Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/212/
210Rennenberg Heinz/Hasler Norbert: 100 Jahre liechtensteinische 
Briefmarken 
Zur Zukunft der Philatelie Norbert HaslerLiechtenstein begann mit einem Shop im Liechtenstein Pavillon auf der EXPO 2010 gezielt den chinesischen Sammler-Markt zu bearbeiten. Seither, also innerhalb von zwei Jahren, stieg die Bedeutung des chinesischen Marktes für die Philatelie Liechtenstein von praktisch null auf die fünfte Stelle. Es gibt weitere Märkte, die noch erschlossen werden können. Dies lässt sich aber bestimmt nicht einfach da- durch erreichen, indem man in die entsprechenden Län- der oder Regionen fährt und dort anfängt, Briefmarken an Sammler zu verkaufen. Die Philatelie kann ein gutes Geschäft bleiben, aber die rein geografische Expansion in neue Märkte wird nicht genügen. Denn ein wich- tiger Markt ist für uns die Welt der Sammler. Fast jeder Mensch sammelt irgendetwas. Die Philatelie Liechtenstein steht nicht im Konkur- renzkampf mit andern Postgesellschaften. Es wäre un- sinnig zu versuchen, beispielsweise die Sammler brasi- lianischer Briefmarken zu «Liechtenstein-Sammlern» zu machen. Aber man kann und soll etwas dafür tun, die Menschen als Sammlerinnen und Sammler für das Brief- markensammeln zu begeistern. Dies kann nur gelingen, wenn sich die Philatelie ständig weiterentwickelt. Neben den Innovationen wie E-Mail oder Twitter sehen gewöhnliche Briefmarken sprichwörtlich alt aus. Briefmarken stammen aus der analogen Welt, wir leben und arbeiten aber in einer di- gitalen Welt. Es ist also unsere Aufgabe, Briefmarken für Bürgerinnen und Bürger der digitalen Welt interessant zu gestalten. Tatsächlich konnte die Philatelie Liechtenstein in den vergangen Jahren mit mehreren Weltneuheiten aufhorchen lassen. Im Juli 2009 wurde die erste «normal» perforierte, selbstklebende Briefmarke herausgebracht, welche direkt vom Bogen abgelöst werden kann. Es wa- ren dies auch die ersten Briefmarken, die von der Gestal- tung bis zum Druck komplett in Liechtenstein hergestellt wurden. Selbstklebende Briefmarken sind eine echte Er- leichterung für all jene, die noch täglich Briefe mit Mar- ken frankieren. Für die Perforation der selbstklebenden Marken war auch eine Innovation in der Drucktechnik notwendig. Die Philatelie Liechtenstein trägt also auch ausserhalb ihres eigenen Geschäftsfeldes zu Fortschritt und Wertschöpfung bei. Im Herbst 2011 erschien die zweite Weltneuheit: Zum chinesischen Jahr des Drachens wurde die welt- weit erste Scherenschnitt-Briefmarke produziert. Das 
Wie sinnvoll ist es in der heutigen Zeit noch, über die Zukunft der Philatelie zu nachzudenken? Hat sie über- haupt noch eine Zukunft? Fest steht, dass seit rund 170 Jahren Briefmarken pro- duziert werden, dass sie einen hohen kulturellen Stellen- wert haben, dass sie immer noch als Ausdruck staatlicher Souveränität und als Botschafter oder Visitenkarten ihres jeweiligen Landes betrachtet werden. Fest steht auch, dass manche vor vielen Jahren befürchteten, der Fern- meldeschreiber bedeute das Ende der Briefmarke. Diese Befürchtung erwies sich als unbegründet. Mittlerweile findet man dagegen den Fernmeldeschreiber meist nur noch in Museen. Auch die Frankiermaschine verdrängte die Briefmarke nicht. Das Faxgerät und in jüngerer Zeit die E-Mail veränderten das Kommunikationsverhalten allerdings einschneidend, während das Briefeschreiben stark zurückgegangen ist. Heute brauchen viele Men- schen, ob privat oder am Arbeitsplatz, für ihre Korre- spondenz keine Briefmarken mehr. Die öffentliche Hand klebt auf ihre Post meist auch keine Marken, sondern frankiert maschinell. Dennoch kann sich die Briefmarke auch gegenüber Fax und E-Mail als überlebensfähig erweisen. Via Fax bekommen wir heute vor allem noch Werbung für Fax- Tonerpatronen. Seit soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook populär wurden, ist die Zahl der E-Mails ra- sant gefallen. Konsequenz: Die Philatelie Liechtenstein bewegt sich in einem weltweit schwierigen, tatsächlich schrumpfenden Markt. Auch die Zahl der Briefmarkensammler ist weltweit zurückgegangen: Während das Briefmarkensammeln vor Jahrzehnten noch ein beliebtes und weit verbreitetes Hobby war, hat das wachsende Freizeitangebot dazu geführt, dass nicht mehr so viele Menschen zum Brief- markensammeln finden. Es gibt aber immer noch rund 40‘000 «Liechtenstein-Sammler», vor allem in Deutsch- land, Österreich, der Schweiz und in Liechtenstein selbst. Dies ist trotz allem ein ansehnlicher Kundenstamm. Ich bin davon überzeugt, dass er sich auch wieder vergrössern lässt, wenn es uns gelingt, neue Märkte zu erschliessen, wie es sich am Beispiel China deutlich ge- zeigt hat. Vor einigen Jahren konnte mit China eine Ge- meinschaftsmarke herausgegeben werden. Für Liechten- steins Auftritt an der EXPO 2010 in Shanghai wurde ein Sonderblock mit einem chinesischen und einem liech- tensteinischen Landschaftsmotiv lanciert. Die Philatelie Kapitel_9a_Briefmarken.indd   21022.10.12   12:58
        

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