Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/231/
229 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 111, 
2012Eine 
Kurzbiographie, ein Literatur- und Quellenver- zeichnis, Bildnachweise und ein wertvolles Personen- Register machen das Buch von verschiedenen Seiten begehbar. Was ist Mundart? Ist sie Teil des Heimatgefühls? Für Edwin Nutt gewiss, so denke ich. «Ma mueß reda me- tanand» zitierte er einen alten Spruch 1956 im Liechten- steiner Volksblatt, und dieser Spruch hatte seine Gültig- keit und machte Liechtenstein, die Liechtensteinerin und den Liechtensteiner gerade in schwierigen Zeiten aus. Die Renaissance der Mundartliteratur? Diese Wieder- geburt bezieht sich auf die seit dem Ende des 19. Jahr- hunderts wehmütig der Mundart nachsinnenden klei- neren Werke – vom handschriftlichen Wörterbuch des Komponisten Joseph Gabriel Rheinberger (vorgestellt im Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürsten- tum Liechtenstein, Band 88), über das in Chicago ent- standene Werk «Einiges über die Mundart der Talge- meinden Liechtensteins» von Philipp Albert Schädler (publiziert im Jahrbuch des Historischen Vereins, Band 14). In kurzen Abständen erschienen dann in diesem Jahrbuch weitere «mundartliche» Werke, so etwa die «Vaduzer Sprüche» von Joseph Ospelt, in dessen Büro Edwin Nutt 1948 eintrat. In diesem retrospektiven Kon- text zu erwähnen wären auch die Flurnamensammlung von Joseph Ospelt (Jahrbuch des Historischen Vereins, Band 11, Nachtrag im Band 20), die handschriftliche Dis- sertation von Eugen Nipp über die romanischen Flur- namen in Liechtenstein, sowie die ersten Bemühungen, die Liechtensteiner Sagen zu sammeln und zu publizie- ren («Ein recht dankbares Gebiet wäre es, wenn Du die liechtenstein. Sagen nach & nach sammeln & in der Zei- tung dann veröffentlichen würdest.» – Aus einem Brief von Wilhelm Beck an seinen Parteifreund Gustav Schäd- ler). Die ersten grösseren Sammlungen erschienen denn auch 1924 im Jahrbuch des Historischen Vereins, Band 24, gesammelt von Eugen Nipp, und die von Wilhelm Beck angeregte Sammlung wurde in den Liechtensteiner Nachrichten 1926 unregelmässig publiziert. Soviel zur Renaissance der Mundart, dem sinnend in die Vergangenheit Schauenden. Der Trauer nach dem Entschwindenden zu einer Zeit, in der die Welt noch wenig geordnet war und trotzdem in unerbittlich hohem Tempo fortschritt. Der lautliche Wandel der Sprache war und ist nicht aufzuhalten und mit dem Verschwinden eines Gegenstands verschwindet jeweils auch die Be- 
Am 7. Mai 2012 wurde von der Liechtensteinischen Mundart-Stiftung in den Rathaussaal in Vaduz geladen. Ein neues Buch sollte vorgestellt werden. Ein Buch, das in vielfacher Hinsicht bemerkenswert ist. Der Histori- ker und Journalist Jürgen Schremser befasst sich mit der Liechtensteiner Mundartliteratur, und zwar am Beispiel des Mundartautors Edwin Nutt. Nun war Edwin Nutt (1922–1991) nicht einfach nur Autor. Er war führen- der Pfadfinder, Kämpfer gegen den liechtensteinischen Nationalsozialismus, erfolgreicher Leichtathlet, Journa- list, Politiker und Geschäftsmann. Er hat den Aufbau des Landes Liechtenstein vom Kampf gegen die liech- tensteinischen Nationalsozialisten bis in die 1970er Jahre erlebt und mitgestaltet. Ein reichhaltiges Leben, das auf verschiedenste Weise Einfluss auf seine dichte- rische Arbeit nahm. Jürgen Schremser geht diesen Ein- flüssen akribisch nach und zeichnet fundiert ein Bild des Heimatlandes von Edwin Nutt. Aus diesem Grund ist der Haupttitel des Buchs «Mundartliteratur Liech- tenstein» zwar nicht irreführend, aber bei weitem nicht vollständig. In vier Kapiteln (Edwin Nutt und die Renaissance der liechtensteinischen Mundartliteratur; der Erzähler Ed- win Nutt; ein vaterländischer Autor; eine Dichterstimme aus Liechtenstein) werden Geschichte, Mikrogeschichte, politische Geschichte, Sozialgeschichte, Kulturgeschichte und Heimatverbundenheit präsentiert. Dabei steht für den Autor Schremser nicht das Gesamtwerk im Vorder- grund. Vielmehr hat der Autor das Ziel, Aufmerksamkeit für Inhalte und Qualitäten der Texte von Edwin Nutt zu wecken, wie er in der Einführung 
schreibt. 
Mundartliteratur Liechtenstein:   Edwin Nutt Herbert HilbeJürgen Schremser: Mundartlite- ratur Liechtenstein. Edwin Nutt Hrsg.: Liechtensteinische Mundart-Stiftung. Vaduz 2012. 136 Seiten. ISBN 978-3-9523993-0-9 Preis: CHF 39.– Kapitel_10_Rezensionen.indd   22922.10.12   13:00
        

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