwaltete Vaduz und Schellenberg fortan wie- der allein. Dem Schuldenwachstum begegnete Jakob Hanni- bal mit immer neuen Sanierungsideen: Unter anderem schlug er 1688 den Verkauf einzelner Güter vor, näm- lich des Meierhofs in Triesen, der Alp Sücka, der Mau- rer Weingärten und der Schupflehengüter, was aber nur rund 20’000 Gulden eingebracht hätte.35 Ein weiteres Vorhaben entsprang den Kontakten, die Jakob Hannibal durch seine Frau Anna Ämilia – deren  Eltern selbst zu den Hohenemser Gläubigern gehörten – zum Bündner Herrenstand unterhielt: 1693 beabsichtigte er den Ver- kauf der Gemeinden Balzers, Triesen und Triesenberg an die Drei Bünde. Die alte Grafschaft Vaduz wäre da- durch geteilt worden. Der Wert der herrschaftlichen Güter und Rechte in Triesen wurde auf 25’241 Gulden geschätzt, in Triesenberg auf 19’824 Gulden und in Bal- zers auf 15’588 Gulden, was zusammen 60’653 Gulden ergab. Auch dies hätte zu wenig eingebracht und der 
Personen Klage bei Kaiser Leopold I. Dieser beauftragte den Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman (1646– 1728)29 mit der Untersuchung der Prozesse und erklärte 1684 sämtliche Urteile für ungültig. Dies war das Ende der Hexenverfolgung in Vaduz und Schellenberg.30 Schon 1679 hatte auch Graf Jakob Hannibal beim Kai- ser gegen Ferdinand Karl geklagt: Er bat den Kaiser, sei- nen «eltern herrn bruder von aller administration und verwaltung rerum fideicommissi [der Fideikommissgü- ter] auffs schleünigste zuendtsetzen».31 Dies, weil Fer- dinand Karl ihm und den weiteren Geschwistern die Unterhaltsgelder vorenthalte, das Familiengut schädige, einen gotteslästerlichen Lebenswandel führe und die Fa- milienehre verletze. Als sich Anfang 1684 auch die Un- tertanen in einer Beschwerdeschrift an den Kaiser wand- ten,32 wurde Kaiser Leopold tätig: Im März 1684 setzte er Graf Ferdinand Karl von der Regierung ab und liess ihn verhaften. Zwei Jahre später, 1686, starb Ferdinand Karl mit nur 36 Jahren in Gefangenschaft auf Schloss Kemnat bei Kaufbeuren. Jakob Hannibal hatte mit seinen Klagen wesentlich zur Absetzung seines Bruders beigetragen – wohl auch in der Hoffnung, selbst an die Regierung zu kommen. Darin aber sah er sich zunächst getäuscht. Kaiser Leopold berief nämlich 1684 Rupert von Bodman zum kommis- sarischen Leiter einer kaiserlichen Zwangsverwaltung33: Bodman wirkte fortan im Auftrag des Kaisers faktisch als regierender Herr von Vaduz und Schellenberg. Erst nach dem Tod des kinderlosen Ferdinand Karl 1686 konnte Jakob Hannibal die Regierung antreten, Unterschrift und Siegel Graf Jakob Hannibals III. unter dem Kaufvertrag der Grafschaft Vaduz vom 22. Februar 1712. Kapitel_1_Frommelt.indd   2222.10.12   13:20
        

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